Überdimensionierter Abdruck einer Bärentatze
Alles Bär...
 

Das Brummbär-Komplott

Wir fahren fort: Ins entlegene Waldviertel, wo früher raue Sitten und wilde Tiere herrschten, heute jedoch Essen als Kunst kommt, während Meister Petz nebenan zufrieden in seiner Höhle schläft.

23.10.2013 Autorevue Magazin

 

Hinauf ist immer gut. Vorausgesetzt man ist nicht zart besaitet. Oben bläst üblicherweise ein rauerer Wind. Und das Hinkommen ist auch nicht ohne. So viele Kurven. Also leg jetzt dein Buch weg, Kind, und schau dir lieber die Gegend an: Das ist das Waldviertel. Ganz recht, es heißt so, weil hier sehr viel Wald ist. Und stimmt, wir würden hier wohl keine Eierschwammerl finden. Nicht mehr. Vor drei Tagen war noch Sommer, aber siehst du, jetzt mischen sich schon erste Schneeflocken in den Regen. Daheim in der Ebene mag es noch zehn Grad wärmer gewesen sein, das ist eben so, wenn man ins Waldviertel fährt.

Herumliegende Granitblöcke

Wir sind nahe Melk vom drüberen Donauufer Richtung Norden abgebogen und über Pöggstall, Martinsberg, am 1000 Meter hohen Weinsberg vorbei nach Bärnkopf und durch den Weinberger Wald hinauf nach Arbesbach gefahren. Auf den letzten Kilometern haben sich in die Landschaft aus Wäldern und Dörfern immer mehr eindrucksvolle Granitblöcke gemischt, die unvermutet in der Gegend herumliegen, manche einzeln und nackt, andere in Haufen, bewachsen mit Sträuchern und Bäumen.

Burg Arbesbach

In Arbesbach thronen auf so einem Felsen die Reste einer Festung, die den rauen Außenposten illustriert, den diese Gegend im Mittelalter darstellte. Die Burg Arbesbach wurde von den Kuenringern im 12. Jahrhundert als Vorwerk der Burg Rappottenstein errichtet, zur Abwehr einfallender Slawen, sie hielt tatsächlich 300 Jahre. Eine böhmische Streifschar zerstörte die Festung 1490, seither ist die Burg eine Ruine geblieben.

Bärenhof Kolm Arbesbach

Biegt man unter der Burg nach links Richtung Königswiesen, kommt man nach zwei, drei Kilometern zum Bärenwald, wo einerseits zwischen April und November gerettete Tanz- und Zirkusbären in gut gesicherten Freigehegen zu bewundern sind und andererseits ein feines Restaurant zu finden ist. Michael Kolm, der beim Mraz in Wien gelernt hat, kocht in seinem kleinen, recht modern eingerichteten Lokal, das unmittelbar an den Bärenpark anschließt, feinsinnige, kreative und kunstvoll angeordnete Gerichte, was angesichts der sonst am Rande von Naturparks anzutreffenden Speiseangebote eine besonders angenehme Überraschung darstellt.

Herbstliches Menü

Das gewählte Menü entsprach der herbstlichen Stimmung. Es gab ein Rote-Rüben-Carpaccio mit einem Rollmops aus Roastbeef, das mit köstlichen Wildkräutern gewürzt war, danach ein würziges Krautfleisch, das den Fisch-Fleisch-Witz umdrehte und mit einem Filet vom Felchen serviert wurde, und zum Abschluss eine zweifache ­Nougat-Köstlichkeit, bestehend aus Backwerk und herrlich cremigem Mousse, das von einem Himbeer-Yoghurt-Lassi im Glas begleitet wurde. Auch bester Wein wird angeboten, glasweise, damit er sich gut ins Ausflugsprogramm integrieren lässt.

Bären als Kindermagnet

Weil Bären ein rechter Kindermagnet sind (der Park ist reichhaltig mit schlauem und anspruchsvollem Kinder-Kletter-und-Spiel-Gerät ausgestattet), ist der Bärenhof Kolm auch gut auf Junior-Essenswünsche eingerichtet, die wenig Experimentelles dulden. Pommes also sind null Problem, auch diverse Nudel-, Schnitzel- und Würstl-Wünsche. Und gemischtes Eis in bevorzugten Geschmacksrichtungen war ebenfalls vorrätig. Die kleine Mamsell war jedenfalls ziemlich glücklich.

Tom oder Jerry

Brumca und Lara, die beiden europäischen Braunbären, haben wir in ihren Gehegen leider nicht entdecken können. Auch Vinzenz, Liese und Eddie, ihre syrischen Kollegen, verweigerten sich. Nur Tom sahen wir. Er schlief in seiner Höhle. Es kann aber auch Jerry gewesen sein, so genau erkannten wir ihn an seinen felligen Ohren nicht (wen es näher interessiert: Bilder unter www.baerenwald.at).

 

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