D2566. Die Straße zum Turini.
D2566. Die Straße zum Turini.
 

Abschiedstour: Subaru Impreza WRX STI

Auf den Spuren zweier Mythen. In den französischen Seealpen mit dem Subaru Impreza WRX STI. Reisebericht und Abschiedstour zugleich.

28.08.2014 asphaltfrage

Plötzlich liegst Du mitten im Wald. Auf dem Dach. Ärgerlich, aber so ist es eben. Rallyefahren verzeiht keine Fehler. Vollste Konzentration nicht bloß für eine schnelle Qualifikationsrunde – sondern immer.

Staub, Dreck, Matsch, wahlweise Eis und Schnee. Auf jeden Fall aber immer auf den Millimeter an groben Felsen und gewaltigen Abgründen entlangrasierende Spoiler-Kisten. Ja, die Formel 1 ist wahrlich ein Puppentheater dagegen.

Doch es muss eben passen. Und für den Kollegen mit dem silbernen Kompakten hat es nicht ganz gereicht. Seit Jahren schon liegt sein Wrack unter dem Gipfel des Col de l’Ablé und jedes Mal müssen wir dort aussteigen. Nachschauen ob noch einer dazukam, vor allem aber um Zeit zu gewinnen. Denn die Anfahrt zum l’Ablé hat es in sich.

Zeitenfeilen am Abgrund: Rallyefahren statt Blümchenpflücken.

Man sollte den Blick auch mal vom Auto nehmen und die Landschaft genießen.

Man sollte den Blick auch mal vom Auto nehmen und die Landschaft genießen.

Von l’Escarène die D2204 hinauf zum Col de Braus. Hätten wir jetzt Heckantrieb und lausiger Traktion, die Freude wäre groß. Denn so legendär die Westrampe mit ihren Haarnadelkurven auch ist, wir finden sie überbewertet. Gerade im Subaru Impreza WRX STI macht es nicht wirklich Spaß. Zuviel Grip, ein klaffendes Turboloch und das fehlende Quäntchen Spritzigkeit. Nein, zumindest im Serientrimm sind enge Haarnadeln nix.

Oben dann, wenn die letzten schnellen Ecken hinauf zu kahlen Kopf geschafft hat heißt es rechtzeitig abbiegen. Scharf geht die D54 links weg und nein, es ist kein Feldweg. Stattdessen ein absoluter Geheimtipp. Eng und unübersichtlich schlängelt sie sich elegant durch den Wald an der Bergkuppe entlang, bis sie dir dann diesen traumhaften Blick am Gipfel des l’Ablé in die umliegenden Täler eröffnet. Hier empfiehlt sich eine kurze Rast. Wurstsemmel, Kippe und Cola.

Idealer Rastplatz: der Subi-Spoiler. Nur mit den Wurstsemmeln muss man in Frankreich noch üben.

Griffiger, trockener Asphalt und der WRX STI ist in seinem Element.

Griffiger, trockener Asphalt und der WRX STI ist in seinem Element.

Weiter geht es durch den Wald, vorbei am Col de l’Orme und auf einer netten Zwischengeraden zur Pas de L’Escous. Und hier hat man den Himmel auf Erden asphaltiert. Kaum mehr als zwei Kilometer ist das Stück lang, aber dafür geht es auch keine 20 Meter geradeaus. Ein Traum! Das Fahrwerk bringt absolute Höchstleistung, Turbolader und Bremse sowieso – ein Fest! Viel zu schnell bist du auf der D2566, die sich von Westen kommend recht langweilig dem Turini entgegenschlängelt.

Oben am Gipfel ist es dann auch entsprechend trist. Ausgestorben, nebelverhangen und ein wirklich imposantes Schild hat es auch nicht. Abfahrt also. Und wie: Die D2566 zeigt sich in Richtung Moulinet von ihrer schöneren Seite. Weiter in Richtung Sospel und man ist am Ziel. Wer will, der schmeißt sich auf der D2204 gerade wieder zum Col de Braus hinauf und feilt weiter an seinen Zeiten. Oder würfelt andere Streckenkombinationen zusammen. Andersherum fahren beispielsweise.

Wie es Euch gefällt: Routen rund um den Col de Turini gibt es zahlreiche.

L'Escarène ist ein nettes Städtchen. Ein paar süße Cafés hat es trotz abgerissener Architektur.

L’Escarène ist ein nettes Städtchen. Ein paar süße Cafés hat es trotz abgerissener Architektur.

Nur auf die Tankstellendichte muss man aufpassen. Es hat nämlich praktisch keine in den Seealpen. Und der Boxer im Impreza WRX STI ist bei scharfer Fahrweise nicht gerade zimperlich in Sachen Verbrauch. Da strudeln dann auch gerne 25 Liter auf 100 Kilometern durch die Düsen. Aber man kann ihm da nicht böse sein. Keine Direkteinspritzung mit Effizienzprogramm. Keine TwinScroll-Turbolader. Keine Zylinderabschaltung und kein variabler Ventiltrieb. Stattdessen einfach die große Ladedruckkelle und entsprechend großzügige Anfettung.

Man will am Gipfel ja nicht abgemagert verglüht sein. Diese handfeste Ehrlichkeit zieht sich durch das gesamte Auto. Im Innenraum ist das natürlich am offensichtlichsten, aber hey: Fuji Heavy Industries. Hier erwartet keiner skandinavische Designkunst. Das Fahrwerk ist vom gleichen Schlag. Hart aber doch herrlich, blüht es vor allem auf grobem Belag auf. Da wippt nichts nach, der federt nichts durch, es ist ein Fest. Hier merkt man, dass die japanischen Ingenieure nicht zum ersten Mal ein Rallyefahrwerk abgestimmt haben. So auch bei der Bremse: zwar glüht sie gerne mal, läuft blau an und wandert mit dem Druckpunkt, doch sie jammert nie und gibt nie auf

Impreza WRX STI: die Bremse steht stellvertretend für das ganze Auto. Niemals aufgeben!

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Der Allradantrieb bleibt eh ohne Tadel. Solange man sich im Auto „Minus“ Modus befindet, der ein bisserl mehr Drehmoment an die Hinterachse leitet, heißt es „fire and forget“. Denn wenn du tatsächlich den ganzen Tag durch die Seealpen ballerst, dann ist das Letzte was du brauchst die Sorge um das Auto. Schließlich hast du genug damit zu tun die Fuhre auf Kurs zu halten und die gemeinen Ecken zu entschärfen.

Deshalb ist auch der Vergleich mit der jungen wie schnellen Konkurrenz eher ein hinkender. Zwar sind A45 AMG, Golf R und M135i allesamt schneller, schöner, sparsamer aber eben auch: Puppenspieler. Glattgeföhnte Siegertypen. Der Subaru WRX STI ist mehr Werkzeug als Spielzeug. Und wenn der Schotter spritzt, dann bist du froh in der japanischen Hartplastikkanzel zu sitzen. Hier musst du nicht ums zarte Material fürchten, der Subi hält das locker aus. Und so bleibt die volle Konzentration für die Strecke – denn die braucht es. Und das weiß man bei Subaru.

In Nizza ist das Wetter noch nicht viel besser. Dafür bietet die leere Promenade einen schönen Parkplatz.

In Nizza ist das Wetter noch nicht viel besser. Dafür bietet die leere Promenade einen schönen Parkplatz.

Randnotiz: Der neue WRX STI kann übrigens nicht viel mehr als der von uns auf Abschiedstour genommene Alte. Zwar ist die Lenkung direkter übersetzt, dafür wurde aber auch der Radstand gestreckt, was die Vorteile im engen Winkelwerk nicht zu dramatisch werden lässt. Bei Fahrwerk wurde die Federrate angepasst, doch auch hier haben wir vorher keine zu große Seitenneigung feststellen können. Motor- und Getriebeseitig blieb sowieso alles beim Alten. Deshalb: neu ist nicht immer besser. Wer die Optik mag, der greift zum Langen. Wem es nur um die Performance geht, der wird auch mit dem Kurzen glücklich.

  • MP

    Sie meinen ein“Golf“oder“A45″,BMW-1er wären schön? Diese zumeist hochgezwirbeten Turbomotoren brauchen doch auch weit mehr als angegeben wenn ihre Leistung wirklich abgrufen wird.Schade um den WRX eine der wenigen Rosinen im Einheitsbrei.

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