VW Touareg Exterieur Front
Der Designer stammt aus Italien. Man sieht es.
 

Testbericht: VW Touareg V6 TDI Blue Motion

Große Performance, kleiner Verbrauch, und dann sieht man sich auch noch von oben.

30.07.2010 Autorevue Magazin

Natürlich ist alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Bei der allerersten Präsentation des neuen, großen SUVs von VW war jedes dritte Wort, das auf der Bühne fiel: schlank. Und tatsächlich, im direkten Vergleich etwa mit einem ­Cadillac Escalade kommt der Touareg daher wie ein Windhund, feingliedrig, sehnig, ­anorektisch. Der direkte Vergleich zu Touareg Serie 1 fällt schon weniger spektakulär aus, runde 200 Kilo wurden abgespeckt. Man wog zuvor allerdings an die 2300 Kilo, und so dürfen wir beruhigt feststellen, dass auch der zweiten Generation keine Gefahr von Magersucht droht.

Denn schließlich: Wer will schon ein fettes SUV, das dann keines ist?

Was der Neue einen Hauch zarter wirkt, kommt vor allem von der jetzt wesentlich schicker gezeichneten Karosserie – mehr Akzente, mehr Raffinesse und vier Zentimeter mehr Gesamtlänge. Den Gewichtsverlust verdankt der Touareg unter anderem dem Einsatz hochfesten Stahls mit geringeren Querschnitten.

Hochfest ist auch der von uns getestete Motor: TDI, drei Liter Hubraum, sechs Zylinder, 240 PS, 550 Nm maximales Drehmoment. VW nennt einen Durchschnittsverbrauch von 7,4 Litern, in der Stadt sollen 8,8 Liter konsumiert werden. In der Testrealität ergab sich ein Verbrauch von 9,5 Litern bei sehr hohem Stadtanteil. Das ist anerkennenswert nahe an der offiziellen Verlautbarung.
Der Hybrid-Touareg, allerdings ein V8-Benziner mit 333 PS, kommt im Mix auf 8,2 Liter (und realisiert damit eine spezielle Art von Sparen auf einem ganz anderen ­Bewusstseins-Planeten, um das mal so auszudrücken).

Es ist noch nicht so lange her, da hat man solche Werte mit einem A4 kaum geschafft, und wieder einmal macht uns der Fortschritt staunen. Ein Aspekt desselben: die serienmäßige Start/Stopp-Automatik, an die wir uns wohl genauso gewöhnen werden wie an die Wirtschaftskrise.

An der „Blue Motion“-Performance beteiligen sich auch Leichtlaufreifen, längere Getriebeübersetzung und aerodynamische Aufwendungen. Versteht sich, dass VW keinen unpassend motorisierten Touareg auf die Straße schickt. In besonderem Maße gilt das für unseren Fall. Harmonisch wird die Kraft entfaltet, die Achtgang-Automatik befindet sich auf der Höhe der Zeit, das Wesen des Touareg in ­seiner Gesamtheit ist ohne Einschränkungen High End.

Auch im Innenraum: keine Distanz zu Q7 und anderen Ultras in Sachen Qualität, Haptik, Ausstattung. Voll ­verankert im Luxussegment. Pflichtfarbe daher Schwarz. Passt für Oberschichtenhausfrauen aus den Suburbs von Los Angeles ebenso wie für mitteleuropäische Modernisierungsgewinner.

Der Neue fährt sich leichtfüßig – relativ zum Vorgänger.

In Wahrheit bewegt man natürlich eine ordentliche Masse durch die Gasse. Und nie ­vergisst man es: Gasgeben, Bremsen, schnelle Kurve, ­Gehsteigkante – keine Sekunde ein Zweifel daran, welche Kräfte am Werk sind.

Ein Auto in dieser Region ist immer auch ein Spielfeld des Möglichen, will heißen: des Ausbaubaren. Wer sich ein verregnetes Wochenende Zeit nimmt, um die Aufpreisliste zu studieren, wird am Montag möglicherweise das Fahrdynamikpaket auf seinem Notizblock stehen haben: mit Luft­federung, automatischer ­Niveauregulierung und elektro­nischer Dämpferregelung. Die lässt sich, wenn man es einmal gnädig hat, auf Sport stellen, was die Dämpfung verhärtet, das Auto absenkt und ebenso die Rundenzeiten.

Das Assistenzpaket stößt mit Distanzregelung und Spurwechselwarnungen an die oberen Zivilschutz-Grenzen vor. Die große Show ist aber „Area View“, die Einparkhilfe der Profis: Kameras in der vorderen Stoßstange, den Außenspiegeln und der Heckklappe nehmen die Umgebung auf und bringen sie mitsamt dem stilisierten eigenen Auto so aufs Display, als ob jemand aus dem ersten Stock hinunterfilmen würde. Das Einparken geht so zwar nicht wirklich leichter, aber der Effekt ist spektakulär. Verspielten Gemütern eröffnet sich ­zudem die Möglichkeit, Rückwärtsrennen durch engmaschige Stadtviertel auszu­tragen, ­wobei nur aufs Display geschaut werden darf.

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