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Vorstellung: VW Scirocco R

Wer hinter den Erwartungen zurück ist, muss Gas geben, um sie einzuholen. Der zweite Versuch.

01.01.2010 Online Redaktion

Krisenopfer nennt VW seinen Scirocco und meint damit, dass es zwar das richtige Auto, aber die falsche Zeit gewesen sei. Inmitten einer Krise lanciert man keinen Sportler für die Masse, die Masse hat da andere Sorgen. 745 Scirocco wurden 2009 in Österreich zugelassen, halb so viel wie kalkuliert. Auch der jüngste Spross der Modellreihe, der Scirocco R, wird daran nicht viel ändern. Der soll sich 2010 nur 15 Mal verkaufen – was schon wieder keinen unerheblichen Reiz darstellt, so ein Scirocco R wird seltener als ein Ferrari sein.
Die R-Variante basiert auf den GT24-Sciroccos, mit denen VW beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring seine Klasse gewonnen hat. Ein Zweiliter-Benzindirekteinspritzer wird dank Turbo auf 265 PS aufgeblasen (am Nürburgring leistete er 315 PS). Damit einem der Motor nicht um die Ohren fliegt, wurden die Kolben mit kräftigeren Bolzen ausgestattet, die Pleuel verstärkt und der Zylinderblock versteift.
Im Gegensatz zum ebenfalls neuen Golf R kommt der starke Scirocco nicht mit Allradantrieb, man spart lieber die 100 kg Mehrgewicht. Um untersteuern zu vermeiden, gibt es serienmäßig ein elektronisches Vorderachs-Sperrdifferenzial. Wird das kurveninnere Rad zu sehr entlastet, bremst es das ESP ein.
Wer das 6-Gang-Direktschaltgetriebe will – und man will es, VW rechnet beim Scirocco R mit einem Anteil von 75 Prozent –, der zahlt 1.990 Euro Aufpreis. Stammtischtheoretiker freuen sich dann auch über eine schnellere Beschleunigung
(0 auf 100 km/h in 5,8 sec) und einen geringeren Verbrauch (8,0 Liter). Alles theoretisch.
Praktisch fühl- und vor allem hörbar ist der Sportmodus der Automatik, wenn man ihn mit einer entsprechenden Fahrweise paart. Die Endrohre wirbeln einem dann ein Stakkato um die Ohren, unterbrochen nur vom Bellen bei Schaltvorgängen. Erreicht hat man das durch eine dreiflutige Auspuffanlage – links läuft ein Rohr, rechts zwei. Erkennen wird es nur, wer unter das Auto kriecht oder Ausschau nach der kleinen Trennwand im Rohr hält.
Die Optik ist mehr als das reine Ringen um Aufmerksamkeit, es geht um Mehrwert. Der neue Stoßfänger mit großen Lamellen hat zusätzliche Lufteinlässe, um Bremsen und Motor zu kühlen, und der verlängerte Heckspoiler soll mehr Abtrieb garantieren. Gleiches gilt für den Innenraum. Sportsitze und -Lenkrad haben bei 265 PS mehr Aufgaben, als nur cool auszusehen.
Die Verkaufszahlen wird der Scirocco R nicht retten, dafür die Messlatte für die Konkurrenz höher legen. Aber die ließ der vermeintlich gefloppte Scirocco ja hinter sich. Renault Mégane und BMW 1er kommen in der Statistik erst mit gebührendem Abstand.

  • cybergolfer

    böse, böse

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