WM-Finale 1978
Der Kapitän der Nationalmannschaft, Daniel Passarella, hält den 1. WM-Pokal für Argentinien in der Hand.
 

Fußball-WM 2014: Argentinien vs Niederlande – Das WM-Finale 1978

36 Jahre nach dem Finale in Buenos Aires

08.07.2014 APA

Österreich hat sich zum ersten Mal in der Geschichte aus eigener Kraft für die Endrunde einer Fußball Europameisterschaft (EM 2016) qualifiziert. Dabei gelang dem ÖFB-Team rund um Teamchef Marcel Koller das Kunststück kein Spiel in der Qualifikation zu verlieren, der Aufstieg gelang mit 8 Punkten Vorsprung, 9 Siegen, 1 Unentschieden und einem sensationellen Torverhältnis von 22 zu 5 Toren.

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Das Halbfinal-Duell Argentinien – Niederlande ist 36 Jahre nach der umstrittenen WM in Argentinien, für beide Mannschaften ein besonderes Duell. 1978 holte die „Albiceleste“ den Titel im eigenen Land. Finalgegner waren damals die von Ernst Happel betreuten Niederländer. Der erste von bis dato zwei WM-Erfolgen Argentiniens hat aber nach wie vor einen fahlen Beigeschmack.

Umstrittene WM

In Österreich ist von der WM 1978 vor allem das legendäre 3:2 gegen Deutschland in Cordoba in Erinnerung. Dabei hatte die vierte in Südamerika ausgetragene WM eine Reihe von Aufregern zu bieten. Das Turnier wurde von viel Kritik begleitet, da Argentinien seit 1976 vom totalitären Regime von General Jorge Videla geführt wurde. Die Militärjunta, die 30.000 Todesopfer forderte, schlachtete die Endrunde zu Propagandazwecken aus.

WM ohne Johan Cruyff

Trotz eines breiten Boykottaufrufs reisten alle Nationen an. Nicht allerdings Johan Cruyff. Der niederländische Star verzichtete – wie er 2008 vermeldete – aus Gründen der Sicherheit auf die Reise nach Südamerika. In Argentinien wurde schnell klar, dass nur der Gastgeber den Pokal holen darf. Dies wurde spätestens in der damals noch ausgetragenen Zwischenrunde offensichtlich.

WM 1978 in Argentinien, Finale, Argentinien – Niederlande 3:1 n.V.

Das Finale der WM in Argentinien bezeichnen die Niederländer noch heute als Farce.

Bereits das 6:0 gegen Peru, das den Gastgeber überhaupt erst ins Endspiel brachte, gilt als manipuliert. Beim 3:1 n.V. in Buenos Aires ist dann Mario Kempes mit zwei Toren Matchwinner. Dick Nanninga hatte die von Ernst Happel betreuten Niederländer mit einem späten Tor in die Verlängerung gebracht. Der italienische Schiedsrichter Sergio Gonella ließ Argentinien 120 Minuten lang jede Unsportlichkeit durchgehen.

Vorwurf von Peru

Da die entscheidenden Partien nicht zeitgleich ausgetragen wurden, benötigte Argentinien einen Sieg mit vier Toren Unterschied gegen Peru. Die von Kapitän Daniel Passarella angeführten Hausherren siegten 6:0. Die Peruaner behaupteten später, bedroht und bestochen worden zu sein. Auch Videla selbst soll damals die Kabine der Gäste besucht haben.

Buenos Aires, Wien, St. Pölten und Krems – Stationen eines Weltmeisters

Das Finale in Buenos Aires fand am 25. Juni 1978 vor über 70.000 Zuschauern im Estadio Monumental von Buenos Aires statt. Zehn Blocks entfernt stand die Technikschule der Marine (ESMA), die der Militärjunta als Folterzentrum diente. Argentinien siegte 3:1 nach Verlängerung, der später in Österreich bei der Vienna, St. Pölten und Krems engagierte Mario Kempes traf zweimal.

Niederländer boykottierten Schlussfeier

Die Niederländer fühlten sich vom italienischen Referee Sergio Gonella schwer benachteiligt. Sie sahen sich auch nicht ausreichend geschützt. „Die Sicherheit war Null und die argentinischen Fans waren wie verrückt“, sagte Stürmer Rob Rensenbrink später. Die Niederländer boykottierten auch die Schlussfeier.

Teamchef setzt Zeichen

Argentiniens Teamchef, der Kettenraucher Cesar Luis Menotti, setzte bei der Pokalübergabe ein Zeichen. Er lehnte einen Handschlag mit Videla demonstrativ ab. „Meine talentierten, klugen Spieler haben die Diktatur der Taktik und den Terror der Systeme besiegt“, sagte Menotti sogar auf der Pressekonferenz. Der im Finale ebenfalls erfolgreiche Daniel Bertoni erkannte Jahre später jedoch: „Wir haben ihnen (der Militärjunta, Anm.) geholfen, denn mit unseren Siegen sind sie ein wenig länger an der Macht geblieben.“

Das WM-Finale 1978 in Buenos Aires

Endstand: 3:1 n.V. (1:1, 1:0) – Spielort: Estadio Monumental – Zuschauer: 71.483 – Tore: Kempes (38., 105.), Bertoni (115.) bzw. Nanninga (82.)

Argentinien

Fillol –  Olguin, Galvan, Passarella, Tarantini – Ardiles (65. Larrosa), Gallego, Kempes – Bertoni, Luque, Ortiz (74. Houseman)

Teamchef: Cesar Luis Menotti

Niederlande

Jongbloed – Jansen (72. Suubier), Krol, Brandts, Poortvliet – Neeskens, Haan, W. van de Kerkhof – R. van de Kerkhof, Rep (59. Nanninga), Rensenbrink

Teamchef: Ernst Happel

 

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