alkohol steuern
100 Punkte, richtig reagiert: Schlafen statt fahren.
 

Zu betrunken zum Fahren? Das entscheidet immer noch das Auto!

Die Lall-Probe: Da man den Menschen nicht blind vertrauen kann, sollen die Autos entscheiden, ob man nach ein paar Gläschen noch fahrtüchtig ist.

28.03.2015 Online Redaktion

Es ist Wochenende! Die Zeit, an der manche Menschen noch lieber als sonst ein, zwei, drei, vier… Gläschen trinken oder 3 Kilo Rumkugeln essen oder beides, und sich danach noch ins Auto setzen und nach Hause fahren (oder zur nächsten Party). Eigentlich sollte jeder erkennen, dass das keine gute Idee ist. Und man möchte glauben, dass Auto- und sonstige Fahrer schon alleine aus Liebe zu ihrer eigenen körperlichen Unversehrtheit – wenn ihnen die der anderen schon nicht soo wichtig ist – nach Alkoholgenuss die Finger vom Steuer lassen. Aber wie wir alle wissen, ist dem leider ganz und gar nicht so.

Alkohol-Wegfahrsperre bereits bewährt

Bei diesem Thema reicht es nicht aus, auf die Vernunft der Fahrer zu vertrauen, und die Autos sind noch nicht so weit, dass die Betrunkene autonom nach Hause kutschieren können. Daher werden immer neue Ansätze entwickelt, um alkoholbedingte Verkehrsunfälle zu vermeiden. Einer davon ist der Einsatz einer Alkohol-Wegfahrsperre. Ist ein Fahrzeug mit einer solchen Sicherheitsmaßnahme ausgestattet, muss der Lenker nach Betätigen der Zündung erst einmal eine Atemprobe abgeben. Ist die Alkoholkonzentration im Atem zu hoch, kann der Motor nicht gestartet werden. Das System wird bereits in 7 europäischen Ländern eingesetzt und soll verhindern, dass Fahrer, die schon alkoholisiert hinterm Steuer erwischt wurden, wieder rückfällig werden. Auch der österreichische Verkehrsminister Alois Stöger befürwortet die Alkohol-Wegfahrsperre: Diese sei bei weitem effektiver als der Entzug des Führerscheins: „Alkolocks sind ein Weg, sie nicht vom Arbeits- und Gesellschaftsleben auszuschließen und die drohende soziale Abwärtsspirale zu vermeiden“, wird Stöger in einer Aussendung zitiert. Aber natürlich können die Auto-Alkomaten leicht ausgetrickst werden – zum Beispiel, indem jemand hineinbläst, der weniger getrunken hat.

Don’t lall and drive

Ein anderes System, dass verhindern soll, dass ein Auto von einem Betrunkenen gesteuert wird, ist eine Art „erweiterte Spracherkennung“. Forscher an der Ludwig-Maximilian-Universität in München arbeiten an einer Software, die an der Stimme erkennt, ob jemand noch fahrtüchtig ist oder nicht. Dazu haben die Wissenschaftler 162 Personen mit Bier und Wein betrunken gemacht, sie in zwei verschiedene Autos gesetzt und dort dabei aufgenommen, wie sie Zahlen, Buchstaben, aber auch ganze Sätze und sogar Zungenbrecher aufsagen. Mit den selben Personen wurden auch Sprachaufnahmen im nüchternen Zustand gemacht. Anhand der Unterschiede in der Sprachmelodie, Geschwindigkeit, Deutlichkeit und so weiter soll das System in ein Auto integriert feststellen können, ob die Person ein paar Drinks zuviel intus hat, und sie im Fall des Falles am Wegfahren hindern.

Spracherkennung nur zu 70 Prozent genau

Dieses System ist aber freilich noch alles andere als ausgereift. Zum Einen trifft der Computer nur in etwa 70 Prozent der Fälle die richtige Entscheidung, wie eine Studie der University of Columbia ergab. Zum Anderen muss das System auf einen ganzen Pool von Sprachaufnahmen zurückgreifen können, um genügend Vergleichsmaterial für eine annähernd korrekte Beurteilung des Alkoholpegels des Sprechers zu haben. Das bedeutet, dass jeder Autohalter Stunden mit Betrinken, Sprachaufnahmen, Ausnüchtern, Sprachaufnahmen, usw. usf. zubringen müsste, bevor er ein System bekommt, das nur in weniger als drei Viertel der Fälle zuverlässig funktioniert. Das ist vielleicht auch nicht die beste Lösung. Und vielleicht lohnt es sich auch nicht, weiter daran zu arbeiten – denn glaubt man Elon Musk, werden uns unsere Autos sowieso in naher Zukunft autonom überall hinbringen, egal ob wir betrunken sind oder nicht.

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