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Vorstellung: VW Polo GTI

Nahkampf-Optik, 180 PS, kaum Fett auf den Rippen: Der VW Polo GTI ist richtig lustig (außerdem verbraucht er nicht einmal sechs Liter, und morgen kommt das Christkind).

22.07.2010 Autorevue Magazin

Die erste Überraschung: Downsizing muss nicht in Hysterie enden. Der Polo GTI hat einen 1,4-Liter-Motor mit Kompressor, Turbo und 180 PS, und wenn man mit 170 über die Autobahn zischt, herrscht dennoch absolute ­Unaufgeregtheit. Respekt den Leuten von Fahrwerk, Motor und Dämmung! Da ist von Anfang an diese Souveränität und Gelassenheit, die eigentlich so gar nicht zur ursprünglichen Intention des Autos passen will und nun doch so positiv auffällt.

Was ist aber die ursprüngliche Intention des Polo GTI? Ein böser, kleiner, schneller Brüter für die enge Brieftasche sein. Als Gebrauchter dann auch schon die Basis für diverse Clubaktivitäten im gesellschaftlichen Segment der jungen Menschen in Ausbildung.

Die zweite Überraschung: Den Polo GTI gibt es nur mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe – im Fahrbetrieb also eine Automatik mit Schaltpaddles am Lenkrad. Das ist aus unserer Sicht natürlich ­lobenswert, aber was wird die Klientel sagen? Die ist gleichermaßen jung wie in solchen Dingen konservativ.

„Es ist eine mutige Entscheidung“, sagen sie bei VW, aber sie haben sie halt so getroffen. Beim Golf GTI greifen bereits zwei Drittel zum DSG, und sowieso geht der Trend weg vom Handschalter, zumal in sportlichen Segmenten. Ferrari gibt’s mit so was gar nicht mehr, ein schönes Vorbild.

Ist auch besser so. Treibt man den Polo, wie es seiner Art entspricht, durch das Kurvige, ist es sinn- und lustvoll, sich nur auf die Essenz zu ­konzentrieren: Lenken, Gas­geben, Bremsen. Das DSG sortiert stets richtig. Obwohl die ­Paddles sich mit dem Lenkrad mitdrehen, kann man sie getrost außer Acht lassen.
Wichtiges Thema Kurvendynamik. Die ist in diesem Auto ausgeprägt: Macht wirklich Spaß, den Gnom im Spannungsfeld von Längs- und Querbeschleunigung zu bewegen. Die Stoßdämpfer sind straff konzipiert, das Fahrwerk liegt insgesamt um 15 Millimeter tiefer als beim normalen Polo, Niederquerschnittreifen tun ein Übriges. ESP kommt naturgemäß zum Einsatz, auch das XDS aus dem Golf GTI: elektronisches Querdifferenzial. Es verhindert das Durchdrehen des kurveninneren Rades mittels Bremseingriff und verbessert so das Handling bei ernstgemeintem Einlenken.

180 PS also, zudem ein ­maximales Drehmoment von 250 Nm, das schon bei 2000 Umdrehungen drückt. Von Durchzugsstärke darf gesprochen werden. Bei niedrigen Drehzahlen wirkt der Kompressor aufs Moment, bei ­höheren setzt zusätzlich der Abgasturbolader ein, ab 3500 arbeitet nur noch der Turbo.
Es wird über 5,9 Liter Verbrauch gejubelt, 25 Prozent weniger als beim Vorgänger. Wer tatsächlich 5,9 Liter schafft, kommt ins Rekordebuch. Wagen wir für den ausgiebigen Test in einem der nächsten Hefte die Prognose: Mit acht Litern kommen wir günstig davon.

Als GTI ist der Polo ein voll krasses Minderheitenprogramm. Von der zweiten Generation (2006 bis 2009) sind in Österreich 123 Stück verkauft worden. Vom Neuen sollen noch heuer 150 abgesetzt werden. Bestellt werden kann ab sofort, ausgefolgt wird ab so ungefähr Juli.

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