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Joachim Löw ist Weltmeister.
 

Fußball-WM: Löw über das Finale

DFB-Trainer Joachim Löw über das Spiel seines Lebens

14.07.2014 APA

Österreich hat sich zum ersten Mal in der Geschichte aus eigener Kraft für die Endrunde einer Fußball Europameisterschaft (EM 2016) qualifiziert. Dabei gelang dem ÖFB-Team rund um Teamchef Marcel Koller das Kunststück kein Spiel in der Qualifikation zu verlieren, der Aufstieg gelang mit 8 Punkten Vorsprung, 9 Siegen, 1 Unentschieden und einem sensationellen Torverhältnis von 22 zu 5 Toren.

Alle Informationen, den Spielplan, wo ihr Tickets bekommt und an welchen Spielorten die EM 2016 in Frankreich gespielt wird findet ihr hier.

DFB-Trainer Joachim Löw über das Finale gegen Argentinien und seinem bisher größten Erfolg

Joachim Löw ist am Ziel angekommen. Seit 10 Jahren ist der Deutsche beim Fußball-Nationalteam beschäftigt, seit 13. Juli ist Löw Weltmeistertrainer. Seit Sommer 2004 ist der frühere Tirol-und Austria-Trainer beim DFB tätig, seit 2006 als Cheftrainer. Nach dem WM-Coup am Sonntagabend in Rio de Janeiro sprach der 54-Jährige über Widerstände, „Wunderkind“ Mario Götze und ein Umdenken im deutschen Fußball.

Stand das Finale ein Stück weit auch für die ganze Geschichte bis zu diesem Triumph, den Widerständen, die es zu überwinden gab?

Löw: „Wir waren jetzt, ich weiß nicht, 55 Tage zusammen. Wir haben das ganze Projekt vor zehn Jahren gestartet. Das ist ein Produkt von vielen Jahren, beginnend mit Jürgen Klinsmann damals. Wir haben das fortgesetzt. Ich glaube, unsere große Stärke war, dass wir uns in allen diesen Jahren kontinuierlich gesteigert haben, auch wenn wir nicht den letzten Schritt gemacht haben. Wir wussten genau, dass Champions irgendwann diesen letzten Schritt machen, die Sache zu Ende bringen. Wir haben immer daran geglaubt.“

Was war entscheidend für diesen letzten Schritt?

Löw: „Wir haben wirklich hart dafür gearbeitet. Wenn es überhaupt irgendjemand verdient hat, dann diese Mannschaft mit Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker, Lukas Podolski, Miroslav Klose. Sie waren zu meiner Zeit die ganzen zehn Jahre dabei. Wir waren das eine oder andere Mal enttäuscht, aber heute gab es nur einen verdienten Sieger, diese Mannschaft. Wir haben, glaube ich, in diesem Turnier die beste Leistung gezeigt über sieben Spiele. Von daher ist es ein besonderes Glücksgefühl. Wir können stolz sein auf diese Mannschaft.“

Wie geht es Ihnen jetzt? Werden Sie erst einmal in ein Loch fallen? Werden Sie sich beim Feiern auch einfach einmal treiben lassen?

Löw: „In der ersten Nacht werde ich nicht unbedingt in ein Loch fallen. Und am Dienstag wahrscheinlich auch nicht. Denn da fahren wir nach Berlin – und da wollten wir hin. Es ist logisch, bei so vielen Emotionen, bei so viel Druck, der bei einem Turnier auf dieser Mannschaft und uns allen lastet, wird es natürlich einen emotionalen Abfall geben. Aber ich glaube, dieses tiefe Glücksgefühl wird für alle Ewigkeit bleiben.“

Das Finale haben zwei Einwechselspieler entschieden. Andre Schürrle leistete die Vorarbeit, Mario Götze erzielte das Tor. Wie wichtig war die Bank?

Löw: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir hier nicht mit elf Spielern über die Runden kommen, dass wir eine erste 14 haben, dass alle in höchster Alarmbereitschaft sein müssen. Man hat gemerkt, dass Argentinien immer müder geworden ist. Da war es gut, dass wir auf den Außenpositionen Spieler wie Müller, wie Schürrle haben, die immer wieder in die Tiefe gehen, die den Gegner vor Probleme stellen. Und Götze ist ein Spieler, der kann alles spielen, der ist ein Wunderkind. Er hat immense Möglichkeiten und überragende technische Fähigkeiten. Er ist so raffiniert. Ich wusste, er kann immer ein Spiel entscheiden, wenn es auf der Kippe steht. Das Tor war wirklich großartig gemacht.“

Was genau haben Sie zu Götze bei der Einwechslung gesagt?

Löw: „Ich habe zu Mario Götze gesagt, zeige der ganzen Welt, dass du besser bist als Messi, und dass du dieses Spiel entscheiden kannst. Du hast alle Möglichkeiten, das zu tun. Ich glaube, dass habe ich ihm in diesem Moment gesagt. Ich hatte bei ihm einfach ein gutes Gefühl, weil er zu allem fähig ist.“

Welche Beziehung haben Sie zu den Brasilianern aufgebaut?

Löw: „Man muss sich bedanken für diese großartige WM, die hier stattgefunden hat. Die Leute in der Umgebung von unserem Camp haben uns wahnsinnig herzlich empfangen. Es war von Anfang an eine große Energie und Sympathie vorhanden. Ein Höhepunkt in meiner Laufbahn war nach dem Brasilien-Spiel, als wir den Gastgeber mit 7:1 geschlagen hatten und die Enttäuschung bei dieser Nation immens war. Da sind wir zum Flughafen gefahren, und es standen tausende Brasilianer auf der Straße und haben der Mannschaft Beifall geklatscht. Das war etwas Faszinierendes.“

Sie übernehmen den WM-Pokal von Spanien. Haben Sie sich auch an spanischen Einflüssen orientiert, etwa durch Pep Guardiola bei Bayern München?

Löw: „Wir haben seit vielen Jahren an unserem eigenen Spielstil gearbeitet und uns unabhängig von gewissen Dingen gemacht, die bei einzelnen Vereinen passiert sind. Natürlich gibt es Trainer wie Jürgen Klopp, Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti bei Real Madrid, die mit diesen Spielern das ganze Jahr über gearbeitet und sie natürlich auch verbessert haben. Bayern München hat auch unter Jupp Heynckes die großen Titel gewonnen, das hat den Spielern viel Selbstbewusstsein und den Glauben gegeben, dass sie es schaffen können. Uns wird dieser Titel für die Zukunft einen Schub geben in unserem Land. Wir haben noch Spieler, die größtenteils sehr jung sind.“

Wie groß ist der Anteil der deutschen Bundesliga an diesem Erfolg?

Löw: „Die Bundesliga hat einen großen Anteil mit ihrer Ausbildung. Es war auch ganz wichtig, dass viele Trainer die jungen Spieler, mit denen wir 2010 bei der WM in Südafrika waren, danach auch eingesetzt und ihnen vertraut haben. 2000 und 2004 lag der deutsche Fußball am Boden, damals sind wir jeweils in der Vorrunde der EM-Turniere ausgeschieden. Da wurden Maßnahmen ergriffen. Da wurde gesagt, wir müssen mehr in die Ausbildung investieren, wir müssen technisch bessere Spieler haben. Nur mit deutschen Tugenden hätte man keine Fortschritte gemacht. Wir haben Leistungszentren in den Vereinen gemacht, dort wird großartige Arbeit geleistet. Dafür muss ich mich immer bedanken. Der Titel ist auch ein Produkt der hervorragenden Ausbildung in Deutschland.“

Steckbrief des Fußball-Trainers Joachim Löw

  • Joachim Löw (Deutschland/54 Jahre):
  • Geboren am 3. Februar 1960 in Schönau im Schwarzwald
  • Wohnort: Wittnau bei Freiburg
  • Familienstand: verheiratet mit Daniela
  • Stationen als Trainer: FC Frauenfeld (SUI/Spielertrainer), VfB Stuttgart, Fenerbahce Istanbul, Karlsruher SC, Adanaspor, FC Tirol (Oktober 2001-Juni 2002), Austria Wien (Juni 2003-März 2004), deutsches Nationalteam
  • Beim deutschen Nationalteam seit: 30. Juli 2004 (anfangs als Assistent von Jürgen Klinsmann)
  • Deutscher Cheftrainer seit: 12. Juli 2006
  • Vertrag bis: Sommer 2016

 

Größte Erfolge als Trainer

  • Weltmeister 2014 mit Deutschland
  • WM-Dritter 2010 mit Deutschland
  • WM-Dritter 2006 als deutscher Co-Trainer
  • EM-Zweiter 2008 mit Deutschland
  • EM-Halbfinale 2012 mit Deutschland
  • DFB-Cupsieger 1997 mit VfB Stuttgart
  • Finale Cup der Cupsieger 1998 mit VfB Stuttgart
  • Österreichischer Meister 2002 mit FC Tirol

 

Größte Erfolge als Spieler (Stürmer)

  • Vierfacher deutscher U21-Teamspieler
  • Rekordtorschütze und Ehrenkapitän des SC Freiburg
  • Aktiv u.a. bei SC Freiburg, VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt, Karlsruher SC

 

Die wichtigsten Fußball-WM-Links für den perfekten Überblick:

 

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