Wie der „Kreuzungs-Manager“ Staus und Unfälle reduzieren soll

Ein „autonomer Manager“ könnte den selbstfahrenden Verkehr der Zukunft mit horrender Geschwindigkeit über große Kreuzungen scheuchen – theoretisch.

22.05.2015 Online Redaktion

Kreuzungen sind ein notwendiges Übel. Man besteht als Autofahrer zwar einerseits auf der Freiheit, nicht ausschließlich geradeaus fahren zu müssen, möchte andererseits aber nicht an roten Ampeln warten oder in der Rush Hour gefühlte Stunden lang in der Linksaabbiegespur stehen. Zudem sind Kreuzungen nicht nur unabdingbar und lästig, sondern auch gefährlich: Der Universität von Texas zufolge passieren ein Viertel aller Unfälle und sogar ein Drittel aller tödlichen Unfälle im Dunstkreis von sich querenden Straßen. Deshalb hat die in Austin ansässige Uni einen Lösungsansatz für das „Problem Kreuzung“ entwickelt.

Autonomer Kreuzungs-Manager

Falls irgendwann einmal alle Autos autonom unterwegs sind, was passieren kann oder auch nicht, soll der Verkehr an Kreuzungen nicht mehr von Ampeln, sondern von einem so genannten „AIM“ (Autonomous Intersection Manager, zu deutsch Autonomer Kreuzungs-Manager) geregelt werden. Dazu wird an jeder Kreuzung ein Server platziert, mit dem die autonomen Autos via Dedicated Short Range Communication (DSRC) kommunizieren. Dieser „Kreuzungs-Manager“ soll sicherstellen, dass alle Autos die Kreuzung so schnell wie möglich und vor allem unfallfrei überqueren können.

So funktioniert das Konzept der texanischen Uni

Wenn sich ein Fahrzeug der Kreuzung nähert, sendet es eine Anfrage an den Server. Dieser überprüft, ob sich für die geplante Route zum betreffenden Zeitpunkt bereits ein anderes Auto „angemeldet“ hat. Ist dies nicht der Fall, sendet der Server dem Auto die Erlaubnis, der Kreuzung zu überqueren. Registriert der Server, dass das Auto auf dem beabsichtigten Weg mit einem anderen Verkehrsteilnehmer kollidieren würde, wird die Anfrage abgelehnt. Das Auto muss langsamer werden und eine neue Anfrage für eine Überquerung zu einem späteren Zeitpunkt senden.

Kreuzungsüberquerung mit Super-Speed

Anfrage senden, überprüfen, abgelehnt werden – das klingt langwierig und mühsam. Das Ganze passiert aber natürlich nicht in Menschengehirn-Geschwindigkeit, sondern mit Computer-Speed. Deshalb ist die Kreuzungsüberquerung der Zukunft, so wie sie sich die Forscher vorstellen, ein ziemliches Horror-Szenario für Menschen mit einem gewissen Maß an natürlicher Todesangst. Dessen ist sich auch Projektleiter Peter Stone bewusst. „Wenn ich Leuten dieses Video zeige, erkläre ich ihnen, dass sie sich nicht vorstellen dürfen, wie sie bereit zum Eingreifen mit dem Fuß überm Bremspedal und der Hand am Lenkrad im Auto sitzen – sondern dass sie bei abgedunkelten Scheiben am Rücksitz Kreuzworträtsel lösen, Zeitung lesen oder mit ihrer Familie plaudern. Wenn das Fahren einmal nicht mehr die Aufgabe des Menschen ist und die Leute der Software vertrauen, werden sie sich auch daran gewöhnen, auf diese Art und Weise die Kreuzungen zu überqueren“, zitiert der Guardian den Professor.

Fazit: Nette Idee, aber unrealistisch?

Der autonome Kreuzungsmanager soll nicht nur eine enorme Zeitersparnis mit sich bringen, sondern auch den Treibstoffverbrauch und Schadstoff-Ausstoß drastisch reduzieren – sofern die Autos in einer theoretischen Zukunft, in der es einen ausschließlich autonomen Individualverkehr gibt, noch mit Benzin und Co angetrieben werden. Und auch, wenn selbstfahrende Fahrzeuge irgendwann Überhand auf den Straßen nehmen sollten – so lange nur ein einziges Auto unterwegs ist, das von einem Menschen gesteuert wird, funktioniert der autonome Kreuzungsmanager nicht mehr. Und was passiert, wenn sich Radfahrer oder Fußgänger in das computergesteuerte Gewusel verirren, ist vermutlich auch nicht schön.

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