Google patentiert „Fliegenfänger für Menschen“

Durch eine klebrige Fahrzeugfront sollen Fußgänger nach einem Zusammenstoß vor einem sekundären Aufprall bewahrt werden – Google vergleicht Konzept mit „Fliegenfänger oder doppelseitigem Klebeband“

25.05.2016 Online Redaktion

Um das Verletzungsrisiko bei Kollisionen mit seinen selbstfahrenden Autos zu verringern, ließ Google ein ungewöhnliches Konzept patentieren: Eine beschichtete Motorhaube, an der Fußgänger nach einem Zusammenstoß einfach kleben bleiben sollen. Google selbst vergleicht die Wirkungsweise des System mit einem Fliegenfänger oder doppelseitigem Klebeband.

Konzept soll sekundären Aufprall verhindern

Der genaue Titel des Google-Patents lautet „klebrige Fahrzeugfront zur Abschwächung des sekundären Fußgänger-Aufpralls“. Dieses System soll dazu dienen, „ein kollidierendes Objekt vor einem sekundären Aufprall, nach dem ersten Aufprall auf das Fahrzeug, zu schützen.“ Indem also ein Fußgänger direkt nach dem Zusammenstoß mit einem Auto an dessen Motorhaube kleben bleibt, soll verhindert werden, dass er von dem Fahrzeug abprallt, auf die Straße oder ein anderes Objekt auftrifft und sich dadurch weitere Verletzungen zuzieht – oder im schlimmsten Fall sogar überrollt wird.

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© Bild: Google / USPTO

Klebeschicht wird erst bei Aufprall freigelegt

Das Konzept sieht vor, die Fahrzeugfront mit einer Art Klebstoff zu beschichten. Eine „eierschalenartige“ Schutzschicht verhindert, dass alles mögliche an dem Auto kleben bleibt – und schützt, quasi als angenehmen Nebeneffekt, das Fahrzeug vor Schmutz, Wasser und diversen Schäden. Erst bei einem Aufprall bricht die Schutzschicht auf, und der Klebstoff wird freigelegt. Nach einer kurzen Zeit soll die Klebewirkung dieser Schicht nachlassen, damit der verunfallte Fußgänger wieder von der Motorhaube gelöst werden kann. Obwohl das System zahlreiche Einsatzmöglichkeiten biete, könne es besonders vorteilhaft sein, autonome Fahrzeuge mit der Klebeschicht auszustatten, so Google.

„Vom Chaos der Situation abhängig“

Zugegebenermaßen scheint die Idee einer „klebrigen Motorhaube“ zwar ziemlich kurios, aber unter gewissen Umständen auch sinnvoll. In manchen Situationen könne das System die Fußgänger aber eher gefährden als schützen, so Stanford-Professor Bryant Walker Smith im Gespräch mit Mercury News: „Wenn ein Fußgänger auf einem Auto klebt das anschließend in einen weiteren Crash verwickelt ist, könnte das schlimmer ausgehen als wenn der Fußgänger zur Seite oder über das Auto geschleudert wird. Es könnte aber auch besser ausgehen. Es hängt sehr vom Chaos der jeweiligen Situation ab.“

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