VW up! Exterieur Statisch Dynamisch Front Seite Volkswagen
Das Armaturenbrett gibt es in Wagenfarbe, ein netter Retro-Gag.
 

Vorstellung: VW up!

Ausgerechnet die welterobernde Marke Volkswagen ließ das wichtige Segment der Kleinstautos lange unbearbeitet.

29.10.2011 Autorevue Magazin

Wir sind als Erstes von den gefühlten Platzverhältnissen vorne überrascht. Und zwar, weil sich das Armaturenbrett nicht weit in das Innere hinein­zieht. Und weil auf das überdehnte Gestaltungsbarock, in das Japaner und Koreaner immer wieder hineinkippen, verzichtet wurde. Klarheit und Enge gehen nicht zusammen.

Das haben sie sich in Wolfsburg gut überlegt.

Und auch das: Die großen Gewinne macht man mit den großen Autos, die großen Stückzahlen aber mit den kleinen Autos. Auf dem Weg zum größten Automobilkonzern der Welt, der VW 2018 mit mehr als zehn Millionen verkauften Autos pro Jahr sein will, wird man nicht länger ignorieren, dass der Markt der ganz kleinen Autos in dieser Zeit um mindestens 21 Prozent wachsen wird. Sagt man.

Was VW sicher weiß: Jedes zehnte in Europa verkaufte Auto gehört ins Kleinstsegment. Seit Lupo-Ende (2005) war da kein Volkswagen dabei. Wenn man schon Volkswagen heißt, darf man das nicht allzu lange auf sich sitzen lassen.

VW schiebt den up! auf der Design- und der Lifestyle-Schiene ins Gefecht. Walter de Silva, Konzern-Chefdesigner, sagt zum up!: „Das Auto erklärt sich selbst.“ Das ist vielleicht ein wenig abgekürzt, auf jeden Fall lässt sich sagen, dass der up! von außen in nur wenigen Details sich von anderen Winzlingen unterscheidet, in der Gesamtschau dann aber doch irgendwie sehr typisch VW ist. Da gelang also etwas Delikates. Bemerkenswertes Detail ist das Felgendesign mit dem übergroßen VW-Logo. Harmlos nett die große Heckscheibe, die sich aber nur zur Hälfte auch zum Durchschauen eignet. Und besonders auffällig dann noch, dass der up! freundlich dreinschaut, das tat zuletzt der Käfer (der New Beetle glotzt nur). VW-Chefdesigner Klaus Bischoff sagt in diesem Zusammenhang, wie wichtig es ihm war, dass der up! „sympathisch rüberkommt“. Das könnte er sich auch für die anderen Modelle überlegen. Eines sympathisch, alle anderen eher deutsch-streng, das ist nicht viel.

Wenn wir sagten, vorne ist gut sitzen, so müssen wir auch sagen, hinten ist schlecht sitzen. Man erwartet sich ja auch in diesen Dimensionen nichts Besonderes, aber wenn VW mit langem Radstand und kurzen Überhängen tönt, die den Innenraum so lang machen, dann vergessen sie dazuzusagen: aber nur für Personen unter einmetersechzig. Man wird den up! besser nicht als Fami­lienauto positionieren.

Bei aller Qualitätsanmutung merkt man doch, wo gespart wurde: So kann man die hinteren Fenster nicht ausstellen, und die Gurten vorne sind nicht höhenverstellbar, ebenso die Kopfstützen. VW peilt einen Preis unter 10.000 Euro an, und dann wird es sein wie immer: Dies und das sollte man schon noch dazukaufen, und zuletzt wird es niemanden geben, der wirklich 9.990 Euro für das Auto bezahlt hat. Was es schon für den Basispreis gibt: Kofferraum und Türen schließen so satt und elegant, wie es vor zehn Jahren einer S-Klasse Ehre gemacht hätte.

Zum Verkaufsstart werden zwei Einliter-Benziner mit drei Zylindern geboten. Wir fuhren bereits den mit 75 PS, stellten ausreichende Beschleunigung fest, vergleichsweise geringe Lärmbelastung und insgesamt wohl den Stand der Zeit, was die Motorisierung von kleinen Autos betrifft. Die Verbräuche sind okay, aber nicht revolu­tionär. Im nächsten Jahr kommt ein Erdgasmotor (CO2-Ausstoß: 86 g/km) und 2013 eine Elektrovariante.

Es gibt ein halbwegs weiches Fahrwerk – der up! ist eher auf der komfortablen ­Seite, gut so. ESP ist serien­mäßig, ein automatisiertes Fünfganggetriebe aufpreispflichtig. Die Handschaltung macht aber keine Probleme. Überhaupt wirkt die ganze ­Bedienbarkeit – Entfernungen, Dimensionen, Materialien, Anordnung von Pedalen und Lenkrad etc. – wie maßgeschneidert. Im Alltag wird das ein extrem angenehmes und praktisches Auto sein. Vor allem ab nächstem Jahr, wenn der Fünftürer kommt.

Zwei Ideen heben den up! aus der Masse heraus. Da ist einmal das „Portable Info­tainment Device“, ein tragbarer Bildschirm, der aufs Armaturenbrett gesteckt werden kann und dort Informationen preisgibt, wie Daten zur Fahrt (hier also eine Verschmelzung mit dem Datennetzwerk des Autos), Navigation und alles, was mit Telefon und Musik zu tun hat. Für die Navigation wird es auch Apps zu kaufen geben. Das Device wird rund 400 Euro kosten. Nur 200 Euro hingegen werden für die City-Notbremsfunktion verrechnet: Unter 30 km/h erkennt ein Laser-sensor eine drohende Kollision und löst eine automatische Notbremsung aus.

Der up! wird ab Dezember ausgeliefert. In optisch angepasster Form kommt er nächstes Jahr auch als Skoda und Seat zu uns, und zwar zu entsprechenden Preisen.

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