VW Passat Dauertest – statisch hinten rechts
Gelassenheit ist heutzutage das wohl wertvollste Gut, das einem ein Auto vermitteln kann, wenn man viel unterwegs ist.
 

Dauertest-Einstieg: VW Passat Variant 2,0 TDI

Der neue Chef im Fuhrpark ist ein Deutscher. Und zwar so deutsch, wie ein Deutscher nur sein kann.

11.05.2013 Autorevue Magazin

Zugegeben, Autos wie der ­VW Passat Variant sind in den letzten Jahren ein wenig aus der Mode geraten. Der einst unangefochtene Mittelklasse-VW steckt nun eingekeilt zwischen diversen SUVs, kleineren Premiums und nicht zuletzt dem endlich revitalisierten Sharan. Und trotzdem: Wenn man drinnen sitzt, ist auf einmal alles wieder klar. Exakt so viel Auto braucht der Mensch.

Optimierung des VW Passat in der siebenten Generation

Rein technisch gesehen ist die siebente Generation des Passat (wie schon beim Golf) eher eine Version 6.5, aber das geht mehr als in Ordnung. ­Tatsache ist, die sinnvolle, für alle noch klar wahrnehmbare Weiterentwicklung ist längst an ihre Grenzen gestoßen – wohl deshalb werden jetzt alle Neuerscheinungen mit mehr oder weniger hilfreichen As­sistenz-Systemen geflutet, irgendwo muss ja schließlich der technische Fortschritt seine neue Bühne finden.

Für den VW Passat gilt das alles erst recht. An den Abmessungen und den konstruktiven Eckpfeilern wurde wohlweislich nicht gerüttelt. Das Feintuning reicht vom strengeren Blick über nachgeschärfte Bügel­kanten rundum bis zur verfeinerten Ausstattung und Verbrauchsoptimierung der Aggregate. So verfügen jetzt alle Diesel serienmäßig über BlueMotion-Technologie, also rollwiderstandsarme Reifen, Rekuperationsmodus und eine Start-Stopp-Automatik (die uns, ehrlich gesagt, derzeit durch den beim Diesel doch ziemlich harten Startrüttler mehr nervt, als sie an der Tankstelle bringt).

 

Beim VW Passat Variant passen alle entscheidenden Parameter

Die Substanz blieb aber dort, wo wir sie seit Jahrzehnten erwarten: Hier kriegt man harte Währung geboten, irgendwie schafft es der Passat, noch immer den Goldstandard unter den Familien- und Firmenautos zu stellen. Weil nämlich alle entscheidenden Parameter passen:

Viel Platz

Die Größe – der Passat wirkt üppig genug, dass man sich auch zu vielt auf längeren Strecken noch wohlfühlt. Er wird auch alle unsere hochgesteckten Transporterwartungen erfüllen (mit der schmutzfrei ausklappbaren, weil ferngesteuerten Anhängekupplung im Talon überhaupt). Und doch geht der Alltag spielerisch von der Hand, und die neue, wirklich arg enge Redaktionsgarage können wir gerade noch ohne feuchte Hände verlassen.

Wenn man viel unterwegs ist

Gelassenheit – heutzutage vielleicht das wertvollste Gut, das einem ein Auto vermitteln kann, wenn man viel unterwegs ist. Das beginnt mit dem nun völlig ausgereift wirkenden DSG-Getriebe, das die Gänge mit der Eleganz eines Doppelpasses zwischen Xavi und Messi reinschlenzt. Wer da noch selber eingreifen will, könnte generell ein bissl ein Problem mit dem Loslassen haben. Der Federungskomfort ist makellos, da gab es ohnehin kaum was zu verbessern. Das zusätzlich verbaute Dämm­material sorgt aber dafür, dass Tacho 150 – also jenes Tempo, auf das sich Autobahngemeinde und Exekutive in stillem Einverständnis geeinigt haben – nun in nahezu völliger Lautlosigkeit stattfindet. Nicht ­zuletzt fällt auch die Wahl der 170-PS-Variante ins Kapitel Gelassenheit: Sie garantiert stets ausreichenden Punch auf Autobahnsteigungen, würdige Überholmanöver in jeder ­Situation und erlaubt atem­beraubende Reiseschnitte auf nächtlichen deutschen Autobahnen – und zwar, ohne dass die Bankomat-Karte an der Tankstelle glüht, was uns gleich zum nächsten Punkt führt.

Bemerkenswerter Verbrauch

Bescheidenheit – die ist ­zuerst einmal in Sachen Verbrauch bemerkenswert. Derzeit liegt unser Schnitt bei 7,2 Liter, flott angegangene Langstrecken mit Tempomat 150 lassen sich auch unter ­sieben Liter machen. Und die Gaspedal-Flüsterer aus der ­Redaktion werden uns wohl noch vorführen, dass selbst 5-Liter-Werte locker möglich sind. Das ist nicht nur spürbar weniger als bei unserem letzten Dauertest-Passat mit weniger Leistung, es führt auch ­irgendwie die gesamte Hybrid-Elektro-Denkschule ad ab­sur­dum. Wenn ein ausgewachsenes, gut im Saft stehendes ­Familienauto einmal in dieser – tatsächlichen und nicht normwertoptimierten – Verbrauchsregion angelangt ist, hat die Welt echt andere ­Probleme zuerst zu lösen.

VW Passat Dauertest – dynamisch rechts

Bescheidenheit, zweites ­Kapitel: Ein Passat ist kein Audi, und das ist gut so. Trotz Nachbesserung geht der Auftritt unauffälliger und sachlicher vonstatten, und zwar, ohne dass einem im täglichen Leben was abgeht. Speziell die Highline-Version mit der vollen Ausstattungsbreitseite, Alu-Intarsien im Cockpit und den höchst angenehmen Alcantara-Sitzen riecht ein wenig nach Premium, erreicht dann aber doch nicht ganz die atmosphärische Dichte eines Audi A6. An dieser Stelle darf man als Auskenner durchaus ein wenig fasziniert sein, denn alleine das Beherrschen dieser subtilen Zwischentöne zur Markenabgrenzung wird dafür sorgen, dass es nimmer lang dauert, bis VW der weltgrößte Autohersteller ist.

Kaufpreis des Passat Variant: rund 40.000 Euro

Bescheidenheit, drittes ­Kapitel. Im Grenzbereich der Bescheidenheit findet der Kaufpreis statt. So ein VW Passat Variant in Highline-Ausstattung mit 170 PS und DSG löst heutzutage einen 40.000-Euro-Transfer aus – wieder einmal ein schöner ­Anlass, sich die Schilling-­Umrechnerei abzugewöhnen. Für unseren keinesfalls frivol hochgerüsteten Testwagen (Metallic, Navi, Xenon, Anhängekupplung plus ein paar Kleinigkeiten) legt man rund 46.500 Euro an. Viel Geld für viel Auto, ob es der Passat wert ist, werden die nächsten zwölf Monate zeigen.

Den Dauertest-Zwischenbericht finden Sie hier, den Abschlussbericht hier.

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