Dieser Mann baut Autoklassiker nach, um sie in die Luft zu jagen

Ob Mercedes-Benz 300 SLR, Jaguar E-Type oder Ferrari 330 P4: Vor dem Schweizer Künstler Fabian Oefner ist kein Autoklassiker sicher.

23.04.2016 Online Redaktion

Fabian Oefner baut Autoklassiker detailgetreu nach, um sie in die Luft zu jagen. Für seine Fotoserie mit dem bezeichnenden Namen „Disintegrate“ („zerfallen, zerstückeln“) erstellte der Schweizer Künstler detailgetreue Miniatur-Nachbauten eines Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé mit Flügeltüren (1954), eines Jaguar E-Type (1961) und eines Ferrari 330 P4 (1967) – nur, um sie dabei zu fotografieren, wie sie explodieren.

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© Bild: Fabian Oefner

Falscher Augenblick

Dafür ist eine echte Explosion gar nicht notwendig. Was Oefner tut, ist viel aufwändiger: Der Künstler fotografiert einzelne Teile der Autos in bestimmten Positionen und fügt die Aufnahmen schließlich so zusammen, dass der Eindruck einer Explosion entsteht. „Was man in diesen Bildern sieht, ist ein Zeitaugenblick, den es im wirklichen Leben niemals gab“, erklärt Oefner. „Das, was so aus aussieht, als würde ein Fahrzeug auseinanderbrechen, ist tatsächlich ein Augenblick, der durch eine Vermischung von Hunderten einzelner Bilder künstlich geschaffen wurde. Es bereitet eine einzigartige Freude, künstlich einen Augenblick zu erzeugen … . Einen Moment einzufrieren ist verblüffend.“

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© Bild: Fabian Oefner

Tausende Teile

Bevor der Schweizer die Autos „in die Luft jagt“, skizziert er die Position der einzelnen Teile. Danach nimmt er die Modellautos stückweise – von der Karosserie bis hin zur winzigsten Schraube – auseinander. Jedes Auto besteht aus über 1000 Teilen. Dieser werden mithilfe feiner Nadeln und Schnüren angeordnet und fotografiert. Die Fotos der einzelnen Teile fügt Ofner in mühsamer Kleinstarbeit zum fertigen Bild zusammen.

Zwei Monate Arbeit für ein Bild

„Vermutlich sind das die ‚langsamsten Hochgeschwindigkeitsbilder‘, die jemals erfasst wurden,“ So Oefner. „Ein Bild hat fast zwei Monate gedauert, und es sieht so aus, als wäre es im Bruchteil einer Sekunde geschehen. Schon das Zerlegen jedes Autos allein nahm mehr als einen Tag in Anspruch, weil sie so kompliziert waren. Aber das ist eben eine Jungensache. Die Erforschung bereitet einfach einen Genuss, man kann etwas entdecken, indem man den Gegenstand auseinandernimmt, so als würde man eine Zwiebel schälen.“ Aber:„Am schwierigsten war eigentlich der Aufbau der Kamera, des Objektivs und die Bestimmung des Lichts, denn am meisten ärgert man sich, wenn man kein schönes Bild daraus erzielen kann!“

Wie aus dem Ei gepellt

Die Disintegrate-Serie ist nicht Ofners einziger Ausflug in die automotive Welt. Für sein Projekt „Hatch“ ließ der Schweizer einen Ferrari 250 GTO (1962) aus einem Ei schlüpfen.

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