Vorstellung: VW Touareg

Leichter, flacher und sogar hybridgetrieben: Generation zwei des Touareg gibt sich zeitgemäß. Und ein bissl Fett ist auch noch da.

26.03.2010 Autorevue Magazin

So richtig ist nicht mehr (oder vielleicht auch nur vorüber­gehend) die Zeit nach großen SUVs. Steht man, wie VW, vor der Notwendigkeit, ein neues Modell präsentieren zu müssen – man kann sich aus diesem einmal betretenen Segment ja schließlich nicht einfach zurückziehen –, dann ist idealerweise einiges Beiwerk parat, um sich und den Kunden das schlechte Gewissen zu nehmen. Hoch in Mode: der Hybridantrieb. Nebenher laufen etwas sparsamere konventionelle Antriebe und weniger Gewicht. Aus genau diesen ­Ingredienzen ist die neue ­Generation des VW Touareg gemischt.
Das Auto unterläuft den klassischen SUV-Ansatz von der siegreichen Höhe: Zwar um 4,3 Zentimeter länger, ist er um zwei Zentimeter niedriger als Touareg I. Er wirkt dadurch wie tiefergelegt, ohne aber im Verkehr dem Hintermann den Blick nicht zu verstellen. Der positive Effekt liegt im geringeren Verbrauch durch weniger Stirnfläche. An dieser prangt jetzt übrigens das neue VW-Familiengesicht.
Es wurde also abgespeckt, insgesamt um 208 Kilo – solange man sich für die einfachere von zwei Allradvarianten entscheidet: 4Motion (permanent) mit selbstsperrendem Torsenverteilergetriebe kommt ohne Geländeuntersetzung aus, das gewichtigere 4Xmotion (auch „Terrain-Tech-Paket“ genannt) hat eine Untersetzungsstufe sowie Mittel- und Hinterachsdifferenzialsperre. Über einen Drehschalter können fünf Fahrprogramme mit ­ansteigender Wehrhaftigkeit gewählt werden, von Onroad bis hin zur zweifachen Differenzialsperrung.
Das motorische Downsizing besteht zunächst einmal aus nicht mehr Anbieting: V10 TDI und W12 sind raus. Es bleiben vier Motoren. Da ist zum Einstieg der V6-FSI, also Benzindirekteinspritzer mit 3,6 Liter Hubraum und 280 PS, der
am Papier 9,9 Liter verbraucht – 2,5 Liter weniger als der nach Hubraum und Leistung identische Vorgängermotor (erwartet für die Realität 12 Liter, und ihr werdet nicht enttäuscht sein).
Für den weiterentwickelten V6 TDI mit unverändert 240 PS nennt VW einen Verbrauch von 7,4 Liter (1,9 Liter weniger als zuvor) und für den von Audi übernommenen V8 TDI mit 4,2 Liter Hubraum und 340 PS einen von 9,1 Liter.
Star der Motorenkommunikation ist freilich der Hybrid. Die Verbrennungseinheit wird von einem V6-Kompressor mit Direkteinspritzung bestritten, 333 PS maximale Leistung werden erbracht. Der Elektromotor leistet 47 PS, Gesamtleistung also maximal 380 PS.
Es handelt sich hier um einen Parallelhybridantrieb: Eine Trennkupplung entkoppelt bei reinem Elektrobetrieb den in diesem Fall abgeschalteten Benziner und den E-Motor, das Schleppmoment des Benziners fällt also weg. In diesem Modus sind bis zu 50 km/h möglich. Die Trennkupplung nimmt den Benziner auch vom Getriebe, wenn man vom Gas geht, das funktioniert bis 160 km/h: Es rollt sich dann besser, VW nennt das sehr poetisch ­„Segeln“. Insgesamt soll der Touareg mit Hybridantrieb 8,2 Liter verbrauchen.
Sämtliche Motoren, auch der Hybrid, sind serienmäßig mit Start-Stopp-System und 8-Gang-Automatik kombiniert, was für Ruhe und Nullverbrauch im ­Stehen und hoch­effiziente ­Gelassenheit im ­Fahren sorgt. Der kommt ­außerdem – angesichts eines Einstiegspreises von kaum ­unter 60.000 Euro auch angemessen – die hochwertige ­Ausstattung zugute. Die allerdings, um höchst­wertig zu sein, mit Optionen angereichert werden will. Wir nennen: Area View mit vier Kameras zur erkennungsdienstlichen Umfeld­bestreichung; Side ­Assist mit Lenkradvibes; automatische Distanz­regelung, die im Notfall von selbst bis zum Stillstand bremst; das größte ­Panoramaschiebedach aller SUVs.
Nicht so schillernd, dafür aber ganz banal praktisch ist die um 16 Zentimeter der ­Länge nach verschiebbare Hecksitzbank. Die Atmosphäre ­innen, zumal hinter dem Lenkrad: ebenfalls kaum ­schillernd, irgendwo zwischen der überzeichneten Coolness des Passat und dem faszinierenden Luxus ­eines Cayenne.
Vom ersten Touareg wurden seit 2002 an die 500.000 Stück verkauft. Der Neue soll im April auf den Markt kommen. Dass seine Weltpremiere Mitte Februar in München von Thomas Gottschalk moderiert wurde, wird bis dahin vergessen sein.

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