Die Westbahn möchte nicht mehr fürs Schnellfahren zahlen - das BMVIT findet das aber gerechtfertigt.
 

Westbahn beschwert sich über „Kostenexplosion“

Die „Schienen-Maut“, konkret ein neuer „Geschwindigkeitszuschlag“, sei zu teuer – Verkehrsministerium versteht die Aufregung nicht.

18.09.2013 APA

Das private Eisenbahnuternehmen Westbahn stört sich an neuen Kosten, die für die Benützung der Schieneninfrastruktur anfallen wird. Konkret geht es um einen neuen „Geschwindigkeitszuschlag“, den das Verkehrsministerium verhindern hätte können, aber nicht tat. Durch die neue Gebühr befürchtet die Westbahn eine „Kostenexplosion“. Derzeit ist die staatliche Schienen-Control Kommission am Zug, die Westbahn rechnet mit einer Entscheidung in Kürze.

Westbahn fordert Bures zur Streichung der Zusatzkosten auf

„Das Infrastruktur-Benützungsentgelt muss bezahlbar bleiben. Schließlich soll Bahnfahren die preiswertere Reisemöglichkeit als das Auto für den Kunden bleiben. Überdies ist es völlig unverständlich zuerst für höhere Geschwindigkeiten Strecken und Tunnel auszubauen und dann das schnelle Fahren mit Zuschlägen zu bestrafen. Die Westbahn könnte auch 160 km/h durch die Tunnel und auf Hochgeschwindigkeits-Strecken fahren und damit das Fahrplangefüge zerstören, um Kosten zu sparen. Das kann doch keine Verkehrspolitik sein“, so Westbahn-Geschäftsführer Erich Forster. Er fordert von Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) die „notwendige Zustimmung zur Festsetzung des Infrastruktur-Benützungsentgeltes 2014 nicht zu geben oder diese wieder zu entziehen“.

Vekehrsministerium hält Geschwindigkeitszuschlag für gerechtfertigt

Im Verkehrsministerium kann man die Aufregung nicht verstehen. Die Kosten würden für alle Bahnunternehmen gleichermaßen verrechnet, außerdem sei die Eisenbahninfrastruktur in den vergangenen Jahren „massiv“ ausgebaut worden. „Das Infrastrukturbenützungsentgelt ist jedoch im Europavergleich äußerst niedrig und deckt bei weitem nicht die Kosten für Ausbau und Erhalt der Infrastruktur“, so der Generalsekretär des Verkehrsministeriums, Herbert Kasser.

Der „Geschwindigkeitszuschlag“ sei durchaus argumentierbar. „Höhere Geschwindigkeiten führen zu stärkerer Abnutzung der Infrastruktur. Deshalb werden für die Hochgeschwindigkeitsstrecken auch höhere Entgelte schlagend“, rechnete Kasser vor.

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  • Ravenbird

    England ist – was die Infrastruktur betrifft – Österreich recht ähnlich.
    Dort ist die Privatisierung der Bahnen schon in den 80er Jahren gescheitert. Niemand wollte die Kosten für den Erhalt, Aus- und Weiterbau der Gleisanlagen und Oberleitungen, sowie der Zugleiteinrichtungen übernehmen.
    Lediglich mit privaten Zügen alles nutzen und abcashen klappt nicht, wie die entgleisten Züge und hunderte Tote und Verletzte bewiesen haben.
    Um meinen Vorredner zu ergänzen: Glaubt in Österreich wirklich jeder dahergelaufene Möchtegernkapitalist, daß der Rest der Welt so blöd ist?

    Um der Sache eins draufzusetzen:
    Ich glaube, daß Eisenbahnen nur mehr dort Sinn machen, wo sie das Flugzeug ersetzen können. Wie in Japan schon seit Jahrzehnten.
    Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen den Hauptstädten, alles andere durch parallel geführte Buslinien ersetzen. Ich glaube nicht, daß ehemalige Nebenbahnen mit einem hohen Aufwand in LKW- und Busstraßen umgewandelt werden können. Diese Transportmittel sind tausendmal billiger und auf solchen speziellen Straßen umweltschonender und unendlich effizienter und flexibler als die veraltete Bahn.
    Daneben kann es natürlich Privatbahnen geben, die wirtschaftlich sind, wie z.B. die Mariazeller Bahn oder die Bahn durch die Wachau als Bestandteil eines Weltkulturerbes.

  • Broesel70

    Wieder einmal typisch für Österreich, zuerst bauen dann nachrechnen und wieder einmal feststellen dass die Kostenkalkulation nicht stimmt. Man fragt sich wirklich warum niemand dazulernt. Dass die Infrastrukturkosten durch die laufenden Einnahmen nicht gedeckt sind ist ja nicht seit gestern bekannt, oder? Mit freundlichen Grüssen

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