Mercury Burger Bar in Corktown
Mercury Burger Bar in Corktown.
 

Aus dem Tagebuch eines Redakteurs: Post aus Detroit

Susanne Hofbauer über die schönen Seiten des ausgebluteten Detroit.

19.05.2014 Autorevue Magazin

Post aus Detroit

Immer die gleiche Leier: Sie schreiben von Ruinen, Tristesse, Kriminalität. Und jetzt auch noch vom Bankrott der Stadt. Detroit hat es nicht leicht, dem ewig gleichen Klischee-Auftakt zu entrinnen. Kaum ein Bericht über die Autoshow, in dem auf diese demütigende Referenz verzichtet wird.
Dabei hat Detroit auch einnehmende Seiten. Sie sind bloß schwieriger zu finden in dieser riesigen ausgebluteten Stadt.
Aber Detroit lernt und hat heuer etwas Kluges gemacht: Die Stadt hat den Journalisten und Autoleuten, die aus aller Welt zur Autoshow eingeflogen sind, Nachhilfeunterricht angeboten. Man konnte sich auf Stadtführungen mitnehmen lassen, die zeigen, dass Detroit viele sehenswerte Plätze und ­blühende Communities hat. ­Architektur, Kunst, Restaurants, Stadtansichten. Die „Beyond the Bankrupcy“-Touren machen zum Beispiel an der ­Riverfront Halt,
in Downtown beim Guardian ­Building, einem wunderschönen Art déco-Bauwerk, im Jam & Snug, ­einem beliebten Lokal in Midtown, und im Henry Ford Museum in Dearborn. Die Tour kann übrigens auch außerhalb der ­Messezeit  gebucht werden.

marshall fredericks spirit of detroit

Downtown-Statue „Spirit of Detroit“ von Marshall Fredericks.

„Mein Lieblingsfleck in Detroit ist derzeit Corktown.“

An der Michigan Avenue Höhe Michigan Central Station ist rund um das mittlerweile berühmte und oft brechend volle Slow’s Bar-B-Q eine rege Lokalszene entstanden. Das Astro Coffee mit seinen hausgemachten Back­waren. Die schummrig-elegante Sugar House Bar mit ihren fabelhaft puristischen Cocktail-Kreationen. Die Mercury ­Burger Bar mit ihren hervorragenden Burgern und dem sagenhaften Blick auf die monolithische Ruine der Central Station.
Es gibt noch ein gutes halbes Dutzend weitere Lokale, sogar eine Whiskeybrennerei, und in den nächsten Wochen sollen noch ein Bagel-Laden und ein italienisches Restaurant aufsperren.

Tagebuch eines Redakteurs, März 2014.

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