Das Maracanã Stadion im Jahr 1950 / Bild: © dpa/picturedesk.com
Das Maracanã Stadion im Jahr 1950 / Bild: © dpa/picturedesk.com
 

Fußball-WM in Brasilien: 2014 vs. 1950

Am 12. Juni startet die Fußball-WM 2014 in Brasilien. Dort wurde 1950 schon einmal eine Weltmeisterschaft ausgetragen – seither hat sich allerdings einiges verändert.

09.06.2014 Online Redaktion

Österreich hat sich zum ersten Mal in der Geschichte aus eigener Kraft für die Endrunde einer Fußball Europameisterschaft (EM 2016) qualifiziert. Dabei gelang dem ÖFB-Team rund um Teamchef Marcel Koller das Kunststück kein Spiel in der Qualifikation zu verlieren, der Aufstieg gelang mit 8 Punkten Vorsprung, 9 Siegen, 1 Unentschieden und einem sensationellen Torverhältnis von 22 zu 5 Toren.

Alle Informationen, den Spielplan, wo ihr Tickets bekommt und an welchen Spielorten die EM 2016 in Frankreich gespielt wird findet ihr hier.

Am 12. Juni um 17 Uhr Ortszeit wird in São Paulo die FIFA Fußball WM 2014 angepfiffen. Brasilien ist nach 1950 zum zweiten Mal Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft. Heute wie damals war die brasilianische Nationalelf – mit inzwischen insgesamt fünf WM-Titeln – der Top-Favorit. Ansonsten hat sich aber so einiges verändert.

Die Stadien

1950 wurde die Fußball WM in sechs Stadien mit insgesamt 470.000 Plätzen gespielt. Viele davon waren damals noch Stehplätze. 2014 findet das Turnier in 12 Stadien mit einem Fassungsvermögen von zusammen 657.000 Plätzen statt.

Wie schon 1950 ist auch bei der FIFA Fußball WM 2014 der wichtigste Spielort das Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro. Damals fasste das im Zentrum von Rio, in unmittelbarer Nähe der Favelas für errichtete Stadion allerdings noch 200.000 Menschen. Es galt damals als ein Ort der Begegnung, in dem die Menschen miteinander feierten, lachten und ihre Begeisterung für Fußball ausleben konnten.

Das Maracanã Stadion im Jahr 1950 / Bild: © dpa/picturedesk.com

Das Maracanã Stadion im Jahr 1950 / Bild: © dpa/picturedesk.com

Nach dem Umbau für die FIFA Fußball WM 2014 finden in dem Stadion nur noch 76.525 Menschen Platz. Das Maracanã, kritisieren Gegner, habe damit seine Besonderheit als Stadion für das Volk verloren und wurde dem internationalen Kapital geopfert. Der letzte Umbau der Arena hat umgerechnet 425 Millionen Euro verschlungen, etwa 200 Millionen mehr als ursprünglich veranschlagt.

Das Maracanã Stadion 2014 / Bild: © CARLOS EDUARDO CARDOSO / dpa Picture Alliance / picturedesk.com

Das Maracanã Stadion 2014 / Bild: © CARLOS EDUARDO CARDOSO / dpa Picture Alliance / picturedesk.com

Die Pokale

Der „Coupe Jules-Rimet“ war von 1930 bis 1970 als Gewinntrophäe der WM. Die 35 Zentimeter hohe und 3,8 Kilo schwere Statue aus vergoldetem Sterlingsilber stellte die griechische Siegesgöttin Nike dar. Im Jahr 1970 ging der Pokal in den Besitz der brasilianischen Nationalmannschaft über, weil diese nach der damals gültigen Regel zum dritten Mal Weltmeister geworden war. Falls Brasilien die Weltmeisterschaft heuer gewinnt gewinnt, wäre das zwar das sechste Mal, allerdings darf der aktuelle „Fifa-WM-Pokal“ nicht mehr behalten werden, sondern nur noch eine Replik davon.

Der Coupe Jules-Rimet und der aktuelle FIFA WM Pokal Bild: © picturedesk.com

Der Coupe Jules-Rimet und der aktuelle FIFA WM Pokal Bild: © picturedesk.com

Die Wuchteln

Der „Super Duplo T“, mit dem die Kicker die Fußball-WM im Jahr 1950 bestritten, war ein klassischer brauner Ball aus echtem Rindsleder. Er war die erste WM-Wuchtel mit Ventil und wurde von der argentinischen Firma „Superball – Bell Ventile“ hergestellt. Seit 1970 stellt Adidas die Wettkampf-Bälle her. Der „Brazuca“ ist der erste, dessen Name nicht durch die Fifa, sondern von den Fans bestimmt wurde. Er ist vollsynthetisch, 437 Gramm schwer und laut Adidas der „meistgetestete Ball aller Zeiten“.

Der "Super Duplo T“ und der "Brazuca" / Bild: © Agência Estado / Adidas

Der „Super Duplo T“ und der „Brazuca“ / Bild: © Agência Estado / Adidas

Das Geld

Bei der WM 1950 steckte der Profi-Fußball noch in den Kinderschuhen. Ersichtlich ist das auch am Einkommen der Spieler. Der Star des britischen Teams von 1950, Stanley Matthews, verdiente damals zwölf britische Pfund pro Woche. Sein Nachfolger Wayne Rooney kassiert satte 300.000 Pfund (364.000 Euro) die Woche.

Für deutsche Kicker galt damals eine Gehaltsobergrenze von 300 D-Mark im Monat. Unter Berücksichtigung der Inflation wären das heute rund 770 Euro. Top-Spieler Philipp Lahm verdient bei den Bayern knapp 1,2 Millionen Euro monatlich.

Die Teilnehmer

1950 kämpften in der Qualifikation noch 34 Teams um einen WM-Startplatz. Nur 13 Mannschaften nahmen damals teil – obwohl sich 18 qualifiziert hatten. Die Türkei, Portugal und Frankreich sagten ab, Argentinien wegen Streitigkeiten mit dem brasilianischen Verband ebenfalls. Die Inder hätten als einziges asiatisches Team starten können, wollten allerdings barfuß antreten, was die Fifa-Regeln aber nicht erlaubten. Deswegen zog auch Indien zurück. Hoher Favorit auf den Titel war Brasilien.

Bild: Die brasilianische Nationalmannschaft von 1950 / © STAFF/AFP/Getty Images

Bild: Die brasilianische Nationalmannschaft von 1950 / © STAFF/AFP/Getty Images

Die Entscheidung

Die Weltmeisterschaft wurde in 22 Spielen entschieden. Es gab noch kein echtes Finale, sondern eine Finalgruppe, in der die vier bestplatzierten Teams – Uruguay, Brasilien, Schweden und Spanien gegeneinander um den Turniersieg spielten.

Das entscheidende Spiel fand am 16. Juli 1950 im Maracanã-Stadion statt. Uruguay besiegte dabei Brasilien nach einem 0:1 Rückstand mit 2:1. Drei brasilianische Fans erlitten dadurch einen Herzinfarkt, ein weiterer stürzte sich aus Gram von der Tribüne in den Tod. Das verlorene Endspiel löste in Brasilien ein nationales Trauma aus. Musiker besangen das Drama, die Mannschaft wechselte sogar ihre Trikotfarbe (von weiß auf gelb). Umgekehrt war es beim Sieger Uruguay: Viele Fans tauften anschließend ihre Söhne „Dos-a-uno“ (2:1).

Bild: Der Ausgleichstreffer zum 1:1 im WM-Finale 1950 durch Uruguay-Stürmer Juan Alberto Schiaffin / © STAFF/AFP/Getty Images

Bild: Der Ausgleichstreffer zum 1:1 im WM-Finale 1950 durch Uruguay-Stürmer Juan Alberto Schiaffin / © STAFF/AFP/Getty Images

Kurioses zur WM 1950

Gelbe und Rote Karten waren bei der Fußball-WM 1950 noch unbekannt. Verwarnungen und Feldverweise wurden vom Schiedsrichter mündlich ausgesprochen.

Die italienische Mannschaft flog 1950 gleich zu Beginn aus dem Wettbewerb, obwohl sie Titelverteidiger war. Verantwortlich für die schwache sportliche Leistung war die wochenlange Anreise per Schiff, während der kaum trainiert werden konnte. Ein Jahr zuvor war die Hälfte der italienischen Nationalmannschaft bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, ein solches Risiko wollten die Kicker wohl nicht nochmal eingehen.

Dank an die Kollegen der Sportredaktion von News.at

 

>> Hier finden Sie den gesamten WM-Spielplan 2014 zum Download und zum Ausdrucken

 

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