vw the beetle cabriolet 50s 1,6 tdi innenraum
WIR PROPHEZEIEN: Zu viert wird in diesem Auto niemand reisen.
 

Dauertest-Einstieg: VW The Beetle Cabriolet 50s

Erst als Cabrio läuft der Beetle zu seiner Höchstform auf. Wie viel Sommer er mitbringt, wird der Halbjahrestest beweisen.

07.08.2013 Online Redaktion

Es begann, wie eher selten, mit Trübsinn und Novemberstimmung. Wenn der ­Horizont grau und der Missmut überwältigend ist, der Sommer fern scheint, zieht es den Fahrer zum Cabrio wie einst die Abenteurer zur See. Nur der Sommer kann einen aufheitern. Ein Sommer, den wir unaufgeregt durchtanzen wollen, bepackt nur mit dem Nötigsten. Ein anderes Auto als das neue Beetle Cabriolet ist für solche Ansprüche gar nicht denkbar.

Weil das Cabriolet innerhalb der ­Beetle-Baureihe erstens eine sinnstiftende Wirkung hat. Retro-Charme lässt sich nur offen dauerhaft frisch halten. Zweitens weil der neue Beetle wieder näher an die Ansprüche der Kunden gerückt wurde. Kugelmugel-Design gibt es nicht mehr, Blumenvase auch nicht. In das Konzept des Beetle passt es ohnehin viel besser, wenn einer der Redakteure sie spätestens im buntestmöglichen Frühling mit Duct-Tape und Reagenzglas improvisieren wird.

50s-Edition

Der Hauch der Vergangenheit weht um die Knaller-Felgen, die bei aller Objektivität ein Geniestreich an Ausgewogenheit sind. Zurückhalten und schreiend, modern und klassisch. Das gilt auch für das Handschuhfach. Als Reminiszenz an den originalen Käfer öffnet es nach oben. Das ist zwar unpraktisch, strahlt aber den Stolz auf das Erbe aus. Einsicht zeigten wir bei der Motorisierung. Denn die Stimmung bei den Kunden ist gekippt. Der Dieselmotor ist für die Hersteller mittlerweile selbst bei Cabriolets lebensnotwendig geworden. Das mögen wir nicht, akzeptieren es aber. Dank kleinerem Diesel (105 PS) und manueller Fünfgangschaltung ließ sich der ­Gesamtpreis knapp unter der psychologisch wichtigen 30.000-Euro-Grenze halten. Trotz Lederausstattung wohl­gemerkt. Die ist in der Variante „50s“ nämlich serienmäßig, genau wie der glänzend schwarze Lack.

vw the beetle cabriolet 50s 1,6 tdi felge

Dank an den Designer der Felgen. Moderner war noch keine Vergangenheit.

Fahren und Fühlen

Wer sich gegen Lack und Leder, aber für mehr Motorleistung und ein komfortableres Getriebe entscheidet, bekommt um etwas weniger Geld einen 160-PS-Benziner samt Siebengang-Doppel­kupp­lungs­getriebe. Das liegt daran, dass es für das Beetle Cabriolet fünf Motoren und sechs Ausstattungsvarianten gibt, was zu 41 Grundpreisen führt.

Doch aus der Ernsthaftigkeit der Rechnerei lässt sich der Beetle innerhalb von 9,5 Sekunden herausmanövrieren. So lange benötigt das automatisch öffnende Dach, um Licht, Sicht und gute Laune zu verbreiten, wohin der Kopf sich auch wendet. Das Verdeck verschwindet dabei nicht ganz im Heck, sondern kauert sich teilweise hinter die Kopflehnen der Rückbank. Wie klassisch. Der Kofferraum bleibt so unangetastet. Würde dort nicht eine Hülle für das zusammengefaltete Dach liegen. Über dieses Verhüterli werden wir viel schimpfen. Der einzige Grund, es umständlich zu montieren, ist, dass es im Kofferraum zu viel Platz wegnimmt. Irgendjemand wird sich erbarmen und es an einem Rastplatz vergessen.

Zwischen der Außenhülle des Verdecks und dem inneren Dachhimmel steckt eine Art Schaummatte. Sie dämmt das Cabriolet auf das Geräusch­niveau der zugeschweißten ­Variante herunter.

Der Beetle wird uns, so ­klischeehaft das jetzt klingt, durch einen Sommer der Liebe führen. Schließlich ist die Rückbank eher als Gepäckablage denn tatsächlich für zwei weitere Passagiere gedacht. Uns freut das. Wahres Glück findet man auf Reisen zu zweit.

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