Lamborghini und Maserati in China
Lamborghini muss die Beschwerden wohl ernster nehmen.
 

Ihr Anliegen ist uns wichtig

… bitte schlagen Sie unser Produkt nicht zu Schrott. Wie Chinesen Service-Beschwerden übermitteln.

15.05.2013 Online Redaktion

Da steht es, das Symbol für Freiheit und Wohlstand. Mit nachgerade schreienden Wunden an den Flanken. Entzaubert von der Brutalität eines Mobs. Ein Lamborghini per Vorschlaghammer degradiert zu einem Protestobjekt. Der Lamborghini wurde nicht Opfer eines Regimesturzes oder einer Eurogegner-Demonstration, sondern ist ein teures Zeichen an die italienische Marke: der Service lässt zu wünschen übrig.

Denn die Arbeiter zerstören den Lambo auf Wunsch des Besitzers, dem Leiter einer Fabrik für Baumaterial in Qingdao. Der hatte den Wagen aus zweiter Hand gekauft und bekam nach vier Wochen einen Motorschaden gratis dazu. Es kam zum Streit mit Lamborghini darüber, wer in welcher Höhe für den Schaden aufkommen müsste.

Kann als Firmen-Sportprogramm vielleicht sogar von der Steuer abgesetzt werden.

Kann als Firmen-Sportprogramm vielleicht sogar von der Steuer abgesetzt werden.

Offensichtlich setzte sich die Automarke durch. Weswegen der Fabrikboss den Wagen auf dem Hof parkte und am 15. März ein paar Arbeiter mit Vorschlaghämmern ausstattete. Krawallo! Der Wagen hatte (zumindest in China) einen Wert von 1,9 Millionen Yuan – rund 236.000 Euro.

Lamborghini, Maserati und das After-Sales-Management

Eine ähnliche Aktion am Vortag dürfte ihn motiviert haben. Denn vor den Toren der damals stattfindenden Automesse in Qingdao ließ ein unzufriedener Kunde seinen Maserati zu Schrott prügeln. Ein Händler hatte den Quattroporte mit einem gebrauchten Ersatzteil repariert, aber den Neupreis verrechnet. Auch hier kam es zum Streit. Wieder wurden Arbeiter und Vorschlaghämmer organisiert, wieder musste das Auto alles ausbaden. Der Maserati hatte einen Gegenwert von 2,6 Millionen Yuan – 323.000 Euro.

Ob Ihnen die Arbeitszeit von der Pause abgezogen wird?

Ob Ihnen die Arbeitszeit von der Pause abgezogen wird?

Überhaupt scheint dieser Art der Beschwerde in China nicht unüblich zu sein. Schon 2001 zerstörte ein unzufriedener Kunde seinen Mercedes SLK 230. Aus ganz ähnlichen Gründen.

Vielleicht sollten europäische Automarken über eine Beschwerde-Hotline in China nachdenken. Langfristig betrachtet ist das besser für´s Image.

„Drücken Sie die eins für eine Fahrzeugbestellung.“
„Die zwei, falls sie ihr Auto zu Schrott geschlagen haben.“
„Die drei, wenn ein wütender Mob Sie begleitet.“

Vielleicht tut sich ein neues Berufsfeld auf.

Vielleicht tut sich ein neues Berufsfeld auf.

In China tut sich damit vielleicht ein völlig neuer Berufszweig auf. Die Arbeiter können wachsende Unzufriedenheit und möglichen Zorn auf die Oberklasse kanalisieren, die wiederum kann die Zerstörung als Firmen-Sportprogramm von der Steuer absetzen. Die Autohersteller profitieren von einem gesteigerten Bedarf an Luxuskarossen.

Fotos: Reuters

  • hannes

    Hahaha tja de gschissenen italienischen autos- ned amal geschenkt würd ich so eine drecksreibn fahrn !

  • Stefan

    einerseits blutet mir das herz, wenn ich sehe, wie so „geile“ autos zerstört werden…

    andererseits kann ich es nachvollziehen (nachdem auch ich schon meine „erfahrungen“ mit diversen herstellern gemacht habe)… wo gibts mehr negative schlagzeilen über eine automarke als nach so einer aktion?!

    wenn ich es mir hätte leisten können, hätte ich meinen ford maverick genauso öffentlich „hingerichtet“. stichworte: blockierendes Gaspedal (mittlerweile als produktfehler geoutet aber auf den kosten bis dahin bin ich sitzengeblieben und ford hat es bisher nicht der mühe wert gefunden mich zu kontaktieren), rost, defekte an der technick im allgemeinen…

    leider habe ich es mir auch nicht leisten können – wie der besitzer eines mercedes vor einigen jahren – mit der mängelliste durchs land zu touren und die mängel öffentlich zu machen…

    wir bezahlen für unsere autos wirklich viel geld! da könnte man im gegenzug erwarten, daß die qualität stimmt (was sie leider in den meisten fällen aber nicht tut!)…

  • Fritz

    Spontan fällt mir nur eines ein: K R A N K !

  • JoGeorg

    Da sieht man wieder wohin das Geld fließt. In Europa wird es immer weniger dafür im Reich der Mitte immer mehr. Soviel, dass die Reichen Unikate zertrümmern lassen. Sollten sofort auf eine Sperrliste kommen. Und wie man liest macht das offizielle China lauter Einfuhrschikanen. Und was fällt unseren Politikern ein, sie buckeln was das Zeug hält/ Menschenrechte werden dabei ganz vergessen/ nur um Aufträge zu ergattern. Es gibt erstrebenswertere Ziele.Zum Beispiel Visionen in Europa Wirklichkeit werden lassen. Ca. 25% unserer Jugend ist arbeitslos, Ausbildung tut Not. Und diese Form des Autos,Maserati; Lamborghini;Ferrari,… machen gerade mal maximal 5% der in Europa Beschäftigten aus. Solche technischen Wunder Kunstwerke sind noch nie für die Masse gewesen. Daher stellt sich jeder (noch dazu wo soviel Geld keine Rolle spielt)ein Armutszeugnis aus.

  • Dampfmax

    Hat nicht China bald mehr Millionäre als Hungernde in der Landbevölkerung?
    Es geht doch voran in dem Land.
    Lernen können Die nichts mehr von uns.
    Und Europa kraucht ihnen weiter hinten hinein.

  • Alex

    Es wäre klüger gewesen den Angestellten das Fahrzeug zu überlassen die dann den Wagen genauso DEMONSTRTIV hätten zerlegen können mit dem Vorteil, daß dieselben dann die Teile ver hökern knnnten.
    Der abgenagte Leichnam könnte dann wiederum In eine Schrottpresse zermalmt werden….

  • Max

    Ob brandaktuell oder nicht, was nicht publik wird, ist der Umstand, dass es China den ausländischen OEMs zusehends schwer macht. Einerseits den Ersatzteileimport durch intransparente Vorschriften erschwert, andererseits zusehends Welle gegen die ausländischen Hersteller macht: siehe Artikel zu gesundheitsschädigenden Dämpfen bei deutschen Fahrzeugen in China.

  • Ralf

    Und die Aktion fand am 15.03.2011 statt. Ziemlich alter Hut!

    • Mikkel

      Na geh – ist dir die Geschichte nicht aktuell genug? Zeit hast du auch noch investiert um das genaue Datum rauszufinden und zu kommentieren…

    • Guten Morgen Ralf,

      wir dachten einerseits, die Geschichte ist zeitlos und zweitens in Europa unbekannt – hätten wir das Datum nicht geschrieben, es hätte keiner bemerkt, was freilich nicht zu uns passt.

      Wir hoffen, die GEschichte hat trotzdem gefallen.

      Beste Grüße,

      Christian Seidel

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