Argentinien jubelt über den Sieg gegen die Schweiz
Die Schweiz war knapp an der Sensation.
 

WM 2014: Argentinien im Viertelfinale

Argentinien gelingt in einem Kraftakt der Aufstieg ins Viertelfinale. Die Schweiz ist ausgeschieden.

02.07.2014 APA

Österreich hat sich zum ersten Mal in der Geschichte aus eigener Kraft für die Endrunde einer Fußball Europameisterschaft (EM 2016) qualifiziert. Dabei gelang dem ÖFB-Team rund um Teamchef Marcel Koller das Kunststück kein Spiel in der Qualifikation zu verlieren, der Aufstieg gelang mit 8 Punkten Vorsprung, 9 Siegen, 1 Unentschieden und einem sensationellen Torverhältnis von 22 zu 5 Toren.

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Wie schon Deutschland musste auch Argentinien im Achtelfinale nachsitzen und schaffte es gerade noch das Elfmeterschießen zu vermeiden. Den entscheidenden Treffer erzielte Angel di Maria nach Vorarbeit von Superstar Lionel Messi in der 118. Minute. Der Gegner im Viertelfinale wird zwischen Belgien und den USA um 22 Uhr MESZ entschieden. Mittwoch und Donnerstag sind in Brasilien spielfrei.

Schweizer haben Messi lange Zeit im Griff

Argentinien musste deutlich mehr zittern als ihm lieb war. Die „Messidependencia“, Argentiniens viel zitierte Abhängigkeit von Superstar Lionel Messi, war nicht zu übersehen. Der Angreifer des FC Barcelona, in den drei Gruppenspielen gegen Bosnien (2:1), Iran (1:0) und Nigeria (3:2) jeweils Matchwinner, war bei der Schweizer Defensive aber lange Zeit gut aufgehoben.

Di Maria erlöst Argentinien

Als sich die 63.255 Zuschauer bereits auf ein Elfmeterschießen einstellten, reichte den Argentiniern aber ein Gegenstoß samt starken Dribblings des Kapitäns, um wie 2006 und 2010 ins Viertelfinale einzuziehen. Messi bediente Di Maria, der mit links ins lange Eck einschoss. In einer dramatischen Schlussphase traf der eingewechselte Schweizer Blerim Dzemaili per Kopf aus kurzer Distanz die Stange (121.). Auf der Gegenseite verfehlte Di Maria das bereits leere Tor (123.).

Schweizer halten dagegen

Die Schweizer präsentierten sich als lange ebenbürtiger Gegner. Teamchef Ottmar Hitzfeld, dessen Trainerkarriere mit dem WM-Aus zu Ende geht, vertraute derselben Startformation wie im Gruppenendspiel gegen Honduras (3:0). Jungstar Xherdan Shaqiri, den die Schweizer ob seiner identen Körpergröße von 1,69 m ihren eigenen Messi nennen, wirbelte hinter Solospitze Josip Drmic.

Chancen auf beiden Seiten

In Argentiniens Offensive ersetzte wie erwartet Ezequiel Lavezzi von Paris St. Germain den am Oberschenkel verletzten ManCity-Star Sergio Aguero. Die „Albiceleste“ hatte zwar schon vor der Pause mehr Ballbesitz, die größeren Chancen aber vorerst die Schweiz. Granit Xhaka scheiterte nach einem klugen Zuspiel von Shaqiri in den Rückraum aus zentraler Position mit einem Flachschuss an Argentiniens Schlussmann Sergio Romero (28.). Drmic steuerte wenig später alleine auf diesen zu, agierte vor dem Tor aber zu unentschlossen. Ein schwach angetragener Lupfer wurde zur leichten Beute für Romero (39.).

Schweizer mit körperbetontem Spiel

Das körperbetonte Spiel der Schweiz schien den Argentiniern nicht wirklich zu behagen. Ein Lavezzi-Volley (29.) und ein Versuch von Di Maria (41.) bereiteten dem Schweizer Keeper Diego Benaglio keine Probleme. Von Kapitän Messi, der für vier der nun sieben Turniertore der „Albiceleste“ verantwortlich zeichnet, war in der ersten Stunde wenig zu sehen.

Publikum klar für die Schweiz

Immer wieder versuchten sich die Südamerikaner mit Flanken auf Gonzalo Higuain. Einen Kopfball des Mittelstürmers (62.) parierte Benaglio ebenso wie einen Schuss von Linksverteidiger Marcos Rojo (59.). Auf der Gegenseite jagte Drmic den Ball über das Tor (50.). Mit Fortdauer der zweiten Hälfte kamen die Argentinier auf – zum Leidwesen der brasilianischen Zuschauer, die sich mehrheitlich im Lager der Schweizer befanden.

Benaglio sicherer Rückhalt

Ein erster Schuss von Messi von knapp außerhalb des Strafraums ging über das Tor (67.), ein Kopfball des eingewechselten Rodrigo Palacio am langen Eck vorbei (75.). Die Schweizer kamen seltener aus der eigenen Hälfte, ließen aber wenig Zwingendes zu. Nur bei einem weiteren Versuch von Messi auf das kurze Eck musste Benaglio all sein Können aufbieten (78.).

Di Maria verwertet Messi-Assist

Bei einem ersten Schuss von Di Maria war Benaglio auch in der Verlängerung noch auf dem Posten (109.), beim Gegentreffer war der Torhüter dagegen machtlos. Messi wartet zwar weiterhin auf sein erstes Tor in einem WM-K.o.-Spiel. Mit dem entscheidenden Assist rettete der 27-Jährige sein Team samt Trainer Alejandro Sabella aber einmal mehr.

Emotionales Spiel für Hitzfeld

Die Schweiz dagegen verpasste ihr erstes WM-Viertelfinale seit dem Heimturnier 1954. Auch im siebenten Anlauf gelang den Eidgenossen gegen Argentinien kein Sieg. Für Hitzfeld, der am Spieltag zudem um seinen verstorbenen Bruder Winfried trauerte, war es seine letzte Partie als Trainer. Der 65-jährige Deutsche hatte 1997 mit Dortmund und 2001 mit Bayern München jeweils die Champions League gewonnen.

Die Stimmen zum Spiel

Alejandro Sabella (Teamchef Argentinien): „Ich habe einmal als Spieler eine Verlängerung gegen England erlebt, aber als Trainer ist das eine noch viel größere Last. Wir hatten am Ende Glück. In der ersten Hälfte war es ausgeglichen, dann war es unser Spiel. Jetzt müssen wir uns gut erholen.“

Angel di Maria (Torschütze Argentinien): „Wir haben unser Leben gegeben. Wir haben gewusst, dass es sehr eng werden kann. Aber wir haben unsere Seele in dieses Spiel geworfen und gekämpft. Am Ende ist es einfach sehr gut für uns gelaufen. Wir hatten schon vorher Chancen, das Spiel zu entscheiden. Aber wir haben nie aufgegeben. Wir haben vor der Pause nur einen Fehler gemacht, da hat unser Torhüter hervorragend gehalten. Das war ein verdienter Sieg.“

Lionel Messi (Kapitän Argentinien): „Wir haben es das ganze Spiel über schwer gehabt, aber solche Momente muss man überstehen. Es war schwierig, aber wir haben gewusst, dass es so sein würde. Es war schon die ganze WM über schwierig, aber wir haben ein gutes Gefühl. Es ist wichtig, im Viertelfinale zu stehen. Ich war nervös, wie sich jeder vorstellen kann, weil wir lange kein Tor gemacht haben und mit jedem Fehler die Gefahr bestand, auszuscheiden. Wir wollten auf keinen Fall ins Elfmeterschießen, wir wollten das Spiel in der Verlängerung entscheiden. Am Ende hat sich eine Chance ergeben, daraus muss man Kapital schlagen.“

Ottmar Hitzfeld (Teamchef Schweiz): „Meine Mannschaft hat alles gegeben. In den letzten drei Minuten hat man noch einmal alles erlebt, was in einem Trainerleben möglich ist. Solche Emotionen erlebt man nur im Fußball. Die Schweiz hat heute große Sympathien in der ganzen Welt gewonnen. Darauf können wir stolz sein. Es war unglaublich spannend. Am Schluss waren wir überzeugt, dass es für uns läuft, aber die Kräfte ließen nach, wir hatten Krämpfe. Ein Gegentor in der 118. Minute ist ganz bitter. Wer so gewinnt, hat auch Glück. Aber Argentinien war über das ganze Spiel die bessere Mannschaft. Sie hatten mehr Chancen. Unsere Fans können stolz sein, wir gehen erhobenen Hauptes nach Hause. Ich wünsche meinem Team, dass es bei der nächsten EM und WM noch besser geht.“

Stephan Lichtsteiner (Verteidiger Schweiz): „Ein großes Kompliment an die Mannschaft. Leider gab es diesen einen Fehler zu viel. Es war mein Ballverlust in der Mitte, das sollte in der 117. Minute nicht passieren. Wir sind sehr enttäuscht, wir sind kaputt. Wir hatten Chancen und einen Pfostenschuss gegen eine der besten Mannschaften der Welt. Wir können stolz sein.“

Michel Pont (Co-Trainer Schweiz): „Fußball ist total brutal. Es sind so viele Emotionen überall, auch mit dem Tod von Ottmar Hitzfelds Bruder vor dem Spiel. Wir haben die Spieler sehr gut vorbereitet. Sie haben gewusst, welche Chancen sie hier haben.“

 

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