car2go Wien carsharing
Das geniale Carsharing-Programm gibt es seit ein paar Monaten auch in Wien.
 

Wer ist da frech?

Über die seltsame Facette eines genialen Carsharing-Modells.

24.02.2012 Autorevue Magazin

Seit Dezember wird car2go-Carsharing auch in Wien angeboten. 500 Smarts ­können im sogenannten Geschäftsgebiet, das ziemlich groß ist und auf jeden Fall die wichtigsten Regionen Wiens umfasst, ­angemietet und wieder abgestellt werden. Wo, ist egal, auch in Kurzparkzonen, die eh schon fast überall sind.

car2go, eine Tochter von Daimler (Smart), hat für alle Autos die Parkometerabgabe pauschal entrichtet, wie das amtsdeutsch heißt. Das kostet, wenn man für zwei Jahre kauft (und das vor dem 1. März getan hat, weil ab da ist es teurer), pro Auto 3.048 Euro (0 bis 24 Uhr), macht für 500 Autos eineinhalb Millionen. Was die meisten Nutzer aber nicht wissen und was car2go auch nicht eindeutig kommuniziert: Die pauschale Parkometerabgabe berechtigt nicht zum frist­losen Parken, die maximalen Kurzparkzeiten von ­meistens zwei Stunden gelten auch für die Carsharing-Smarts. Darum auch die Parkuhr im Auto. Steht das Auto länger als die erlaubte Zeit in einer Kurzparkzone, kann es genauso einschlagen wie im Privatauto: 36 Euro Strafe.

car2go Wien carsharing

Diese Strafe zahlt car2go. Sie ist sozusagen im Geschäftsmodell als Risiko inkludiert, das umso geringer ist, je besser das Geschäft läuft, also möglichst kein Smart länger als zwei Stunden ungemietet herumsteht. Man könnte jetzt sagen, ein Geschäftsmodell, das Strafzahlungen in Kauf nimmt, ist nicht ganz unfrech. Allerdings wird hier dieser neuen Art Carsharing, die erfolgreich auch schon in weiteren fünf europäischen und vier amerikanischen Städten angeboten wird, keine Alternative angeboten. Wir könnten also auch sagen, eine Stadt mit einer grünen Vizebürgermeisterin, die Carsharing einerseits als tolle Alternative zum Individualverkehr preist, andererseits aber punktgenau überhaupt keine Infrastruktur bereitstellt, dafür aber brav kassiert, ist auch nicht ganz unfrech.

Von San Diego wollen wir hier gar nicht reden, wo im vergangenen Jahr für car2go 2000 Elektrotankstellen gebaut wurden, denn dort – wie auch in Amsterdam – fahren Elektro-Smarts und nicht die Diesel wie bei uns. In Wien gibt es etwas mehr als 150 solcher Tankstellen, und viel mehr können es auch kaum werden, lässt die Vizebürgermeisterin mitteilen, denn die würden weiteren Parkraum wegnehmen und wären daher kaum durchzusetzen.

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