© Joe Raedle/Getty Images
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WM 2014: Die Höhepunkte der ersten WM-Spiele

Zusammengefasst von Angela Merkel, Rio de Janeiro.

18.06.2014 Online Redaktion

Österreich hat sich zum ersten Mal in der Geschichte aus eigener Kraft für die Endrunde einer Fußball Europameisterschaft (EM 2016) qualifiziert. Dabei gelang dem ÖFB-Team rund um Teamchef Marcel Koller das Kunststück kein Spiel in der Qualifikation zu verlieren, der Aufstieg gelang mit 8 Punkten Vorsprung, 9 Siegen, 1 Unentschieden und einem sensationellen Torverhältnis von 22 zu 5 Toren.

Alle Informationen, den Spielplan, wo ihr Tickets bekommt und an welchen Spielorten die EM 2016 in Frankreich gespielt wird findet ihr hier.

Spanien zeigte fußballerische Demenz

König Fußball. Dieses Gerede immer über König Fußball. Monarchien sind out, rund um den Globus danken die Herren und Damen ab, überlassen dem Nachwuchs den Thron. Das kann nicht gut gehen. Siehe Spanien. Kaum schickt sich der passionierte Elefanten- und Schürzenjäger Juan Carlos selbst ins königliche Senioritaheim, spielt die Nationalelf komplett geriatrischen Fußball. Spaniens Merkmale beim lustigen Tanztee mit den Niederländern (die durften fünfmal nachschenken, so gut war die Brühe): Lähmungserscheinungen, Langsamkeit und fußballerische Demenz. La Furia Roja hatte vergessen, warum sie da war, was beim Fußball hinderlich sein kann. Insofern nur logisch, dass diese Regentschaft zu Ende geht und sich eine andere Truppe die Fußballkrone aufsetzen darf.

Costa Rica vs Uruguay: Zahltag im Wettbüro

Costa Rica vielleicht. 3:1 gegen Uruguay, da dankt die Fußballwettszene aber ganz besonders herzlich. Die Quote für Costa Rica lag bei 8:1. Zahltag im Wettbüro, Freibier für alle. Für Costa Rica war´s aber auch zu leicht: Uruguay gilt ja als das Belgien Südamerikas. Als komplett enttarnter Geheimfavorit ist so eine Fußball-WM absolut kein Vergnügen, („Der Druck ist hoch, die Mannschaft verunsichert, die Laufwege stimmen nicht, Suárez ist angeschlagen, der Bus kaputt, das Gras zu grün, die Quote zu schlecht.“) so wird´s noch nichtmal was mit dem Achtelfinale.

Mitreißende Unlust bei Deutschland gegen Portugal

Das gilt auch für die Portugiesen. Die hatten gegen Deutschland zum Anpfiff tatsächlich eine Mannschaft mit elf Spielern auf dem Platz. Trotzdem hatte man das Gefühl, dass Weltfußballer Cristiano Ronaldo (CR7, Anm. d. Red.) ganz alleine gegen die Deutschen anzutreten gedachte. Dass auch einige seiner Landsleute mit von der Partie waren, merkte man lediglich bei der Roten Karte für Pepe (gegeben wegen offensichtlicher Blödheit) und bei den Verletzungen der Herren Almeida und Coentrao, die Ermüdungsbrüche erlitten haben müssen. Die einzig plausible Blessur bei so mitreißender Unlust. Erstaunlich allerdings, dass der deutsche Gegner auch mit portugiesischem System antrat: Die waren auch zu elft, gespielt hat aber eigentlich nur einer (TM13, Anm. d. Red.). Schon erstaunlich, dass man mit der Eleganz eines Erdhörnchens und der Athletik eines Storchs zum WM-Torschützenkönig aufsteigen kann. Aber da spricht eh nur der Neid aus uns, die wir gebannt vor dem Fernseher sitzen mit Hundeblick und Hasenfüßen.

Iran vs Nigeria: 758 Mio schlafende Gesichter

Die richtigen Highlights lieferten ohnehin die Partien, denen man das nie zugetraut hätte. Iran gegen Nigeria beispielsweise. Zwei Mannschaften, 90 Minuten, null Entertainment und ca. 758 Millionen während der Begegnung eingeschlafene Zuschauer. Das hat es so noch nicht gegeben, das ist WM-Rekord. Wobei: Was erwarten diese torverwöhnten Eventfans eigentlich? Das ist hier eine dreckige Fußball-WM, da gibt´s keinen Schönheitspreis. Bei den Deutschen schreien alle vor Begeisterung, weil der Jogi so ein tolles taktisches Schyschtem spielen läschd. Und wenn sich die Nigerianer vornehmen, einfach die ganze Zeit Scheiße zu spielen und diesen Matchplan über 90 Minuten exakt umsetzen, finden´s alle wieder blöd. Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Das ist unfair.

Honduras trat Frankreich kaputt 

Apropos unfair: Honduras. Eine geile Truppe. Die Mannschaft mit den Holzhackern, den Leuten fürs Grobe, mit Grätschen, die wie Äxte durchs Unterholz fahren. Männer, die sich nicht zu schade sind, zu kratzen, zu beißen und zu spucken. Gleichzeitig. Die mental so fit sind, dass sie all ihre Wut und ihren Hass verdrängen können. Und zwar in ihre Füße und Fäuste. Die Boxhiebe, Tritte und Ellenbogenstöße verteilen, die „versteckte Fouls“ zu nennen eine unverschämte Lüge wäre. Herrlich anzuschauen, wie Wilson Palacios sich mit einer banalen gelben Karte nicht zufrieden geben wollte. Auch da übrigens ein eindeutiges taktisches Konzept, im wahrsten Wortsinn über 90 Minuten durchgezogen: Wenn wir die Franzosen schon nicht besiegen können, treten wir sie immerhin kaputt. Hat nicht ganz geklappt. Es gab drei. Tore, nicht kaputte Franzosen.

 

Angela Merkel (27) ist Fußballfan und leidenschaftliche Bloggerin. Sie arbeitet in Berlin, Vaduz und Zell am See für diverse NGOs. In ihrer Freizeit leitet sie in der deutschen Hauptstadt eine Laienspielschar namens „Eiserner Vorhang“. Während der WM legt sie volles Augenmerk aufs Sportliche und schreibt für uns auf, was sie nicht auszusprechen wagt.

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