VW XL Sport
Serie oder nicht. Egal, der VW XL Sport
 

Aus VW und Ducati mach XL Sport

Auf dem Pariser Autosalon 2014 zeigt uns VW erstmals seine Interpretation vom VW XL Sport der das Hauseigene 1-Liter-Auto als Basis hat

02.10.2014 radical mag

Unbestritten, Ferdinand Piëchs Ideen haben den Konzern vorangebracht. Sicher, über die Verkaufserfolge des Phaeton mag manch Manager in Stuttgart und München lachen. Dennoch ist das Auto auch heute noch ein sensationell gutes. Gleiches gilt für den Veyron. Oder den quattro-Antrieb. Oder den TDI-Motor. Oder den Porsche 917. Oder den 908. Oder den 909. Alles Dinge, die der «Alte» (gut, damals eben entsprechend weniger alte, aber ebenso sture wie geniale) irgendwann irgendwo auf irgendeine Serviette gekritzelt und dann einfach gebaut hat.

Ausblick auf den VW XL Sport an der TU Wien

So war es auch mit dem 1-Liter-Auto. Was ihn als Kohlefaser-Einbaum zum letzten Arbeitstag fuhr, steht heute als sparsamstes Serienauto beim Händler. Gut, dort stehen eher weniger. 111.000 Euro sind ein hoher Einsatz, wenn man es mit dem Sparen ernst meint. Aber das war dem Alten eh klar. Deshalb hat er nicht nur den XL1 entwickelt, sondern gleich auch noch Ducati gekauft. Und so hat er schon vor über einem Jahr bei einem Vortrag den Studenten der TU Wien in Skizzen das gezeigt, was wir heute in Paris sehen: den XL Sport. Ein Auto ganz nach seinem Geschmack: leicht, schnell und voll feinster Technik.

Antrieb durch den 1200er-Ducati-Desmo

Im Prinzip eben ein Carbon-XL1 dem man seiner Diesel-Hybrid-Technik beraubt hat und stattdessen einen fetten 1200er-Ducati-Desmo ins Rückgrat geschraubt hat. Fantastisch! Und weil Piëch Piëch ist, steht das Ding heute in Paris live vor uns. Von «Seriennähe» braucht angesichts der Qualität der Studie keiner zu sprechen – es ist sowieso klar, dass das Ding kommt. Was soll man schließlich sonst mit den ganzen rumstehenden XL1-Chassis in Osnabrück machen?_vw xl sport (2)

Ein reinrassiger Sportmotor

Die Eckdaten der «Serienversion» des XL Sport: 890kg, 200 PS und 270 km/h. Das Ganze beschleunigt in 5.7 Sekunden auf 100km/h, aber das ist eigentlich Nebensache. Denn: der Superquadro-Desmo der 1199 Superleggera ist eben kein Ausbund an Elastizität, sondern ein reinrassiger Sportmotor. Drehzahlgrenze 11.000/min, Titanpleuel, 112/60,8er Bohrung/Hub. Fragen?

7-Gang-DSG mit Zwischengetriebe

Wenn das einmal über die 7000 gepeitscht ist, dann können die meisten Konkurrenten einpacken. Verwaltet wird das Ganze im Übrigen vom bekannten 7-Gang-DSG, allerdings steckt im XL Sport noch ein Zwischengetriebe mit 1,86er Übersetzung zwischen Motor und DSG, um die Drehzahlen in den Auto-Kosmos zurückzuholen. Hier zapft auch der Klimakompressor seinen Saft ab.

18-Zöller und keine Servolenkung

Ums Eck geht der XL Sport sicher auch feinst. Denn man nahm ihm die Asphaltschneider des Öko-XL1 und montierte fette 18-Zöller. 205/40er vorne für servolos-leichtes und dennoch gefühlvoll-exaktes Einlenken. Hinten dann 265/35er für maximalen Grip und gnadenlose Traktion.

Magnesiumfelgen und Keramikbremsen

Die Gummis spannen sich übrigens über geschmiedete Magnesiumfelgen. Man gönnt sich ja sonst nichts, und 23,9 kg leichter als die entsprechende Alu-Variante sind die filigranen Dinger obendrein. Ebenfalls in die Leichtbau-Schublade gehören die mächtigen Keramikbremsen. Das Fahrwerk ist auch vom Feinsten. Aufgehängt an einen hochfestem Stahl-Spaceframe (wo rohe Kurvenkräfte walten, muss der Stahl es eben halten – oder so ähnlich?) sind vorne und hinten Doppelquerlenker-Achsen. Die Federbeine werden (weil er es kann) vorne über pullrods und hinten via pushrods betätigt._vw xl sport (6)

Anlehnung an den legendären Langheck-Porsche

Außen hat sich ebenfalls einiges getan. Der XL Sport ist quasi ein XL1 LH, denn wer genau hinsieht erkennt die Linie der legendären Langheck-Porsche. Und was bei denen funktioniert hat, funktioniert auch beim Sport. Soll heißen: gute Aerodynamik, gute Richtungsstabilität und vernünftiger Abtrieb. Die Zahlen im Vergleich zum Öko: 40 cm länger, 20 cm breiter bei gleicher Höhe. Der Radstand wuchs auch um 20 cm. Gut gekühlt wird der Ducati-Motor im Übrigen auch. Mit adaptiv verschließbaren Klappen am Heckdeckel und großzügigen Belüftungsöffnungen an den breiten Backen. Vorne sorgt der Kühlluftaustritt im Deckel überdies für mehr Abtrieb an der Vorderachse.

Innen hat sich am Wenigsten getan

Statt der Analoginstrumente hat ein digitales Motorradcockpit Einzug gehalten. Ein paar rote Nähte. Und, ach ja: der Schalthebel. Wie schon im 917 ein Holzknüppel aus Mahagoni und Balsa. Mit einem liebevoll überkonstruierten Sperrklinkenmechanismus. Weil er es kann.

Was Piëch nicht kann

Wahrscheinlich gibt es den VW XL Sport aber nur aus einem ganz anderen Grund. Nicht, weil er es kann, sondern weil er etwas nicht kann: Alfa kaufen. Denn die haben ihren ganz eigenen XL Sport. Bloß heißt der 4C. Und kostet sicher nicht einmal die Hälfte vom Pendant aus Wolfsburg. Aber so ist es im Leben, irgendwas ist immer. Selbst wenn man Piëch heißt.

Besten Dank an die Kollegen von radical-mag.com
Mehr zum Thema
  • ChV

    Gute Idee, leichtes, kleines Auto mit Motorradmotor, haben der BMW 700C, Carcanos FIAT 500 mit dem Moto Guzzi-V2-Prototypmotor und andere erfolgreich vorgehupft. Auch die kleinen Abarths, Alpines, Gordinis, Deutsch-Bonnets und andere stehen hier Pate. Den Weg sollte BMW vielleicht mit seinem i8 auch erwägen… einen g’scheiten 6-Zylinder-Motorradmotor hätten sie ja.
    Aber warum diese Volkswagen-Ernsthaftigkeit im Design? Eine leicht italophile Überarbeitung mit z.B. Ducati als Namen (oder Porsche?) wäre doch graziöser gewesen. Ein VW-Special ist gut, aber immer ein bißchen Käfer, ein Alfa Romeo 4C trägt sogar leichte Überkurvigkeit grazil wie Sophia Loren.

  • Michi

    Optisch erinnerst ja sehr an den Volkswagen W12 aus den neunzigern, wenig aufregend, sehr VW.
    Die große Frage ist aber was kann das Ding jetzt besser als ein Lotus Elise oder Exige fürs halbe Geld?
    Abgesehen vom Preis ist es Schwerer, langsamer und wahrscheinlich völlig elektronisch nieder geregelt und Spass-befreit wie jeder VW der letzten Jahre.

    Toatal fail, sorry

  • astso

    Die hässlichste Studie was ich seit langem gesehen habe – dafür ein absolutes no go!

  • Helmut

    Aber immer noch besser als ein spaßloses Sparauto das kein Mensch will (und braucht)

  • Gregor Hartmann

    Es tut mir leid wenn ich das jetzt so sage aber das ist doch ein Witz oder?! Die Studie ist doch zum sch… Außen ok das geht, Innen (nein Danke) Die Studie ist sicher nicht vom Werk! Und der Ducatimotor, na ok kann schon sein mit turbo oder so dann geht das schon! Ein Auto braucht einfach NM!

    LG aus Österreich!

pixel