Jeder zweite Autofahrer fühlt sich durch zu dichtes Auffahren stark bedrängt und wird dadurch selbst unvorsichtiger.
Jeder zweite Autofahrer fühlt sich durch zu dichtes Auffahren stark bedrängt und wird dadurch selbst unvorsichtiger.
 

Zu dichtes Auffahren Ursache für jeden 5. Unfall

3 Tote und 439 Verletzte durch zu dichtes Auffahren in Österreich: 8 von 10 Autofahrern haben bereits schlechte Erfahrungen mit „Dränglern“ gemacht

04.12.2013 APA

Drei Menschen sind 2013 auf österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen bei Unfällen, die auf zu dichtes Auffahren zurückzuführen sind, gestorben, 439 wurden verletzt. Drängeln ist somit die Ursache für jeden fünften Unfall, acht von zehn Lenkern haben bereits negative Erfahrungen damit gemacht, jeder Zweite fühlt sich von Dränglern stark bedroht, wie aus einer aktuellen Umfrage der Asfinag hervorgeht.  500 Autobahnnutzer wurden im Oktober 2013 vom IFES-Institut zu Drängeln auf Autobahnen befragt.

Männer (41 Prozent) drängeln häufiger als Frauen (21 Prozent)

© Grafik: APA / Margret Schmitt

© Grafik: APA / Margret Schmitt

Das Ergebnis der Umfrage ist eindeutig: 60 Prozent fühlen sich von Dränglern abgelenkt, werden nervös, und können sich nicht mehr auf den übrigen Verkehr konzentrieren. Zudem fahren sie schneller als gewollt. Mehr als ein Drittel der Autobahnnutzer ist dadurch schon in eine gefährliche Situation geraten. Im Schnitt blickten die Befragen auf sieben Drängel-Vorfälle innerhalb des vergangenen Halbjahres zurück. „Der typische Drängler ist männlich, jung und rasant unterwegs“, so Asfinag-Vorstand Alois Schedl. Fast doppelt so viele Männer (41 Prozent) wie Frauen (21 Prozent) gaben in der Umfrage an, schon einmal gedrängelt zu haben. Bei jungen Männern bis 34 Jahren gab sogar jeder zweite zu, manchmal zu dicht aufzufahren. „Das Risiko wird von uns Autofahrern unterschätzt“, sagte Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), „typische Drängler glauben, mit ihrer Fahrerfahrung das erhöhte Risiko eines geringen Abstandes kompensieren zu können“. Doch „der ideale Sicherheitsabstand bei 100 km/H beträgt 60 Meter oder die Zwei-Sekunden-Regelung“, so Thann.

61 Prozent mehr Anzeigen wegen zu geringem Sicherheitsabstand

Die Anzeigen wegen zu geringem Sicherheitsabstand sind in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. „Zwischen 2005 und 2012 stieg die Zahl der Übertretungen um 61 Prozent“, so Gottfried Macher vom Landespolizeikommando Niederösterreich. Im Vorjahr wurden 54.779 Anzeigen erstattet. Die Polizei überwacht mit 48 mobilen Abstandsmessgeräten den Sicherheitsabstand, in den vergangen drei Jahren kamen elf stationäre Geräte dazu.

„Umgangsform auf Autobahnen ist sehr rau“

Auch sonst ist der „Umgangston auf Autobahnen manchmal sehr rau“, so Schedl. Sieben von zehn Befragten gaben an, selbst bereits jemanden angehupt bzw. angeblinkt zu haben, drei von zehn haben anderen Verkehrsteilnehmern mit Handzeichen und Gesten gedroht. Ein Viertel missachtet das Rechtsfahrgebot auf Autobahnen und Schnellstraßen. Thann erinnerte daran, dass dies auch auf Stadtautobahnen wie beispielsweise der Wiener Südost-Tangente (A23) gilt, „hier gibt es keine freie Spurwahl“. Fährt ein anderes Fahrzeug zu dicht auf, dann gilt: „Ruhe bewahren und sich rechts halten“, erklärte Thann.

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  • Ravenbird

    Wenn man solche Nötiger bei einem Stop vor einem Bahnschranken zum Beispiel fragt, warum sie derart gefährlich knapp auffahren, hört man folgendes:

    Männer: I waaß eh, foah hoit schnölla, i hobs eilig.

    Frauen: Unwissender Blick, keine Ahnung, ich halt ja eh den Abstand…

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