Bett im Hotel Alemannenhof
Hier lässt es sich gut schlafen
 

Smoke on the Water

Wir fahren fort: In den Schwarzwald, wo es einen See mit sehr lustigem Namen, Fisch auf weiß gedecktem Tisch und ein wunderbares Erwachen am Wasser gibt.

13.09.2013 Autorevue Magazin

 

Auftragsreisen sind stets ein Wagnis. Sie richten sich ja nur nach dem Auftrag, selten nach den persönlichen Sehnsüchten des Reisenden. Geschäft und Erfolg nehmen in ihrem örtlichen Auftreten selten Rücksicht auf Landschaft, Herberge und Gaumen. Ich nächtigte schon in italienischen Industrievierteln, in Renommierstücken polnischer Provinz-Hotellerie und in Mariazell. Mich kann nichts mehr überraschen.

Das spannendste Stück Gegend des deutschen Südens

Dachte ich. Bis ich in den Schwarzwald kam. Nach acht Stunden Autobahn und der sie begleitenden Fadesse hob hinter Donaueschingen plötzlich das spannendste Stück Gegend des deutschen Südens an, das mir bisher begegnet ist. Waldig, bergig, verwinkelt, mit Schindeldächern auf den Häusern und kurvigen Straßen schmiegt sich der Schwarzwald in die Biegung, mit der der Rhein Baden-Württemberg zu Frankreich und zur Schweiz nach Südwesten hin abgrenzt. Genauer war es der Hochschwarzwald, in den ich hineinfuhr, und sein Name ­bezeichnet genau das, was er ist: der höher gelegene Teil von Deutschlands größtem zusammenhängenden Mittelgebirge.

Quatier am Titisee

Der Auftrag wollte es, dass ich am Titisee Quartier bezog, was ich zuerst für einen Scherz hielt. Titisee? Ich kenn den Titicacasee und Tahiti und Tintin, aber Titisee? Und doch, es gibt ihn, echt. Er ist 1,3 Qua­dratkilometer groß und an seiner tiefsten Stelle 20 Meter tief, und sein Name soll sehr alt sein, wobei keiner so hundertprozentig genau weiß, woher dieser kommt (vom römischen Feldherrn Titus vielleicht, jedenfalls soll heute noch ein Schiff auf dem See unterwegs sein, das im Groben einer Galeere ähnlich sieht – Dank an die Tourismus-Industrie!).

Willkommen am Titisee

Der See ist wunderhübsch eingebettet in die ehemals von Eiszeitgletschern geformte Landschaft. Am Wochenende ist die Gegend aber unbedingt zu meiden, da soll hier die Hölle los sein, sagen die Einheimischen. Aber es ist ein eher kühler Dienstag im Frühjahr und kaum etwas los, angenehm also, und man bezieht ein Stück außerhalb des Ortes Titisee Quartier im Hotel Alemannenhof, das eine hübsch nah am Wasser gelegene 4-Stern-Herberge mit neuerdings auch superioren Zimmern ist (extra danach fragen), also solche mit modern glasgefasster Dusche mitten im Raum, ansprechend drapiertem Bett, viel Holz und allen Annehmlichkeiten des gehobenen Wohnens am richtigen Fleck. Sogar ein hand­geschriebener Willkommens-Zettel ist da.

Einmal Freiburg und retour

Um die Gegend wenigstens ein bisschen kennenzulernen, nütze ich das letzte Abendlicht für eine Fahrt nach Freiburg hinunter, die durch das pittoreske Höllental führt, durch das der Dreisam-Fluss Richtung Rhein fließt, komme am Himmelreich vorbei, das sogar eine Bahnstation hat, fahr dann rüber nach St. Peter, durchs Glottertal hinauf nach St. Märgen und wieder zurück nach Titisee.

Unpeinliche Stube

Dort nehme ich ein Abendessen im großen Haus am See, beim Trescher im Hotelrestaurant, umsorgt von höchst beflissener Bedienung, in einer rustikalen, aber ganz unpeinlichen Stube mit viel weißgedeckter Tischkultur und einer feinen Weinkarte. Zur Ententerrine mit frischen Feigen und der Kaiserbrasse mit Fenchel und Reis gibt’s einen Spätburgunder vom badischen Weingut Martin Waßmer (Schlatter Maltesergarten 2007), ein schlanker, mineralischer, unaufdringlicher Roter, der auch gut zum Fisch passt und im Nu weg ist, weshalb zum Dessert, das etwas altmodisch als Potpourri von exotischen Früchten (Kokos und Ananas) auftritt, noch ein Eiswein vom Weingut Michael Roos verkostet wird.

Fire in the Sky

Auf dem Heimweg war’s glücklicherweise recht frisch in der Bergluft auf knapp 800 Höhenmetern und die Nacht war herrlich ruhig. Und beim Aufwachen dann, mit Blick auf den See, im ersten Morgengrauen, lag ein Dunst über dem Wasser, der wie Rauch über die Seeoberfläche kroch. Smoke on the Water!, war mein erster Gedanke. Und als die Sonne dann aufging: Fire in the Sky!

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