Essenstafel im freien
Mahlzeit im Weinviertel
 

Kuckuck um Kukuruz

Wir fahren fort: Zu einer Herz-Erschließungs-Tour ins Weinviertel, das man zu kennen glaubt und von dessen Vielfalt man dann doch überrascht wird.

01.09.2013 Autorevue Magazin

 

Die rechte obere Ecke von Niederösterreich hatte es in der Schule schon schwer. Weil: Rechts sagt man nicht und oben auch nicht, hat die Geografie-Professorin geschimpft. (Und solche Zurechtweisungen legen sich dann manchmal wie ein Hexenfluch über das echte Land.)

Weinviertel

Das Landgeviert zwischen Manhartsberg, Donau, March und Thaya heißt amtlich „Weinviertel“, hat als größtes österreichisches Weingebiet sein agrarisches Hauptanliegen also praktischerweise auch zum Namen gemacht, was der Vielfalt der Gegend jedoch nicht gerecht wird. Die sich bis zum Horizont in sanften Wellen aufwerfenden Äcker, die dazwischen liegenden wilden Wälder, die beschaulichen Dorf-Idyllen und die Burgen und Schlösser hätten eigentlich namentlich genauso gut herhalten können. Es traf aber den Wein, und das hat auch sein Gutes.

Zur Linde

Nach einer Zeit, in der vor allem die gekelterte Menge den Ruf bestimmte und der Eiserne Vorhang im Rücken eher für eine Ruhelage sorgte, hat sich der Wein im Weinviertel in jüngerer Vergangenheit zu unkomplizierter Anmut ent­wickelt und als Veltliner DAC der Gegend eine angenehme geschmacksspezifische Identität gegeben. Und weil das Weinviertel auch kulinarisch etwas hergibt und landschaftlich schön ist, haben die Weinviertler in diesem Sommer eine Reihe von Tafeln im Freien aufgestellt (weiß gedeckte lange Tische, keine Schilder), unter anderem eine in der Kellergasse in Asparn an der Zaya, das ganz in der Nähe von Mistelbach liegt, wo Karl Pollak in seinem Gasthaus „Zur Linde“ feine regionale Gerichte auf den Tisch bringt.

Taubenschuss

Was sonst unter Dach in der Gasthausküche gemacht wird, wurde diesmal auf der grünen Wiese zubereitet, in Reichweite eines Verlängerungskabels, an dem der Herd angeschlossen war: Serviert wurden köstliche kleine Grammelknödel vom Mistelbacher Wollschwein, eine kräftige klare Suppe, die vorzüglich gegen die aufziehende Abendkühle wirkte, dann ein Gröstl vom Nexinger Karpfen, weiters ein deliziöses geschmortes Schulterscherzl vom Weinviertler Rind und zum Schluss eine Buttermilch-Mousse mit Erdbeerstrudel. Begleitet wurde das Mahl von Weinen des Weinguts Taubenschuss aus Poysdorf, drei Veltliner, ein Weißburgunder und eine Traminer Auslese 2007, alles höchst würdige Erwachsenen-Unterhaltung, während das nicht besonders mit Sitzfleisch gesegnete Kind stundenlang Verstecken im Kukuruz spielte, was bei 1,30 Meter Kindslänge im Juni noch harmlos ist, im August dann aber eine echte Challenge werden kann (so ein Maisfeld ist groß).

Urgeschichtemuseum

Bei Tisch wird einem dann mit Blick auf das Quecksilber ein Besuch im Asparner Urgeschichtemuseum nahegelegt, das auch dem Erwachsenen im Vorbeigehen Nachhilfe in frühgeschichtlicher Weinviertel-Besiedelung serviert. Weil hier oben rechts in Niederösterreich schon kulturell die Sonne schien, als es in anderen Gegenden noch stockfinster war.

 

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