frankreich beim training in brasilien 2014
Frankreich trifft auf seinen Angstgegner.
 

WM 2014: Ein besonderes Duell

Die Viertelfinalbegegnung Deutschland gegen Frankreich ist ein Kräftemessen zweier europäischer Fußball-Topnationen.

04.07.2014 APA

Österreich hat sich zum ersten Mal in der Geschichte aus eigener Kraft für die Endrunde einer Fußball Europameisterschaft (EM 2016) qualifiziert. Dabei gelang dem ÖFB-Team rund um Teamchef Marcel Koller das Kunststück kein Spiel in der Qualifikation zu verlieren, der Aufstieg gelang mit 8 Punkten Vorsprung, 9 Siegen, 1 Unentschieden und einem sensationellen Torverhältnis von 22 zu 5 Toren.

Alle Informationen, den Spielplan, wo ihr Tickets bekommt und an welchen Spielorten die EM 2016 in Frankreich gespielt wird findet ihr hier.

Die Viertelfinalbegegnung Deutschland gegen Frankreich ist ein Kräftemessen zweier europäischer Fußball-Topnationen. Vor dem Duell herrschte auf beiden Seiten angespannte Stimmung. Die Leistungen der vergangenen Spiele lassen eher die wiedererstarkten Franzosen in die Favoritenrolle schlüpfen.

Besonderes Spiel für Löw

Für Deutschlands Teamchef Joachim Löw wird die Partie auch zu einem Spiel gegen seine Kritiker. Das mühevolle 2:1 n.V. im Achtelfinale gegen Algerien sorgte für Nachwehen im DFB-Lager. Außerdem klagten vor dem Duell mit den Franzosen gleich sieben deutsche Profis über eine Erkältung. Löw wollte dies jedoch nicht dramatisieren. Auch für Torhüter Manuel Neuer gilt in den K.o.-Runden nur eines: „Am Ende zählt der Erfolg, das ist das A und O.“

Duell 1982

Ärgern muss sich im Vorfeld auch Didier Deschamps. Frankreichs Presse sieht die Partie als Revanche für Sevilla 1982. Damals verlor die Grand Nation das WM-Halbfinale gegen den ungeliebten Nachbarn nach einer 3:1-Führung in der Verlängerung noch im Elfmeterschießen. Das brutale Foul von Deutschlands Torhüter Toni Schumacher an Patrick Battiston, das dem Franzosen einen angebrochenen Halswirbel, ausgeschlagene Zähne und eine Gehirnerschütterung einbrachte, fand ausschweifend Erwähnung.

Deutschland gegen Frankreich 1982

Frankreichs Angstgegner

„Das war ein grausames Ende, von dem wir heute noch reden. Aber meine Spieler waren damals noch nicht geboren. Ich werde deshalb nicht darüber sprechen, das ist nur für Veteranen interessant“, meinte der 1968 geborene Deschamps. Auch 1986 in Mexiko ging Frankreich im Halbfinale gegen die BRD als Verlierer (0:2) vom Spielfeld. Auf Frankreichs Titelblättern war deshalb vom „Angstgegner“ die Rede.

Wiedererstarkte Franzosen

Der Historien-Bezug passt jedoch so gar nicht zum Stil von Deschamps. Viel wichtiger ist für den Weltmeister von 1998 die aktuelle Lage. Diese sieht Frankreich gestärkt in die Partie gehen. Zehn Treffer in vier Partien haben das Selbstvertrauen der Blauen gestärkt, auch wenn sie im Achtelfinale gegen Nigeria erst im Finish den 2:0-Erfolg fixierten. Deschamps übte sich danach in der Rolle des Warnenden. Vom Titelgewinn will der ehemalige Mittelfeldabräumer nichts hören.

Deschamps warnt vor Deutschland

„Wir dürfen unser Selbstvertrauen nicht in Arroganz umschlagen lassen. Ich bin im Grunde ein pragmatischer und realistischer Mensch. Wir können träumen, aber die Realität ist, dass am Freitag Deutschland wartet“, betonte der als Spieler und Trainer bei der WM noch ungeschlagene Deschamps. Die Resultate des Gegners seien in der jüngsten Vergangenheit deutlich besser als jene Frankreichs gewesen.

Deutschland verschafft sich Respekt

Im bisher letzten Aufeinandertreffen setzte es für Frankreich im Februar in St. Denis/Paris ein 1:2. Torschützen waren damals Mathieu Valbuena bzw. Thomas Müller und Sami Khedira. Fast 26 Jahre hatte Deutschland gegen Frankreich zuvor nicht mehr gewonnen. Die Deutschen verschafften sich damit Respekt.

Matuidi und Sakho über die Begegnung

„Das ist eine Mannschaft, die in allen Bereichen sehr stark ist“, meinte Frankreichs Mittelfeldmann Blaise Matuidi. Der nach einer Zerrung im Oberschenkel wieder fitte Innenverteidiger Mamadou Sakho gab ähnliches zu Protokoll, er versicherte jedoch: „Wir sind auch sehr stark und haben Selbstvertrauen.“ Im Angriff könnte Karim Benzema für Olivier Giroud wieder ins Zentrum rücken. Der schnelle Antoine Griezmann würde damit links außen agieren.

Lahm-Debatte mit Folgen

Dort wird es der Flügelspieler von Real Sociedad voraussichtlich mit Philipp Lahm zu tun bekommen. Die durch die Positionierung des Kapitäns losgetretene Debatte im deutschen Lager dürfte auch bei Löw Spuren hinterlassen haben. Stimmen aus dem Trainerstab deuten auf einen Sinneswandel beim Bundestrainer hin.

Schürrle statt Götze vorstellbar

Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger könnten damit wie bei der WM 2010 in Südafrika in der Mittelfeldzentrale agieren. Dem gegen Algerien als Joker erfolgreichen Andre Schürrle winkt indes anstelle von Mario Götze ein Platz in der Startelf. Löws Vertrauen wirkte jedenfalls trotz der mitunter als Schicksalsspiel für seine Zukunft titulierten Partie nach außen hin ungebrochen.

Mentale Stärke Deutschlands

„Ich weiß, dass unsere Mannschaft stark ist. Wir haben keine Angst“, betonte er vor dem Viertelfinale nochmals. Das „Sieger-Gen“, wie Löw es nennt, soll wieder zum Vorschein kommen. „Frankreich ist ein enorm starker Gegner mit vielen Topleuten. Es wird sicher entscheidend sein: Wie ist der Wille gerade Richtung Spielende, wie kann man sich nochmal überwinden, wie stark will man den Sieg?“

Fans sind noch skeptisch

Viele Fans sind diesbezüglich skeptisch, die ganz große WM-Euphorie wie 2006 und 2010 gibt es in Deutschland noch nicht. Thomas Müller sieht die Mannschaft dennoch weiter als vor vier Jahren. „Wir sind viel besser als damals. Es wäre lächerlich, etwas anderes zu behaupten“, unterstrich der WM-Torjäger. Den Beweis muss die Mannschaft im Maracana liefern.

 

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