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Youngtimer-Wahnsinn

Aus der Traum. Zwei Angebote aus der Youngtimer-Szene: einer sorgt für Kopfschütteln, der andere bricht uns das Herz.

15.04.2016 radical mag

Nein, es ist dies keine Geschichte zur Techno Classica, da waren wir nicht, da wollten wir noch nie hin. Oldtimer-Abverkaufsausstellungen sind etwa ähnlich grauslig wie Sex-Messen, das braucht unsereins nicht. Doch wir haben gerade zwei Stories mitgekriegt aus dem Land der unendlichen Möglichkeiten, die unsereins, die wir nicht auf Sex-Messen gehen und die wir nicht das Spaziergeld für selbstverständlich völlig legale Briefkastenfirmen haben, das Haar dünn werden lassen. Und den Bart grau.

1977 Pontiac Firebird erst 200, dann 550.000 Dollar

Die eine, die ist ja vielleicht vor allem: blöd. Da hat doch tatsächlich einer für einen 77er Pontiac Firebird Trans Am 550.000 Dollar bezahlt. Also, nochmals, zum Mitschreiben: Pontiac Firebird Trans Am, 1977, 550.000 Dollar. Das waren jene Kastraten mit dem goldenen Adler auf der und dem 6,6-Liter-V8 unter der Haube, mit noch 200 Pferdchen, er brauchte etwa 20 Sekunden von 0 auf 100 – falls er sie überhaupt schaffte. Aber die Story ist schön: ein Dude fand so einen Trans Am in einer Scheune. Er wollte ihn auf eBay verkaufen, 200 Dollar Mindestgebot. Niemand wollte die Karre, obwohl der Verkäufer etwas davon schrieb, dass es eine Plakette im Auto hatte, auf der stand: «This 1977 Trans Am built for the Universal Studios – Smokey and the Bandit». Y81 heißt die Konfiguration und ist so selten nicht.

Burt Reynolds wäre fast beinahe nicht damit gefahren

Der Dude ließ den Trans Am dann halt restaurieren. Und weil es da noch eine Menge Zeugs zu diesem Wagen gab, wurde er plötzlich: heiß. Obwohl es ganz sicher ist, dass er nie in «Smokey and the Bandit» aufgetreten ist, auch hat Burt Reynolds nie auf furchtbaren Sitze gefurzt. Aber dann warf das Auktionshaus Barrett-Jackson seine PR-Maschinerie an und dann, eben: 550.000 Dollar.

Jetzt wird’s traurig: Die 1. Serie vom BMW M3

Darüber kann man jetzt vielleicht noch lächeln. Die andere Story hingegen ist traurig. BMW M3, erste Serie, also E30, gebaut zwischen 1986 und 1992. Irgendwie für unsereins, also jene ohne die Sex-Messen und die Panama-Kanäle, so etwas wie ein Hoffnungsträger. Einer der letzten wahren analogen Sportwagen, ein richtig gutes Gerät. In den USA gab es die bis vor etwa fünf Jahren für nette 25.000 Dollar; in Europa waren es etwas mehr, aber auch nicht jenseitig. Zwischen 2013 und 2015 stiegen dann aber die Preise gemäß dem «Hagerty Price Guide» in Amerigaga von 36k auf 105k. Wahnsinn, ein Traum zerbrach, zerfloss, die Sparsau wurde gemetzget; es blieben nur Negativzinsen.

BMW-M3 (2)
© Bild: Werk

Quasi ein Paukenschlag

Vergangene Woche stellte nun ein Händler aus Ohio ein Inserat aufs Netz: BMW M3, 1991, 199.900 Dollar. Die Kenner lächelten auf den Stockzähnen. Und dann wurde er verkauft. Zum Mitschreiben auch hier: BMW M3, 1991, 199.900 Dollar. Vielleicht sollte es unsereins doch besser mit den Sex-Messen probieren. Gibt es die auch in Panama?

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

  • Primo Gericom

    Und wo sollte man dann in zukünftige Klassiker investieren?

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