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GM-Chefin Barra versprach ein Entschädigungsprogramm - Details nannte sie nicht.
 

Zündschloss-Skandal: GM feuert 15 Mitarbeiter

15 General Motors-Mitarbeiter, die sich „falsch verhalten“ haben, verlieren ihren Job – Barra verspricht Entschädigungsprogramm

05.06.2014 APA

General Motors wird von den technischen Problemen der Vergangenheit verfolgt. Neo-Konzernchefin Mary Barra versucht nun den Befreiungsschlag: Ja, es gab Fehler Einzelner. Nein, das Management habe die Probleme nicht vertuscht. Opfern verspricht sie Entschädigungen.

15 Mitarbeiter hätten falsche Entscheidungen getroffen

Die jahrelang ignorierten Probleme bei der Opel-Mutter General Motors mit Zündschlössern, die mindestens 13 Menschen das Leben kosteten, haben weitreichende Konsequenzen. „15 Mitarbeiter, die sich falsch verhalten haben, sind nicht länger im Unternehmen“, sagte Konzernchefin Mary Barra am Donnerstag bei der Vorstellung eines internen Berichts über das Debakel. Sie hätten falsche Entscheidungen getroffen oder nichts getan, obwohl sie von Problemen gewusst hätten. Fünf weitere Mitarbeiter hätten disziplinarische Konsequenzen zu spüren bekommen.

Barra „tief traurig und verstört“

Es habe Fehler gegeben von Anfang bis Ende , erklärte Barra vor rund 1200 Mitarbeitern im Entwicklungszentrum des Autobauers in Warren nahe Detroit. Dies habe zu „tragischen Konsequenzen“ geführt. „Das Lesen des Berichts hat mich tief traurig gemacht und verstört“, sagte Barra und entschuldigte sich abermals bei Hinterbliebenen und Unfallopfern. „Das hätte niemals passieren dürfen“, sagte die Managerin. Sie sprach von Inkompetenzen und Versäumnisse. „Wir haben unseren Job einfach nicht gemacht.“

Bericht: Technische Probleme nicht bewusst vertuscht

Der Bericht habe jedoch festgestellt, dass die technischen Probleme nicht bewusst vertuscht worden seien, um einen kostspieligen Rückruf zu umgehen. Dadurch wurde auch Barra selbst entlastet, die seit drei Jahrzehnten im Unternehmen ist und in dieser Zeit zahlreiche Führungsposten unter anderem in der Entwicklung bekleidete, bevor sie Anfang des Jahres zur Konzernchefin berufen wurde.

Barra verspricht Entschädigungsprogramm

„Wir werden ein Entschädigungsprogramm auflegen“, versprach Barra, ohne indes eine Summe oder Details zu nennen. „Wir wollen all diejenigen erreichen, die einen lieben Menschen verloren haben oder verletzt wurden.“

Mindestens 13 Todesopfer – großteils Teenager

Während GM von 13 Toten spricht und dabei nur bestimmte Unfallverläufe einrechnet, gehen US-Verbraucherschützer von mehr als 300 Toten aus. US-Medien sind seit Monaten voll von persönlichen Geschichten von Unfallopfern, viele davon Teenager, da die betroffenen Modelle zumeist Kompaktwagen waren.

2,6 Millionen Fahrzeuge weltweit betroffen

Der Zündschlüssel kann wegen eines zu schwach ausgelegten Schalters bei voller Fahrt in die „Aus“-Position zurückspringen, was auch Airbags, Bremskraftverstärker und Servolenkung abschaltet. Erste Berichte über die Probleme reichen noch in die Entwicklungszeit der Modelle bis 2001 zurück. General Motors startete die Rückrufe jedoch erst Anfang des Jahres, kurz nachdem Barra ins Amt kam. Weltweit sind 2,6 Millionen Wagen betroffen, der überwiegende Teil davon in den USA, einige Tausend Roadster Opel GT aber auch in Europa.

35 Millionen Dollar Strafe wegen verspätetem Rückruf

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde hatte GM wegen des späten Rückrufs eine Strafe von 35 Millionen Dollar aufgebrummt. Barra baute GM intern um und deckte dabei weitere technische Probleme auf.

Rückrufe kosten GM 1,7 Milliarden Dollar

Aktuell laufen rund 30 einzelne Rückrufe von weltweit 15,8 Millionen Wagen, was den Konzern 1,7 Milliarden Dollar kostet. Es könne noch „ein paar weitere Rückrufe geben“ bis zum Quartalsende, sagte Barra. Sie setzt darauf, dass die GM-Mitarbeiter aus den Fehlern lernen. „Ich hoffe, dass dies niemals vergessen wird.“

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