Zagato Alfa Romeo TZ3 Exterieur Statisch
Oben Zagato, unten Dodge.
 

Zagato, aber bissig

Alfa Romeo TZ3 – der amerikanisch Biss der 1960er.

03.05.2011 radical mag

Wir wissen jetzt nicht so recht, was wir dazu schreiben sollen. Zagato, gegründet 1919, hat wunderbare Autos gemacht, vor allem vor dem 2. Weltkrieg, da gab es vor allem traumhafte Alfa. Nach dem Krieg wurde es etwas schwieriger, einen Aston Martin DB4 GT darf man sicher als Meisterwerk bezeichnen, doch es gab halt auch komische Dinger, es seien die Alfa SZ (1989-1992) und RZ (1992/93) genannt, oder Lancia Hyena, der aussah, wie er hieß. Auch über die jüngsten Werke, den Bentley GTZ (2008) und den Ferrari 575 GTZ (2006), darf man sicher geteilter Meinung sein.

Doch im vergangenen Jahr ließ Zagato wieder einmal so richtig aufhorchen – auch deshalb, weil man sich mit dem Alfa Romeo TZ3 Corsa wieder auf seine traditionell guten Beziehungen zur damals gerade 100 Jahre alt gewordenen Mailänder Marke besann. Der TZ3 Corsa war aber ein Einzelstück, angetrieben vom bekannten Maserati-V8, gedacht für die Rennstrecke (auf der er wohl nie auftauchen wird). Jetzt kommt der TZ3 Stradale – und den gibt es in einer Kleinserie von neun Stück zu kaufen. Rund 500.000 Euro kostet so ein Ding.

Und Zagato, in der dritten Generation geleitet vom 51-jährigen Andrea Zagato, geht mit dem TZ3 Stradale ganz neue Wege. Erstmals wird amerikanische Technik als Unterbau verwendet, und zwar jene vom Dodge Viper, letzte Generation, zehn Zylinder, 8,4 Liter Hubraum, 640 PS. Wie denn jetzt? Ein Alfa, der eigentlich ein Dodge ist? Mittlerweile geht das ja, so irgendwie, denn der Fiat-Konzern, nährende Mama von Alfa Romeo, hat auch Chrysler in seinem Nest, und das passt dann gut zusammen, wie Andrea Zagato in einem Interview mit der werten „Automobil Revue“ behauptet. Doch was soll er auch anderes sagen? Verwiesen wird auch noch auf die Schlange, die sowohl Alfa wie auch Viper im Wappen tragen, doch das empfinden wir dann als ein bisschen gar gesucht.

Zagato Alfa Romeo TZ3 Exterieur Statisch

Einverstanden, Alfa Romeo hat in den vergangenen Jahren seine Erfahrungen gemacht mit schweren Brocken, der jüngste Spider und vor allem der Brera sind in Sachen Gewicht völlig durch den Wind und haben den Geist der Marke ins Absurde geführt; da kann man wohl jetzt auch eine dicke Viper mit einem Alfa-Emblem versehen, und über das Gewicht des 4,26 Meter langen, 2,01 Meter breiten und 1,19 Meter hohen erfährt man nichts. Ein klein wenig gespart haben die Italiener wohl schon, die Glasfiber-Karosse der Viper wurde durch einen teuren Kohlefaser-Aufbau ersetzt. Aber wir möchten darauf hinweisen, dass TZ für „tubolare Zagato“ steht und damit für einen Gitterrohr-Rahmen, und davon ist der TZ3 Stradale so weit entfernt wie Michael Schumacher von einem neuerlichen F1-Weltmeister-Titel. Nein, die Geschichte wiederholt sich hier nicht, der originale TZ (1963/64, 106 Exemplare) wog 660 Kilo, der TZ2 (1965, 12 Stück) sogar nur 620 Kilo. Da kommen wohl allein schon die speziell von AP Tech geschmiedeten 18- und 19-Zoll-Felgen des TZ3 Stradale auf ein ähnliches Gewicht.

Doch bei 640 PS ist das ja nicht wirklich das Problem, und die „Automobil Revue“ schreibt in einem exklusiven Fahrbericht: „Wer dem TZ3 Stradale die Sporen gibt, kann Falten werfen in den Asphalt.“ Geschaltet wird manuell.

Dann plaudern wir doch einmal über die Optik des TZ3 Stradale. Uns hat der TZ3 Corsa mit seinem ausgeprägten Kamm-Heck ja bestens gefallen, so richtig schön schräg war der, und hatte etwas vom so herrlichen 62er Ferrari 250 GT SWB “Breadvan“ (der nicht von Zagato stammte, sondern von Drogo). Der TZ3 Stradale wurde vom Japaner Norihiko Harada bedeutend zurückhaltender gezeichnet, ein klassisches Coupé, selbstverständlich mit dem Zagato-typischen „Double-Bubble“-Dach, mit einer hübschen 360-Grad-Rundum-Verglasung (die Harada 1996 für den Lamborghini Raptor erfunden haben will). Doch, er sieht gut aus, der TZ3 Stradale hat nicht diesen schmalen Hintern, der für die Zagato-Konstruktionen während langen Jahren ein Markenzeichen waren, die Form ist aus einem Guss, und sogar die wilden Sidepipes der Viper passen gut zu diesem Entwurf. Fröhlich ist die Kofferraum-Klappe, die Zagato schon bei der Giulietta SZ „Coda Tronca“ von 1962 verwendet hatte. Die Verstauung von Golfsäcken, bei einer gewissen Klientel anscheinend das Kofferraum-Maß aller Dinge, gestaltet sich damit allerdings ziemlich schwierig.

Vielen Dank an www.radical-mag.com

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