Mercedes Viano stat vorne
Kommt mit neuen Lampen und Stoßfängern: Viano
 

Zwei Seelen

Man merkt aber doch die Verwandtschaft: ein Fahrbericht.

20.09.2010 Online Redaktion

Mercedes pflegt ja seit jeher die Aufspaltung seiner Kleinbusserie: der Viano (früher V-Klasse) ist der edle Reisekoffer, der Vito darf auch dreckig gemacht werden. Und die Charaktere driften immer weiter auseinander, schließlich war bei der ersten Generation 1996 auch die Luxusvariante noch vergleichsweise rustikal und die Qualität war dem Stern auf der Haube nicht ganz gewachsen.

Bei der nun vorgestellten Version 2.2 des V treffen wir auf fein gesteppte Lederverkleidungen und ein Lenkrad, das ebenso einer C-Klasse würdig wäre. Es wird auch kein Zufall sein, dass die Scheinwerfer denen der S-Klasse nicht unähnlich sind. Eine andere Welt tut sich hingegen im Vito auf: Wo eben noch Wurzelholz war, findet sich genoppter Kunststoff. Überhaupt: Plastik, Langlebigkeit überall.

Aber auch die zukünftigen Handwerkskunden kriegen ein Argument für die neue Generation geliefert, und zwar in Form von moderner Motorentechnik: In beiden Modellen erhältlich ist der bekannte Vierzylinderdiesel mit 2,2 Litern Hubraum in den Leistungsstufen 136 und 163 PS, er konnte bereits in diversen PKW-Modellen überzeugen. Den Vito gibt’s zusätzlich auch noch etwas bodenständiger mit 95 PS, den Viano im Gegenzug auch mit Sechsendern, entweder selbstzündend (224 PS) oder mit Benzin gefüttert (258 PS).

Im Fahrbetrieb gibt sich der Viano tatsächlich, wie versprochen, sehr leise, die Dieselmotoren sind vibrationsarm, klingen beim Beschleunigen mehr nach Sprinter als nach E-Klasse. Das Fahrwerk wurde komplett neu und sehr komfortabel abgestimmt, es scheut aber auch Kurvenstrecken nicht. Über Unebenheiten schaukelt man gelassen hinweg. Zügiges Anfahren erfordert schnelles und frühes Hochschalten, der erste Gang ist extrem kurz übersetzt – das Nutztier grüßt.

Das Interieur gefällt mit Leder und gefälligem Ambiente, die Ergonomie jedoch geht durch die Weite des Raums etwas verschütt: Zum Lösen der Feststellbremse muss man sich ebenso vom Fauteuil erheben wie zur Bedienung des Radios. Überhaupt darf man nicht die Schlüssigkeit einer Mercedes-Limousine erwarten. Hie und da knisterts im Gebälk und auch die Sitze geben sich nicht überzeugend: wenig Seitenhalt, wenig Stütze für den unteren Rücken, zudem wackelten sie in einem Testwagen. Zugegeben ein Einzelfall, aber bei dem Preis darf man mehr erwarten.

Allerdings: mehr Mercedes bietet auch kein anderer Hersteller in dieser Wagenklasse. Und wer noch an der Identität des Viano zweifelt, der werfe einen Blick in die Preisliste: der Viano 2,0 CDI Trend startet bei € 45.503,-, wer auf Ledersitze und Klimaautomatik steht, flutscht schnell über € 50.000,-. Das Topmodell (3,5 Ambiente Extra Lang) mit allen verfügbaren Extras parkt jenseits der € 100.000,-. Um den Einstieg in Viano und besonders Vito zu erleichtern, bietet Mercedes schon vom Marktstart (Oktober) weg die bekannten und beliebten Sondermodelle, die mit Preisen auf gehobenem Minivan-Niveau locken (Vito Bus mit 9 Sitzen unter € 40.000,- brutto, zum Beispiel). Auch eine Allradversion gibt’s, der Aufpreis beträgt € 4.613,-. Start/Stopp-Automatik und Schaltempfehlungen sind für die Handschalter serienmäßig.

Mehr zum Thema
  • van_pire

    Hier ein Video, das die neueste Generation des Vitos zeigt. Außerdem entält es ein Interview mit dem Produktmanager von Daimler,
    der die neuen Details des Fahrzeugs erläutert. Sehr interessant!

    http://www.myvan.com/2010/10/21/new-vitoviano-film/

pixel