VW Passat Variant Exterieur Dynamisch Front
Technisch angereichert, mit Noblesse gefüllt.
 

Testbericht: VW Passat

Die siebente Generation des Kombis aller Kombis.

28.01.2011 Autorevue Magazin

Man muss schon ein klein wenig schauen und suchen, um den Modellwechsel im Innenraum dingfest zu machen. Der im Kronenzeitung-Suchbild­lösen geschulte Kollege S. entdeckte schnell die Analog-Uhr, nach guter Luxusklassenmanier in der Mittelkonsole angesiedelt und dort von ­großer Nutz­barkeit und edlem Chic (zuvor waren das rote ­Digitalziffern irgendwo). Auch die Türverkleidungen und -griffe sind neu ­gestaltet. Sonst ist im Wesent­lichen das Meiste beim Alten geblieben: Anzeigen, Lenkrad, das Umfeld des DSG-Hebels.

An der technischen Konzeption – Antrieb, Fahrwerk – wurde nichts Grundlegendes umgebaut, nur ein paar Schalter in Richtung noch mehr Souveränität und bestes Abrollen geschoben. Und außen? Die Dimensionen blieben unver­ändert. Detaillösungen, bei den Lichtern etwa, rücken das ganze Auto weiter in die großstädtische Modernität hinein. Dazu kommt ein Bündel innerer Werte, die das ­Leben mit dem und im Passat upgraden. Vieles davon freilich aufpreispflichtig, niemand schenkt ein Upgrade her.

VW Passat Variant Interieur

Was gleich auffällt, ist das deutlich gestiegene akustische Niveau (genau genommen der gesunkene Lärmpegel). Zu ­verdanken ist das besserer Dämmung und einer dickeren Windschutzscheibe (aufpreispflichtig allerdings: ab 190 Euro, es können auch die vorderen Seitenscheiben mit Dämmfolie bestellt werden). Schon daraus ergibt sich ein insgesamt nobleres Gefühl im Auto.

Wie umgibt uns der Passat? Auch an Tagen dichten Schneetreibens, an denen die Herausforderungen groß sind und ein Auto alle seine Schwächen blitzschnell offenbart, blieb uns der Variant eine feste Burg, ein Bollwerk gegen Grauslichkeiten mit punktgenau greifenden Stabilitätsprogrammen und ausgewogener Traktion. Zudem robust und nahezu selbstreinigend, zu keiner Zeit schleppt man ja mehr Dreck ins Auto hinein, als dann, wenn der Winter zuschlägt. Aber irgendwie ist das alles abgeperlt, sogar die vermutete Empfindlichkeit der hellen Alcantarasitze war gar keine. Der Passat, stolzer Technologieträger noch vor dem Phaeton, ist so was von keine Diva.

Wir sagten: Technologie­träger noch vor dem Phaeton. Im Passat sind vorpreschend Features zu haben, die erst ­später die verkaufszähe Luxuslimousine und den Touareg schmücken werden: Müdigkeitserkennung und die City-Notbremsfunktion, die im Rahmen der automatischen Distanzregelung (adaptiver Tempomat, den gibt’s natürlich schon im Phaeton) bis 30 km/h auch eine Notbremsung ein­leiten kann. Die Müdigkeits­erkennung ist serienmäßig ab Comfortline und lässt das Fahrverhalten von Lenkrad und Pedalen überwachen. Stellt das System Auffälligkeiten fest, gibt es einen Warnton. Als Extra kostet das Ding ­rekordverdächtige 28 Euro.

VW Passat Variant Interieur

Die Positionierung als angereichertes Mehroderweniger-Luxusauto in der Mittelklasse ist weitgehend an die Aufpreispflicht gebunden. Spurhaltesysteme, Fernlicht­assistent, Verkehrszeichendarstellung am Display, Parklenk- assistent, Seitenairbags hinten, Klimasitze vorne, TV, Navi und adaptive Fahrwerksregelung und sogar das Gepäckraummanagement lassen sich zu einer nennenswerten Summe akkumulieren und den Passat preislich ein Stück in die Oberklasse hineinrücken. Dort gehört er dann aber auch richtig hin.

Für die Breite des Passat-Daseins ist das in voller Belegung kaum gedacht. Man wird das eine oder andere heraus­picken und stolz seinen Leuten vorführen. Im Grunde ist der Passat ein Auto für Rechner, die sich nun zunehmend im Licht des technologischen ­Potenzials sonnen können.

Und dabei auch noch sehr gut fahren. Das Doppelkupplungsgetriebe zeigt kleine Mängel in der Reaktion auf
die Befehle des Fahrers und auch auf das Loslassen des ganzen Drehmoments, man kennt das ja schon und gewöhnt sich ­daran. Ohne Hektik und Kraftausbruch har­moniert es aber fein mit dem 140-PS-Diesel, der von großer Kultur ist. ­Zehn Sekunden von Null auf Hundert für einen vergleichsweise schweren Kombi ist ausreichend frisch, und noch frischer, nämlich knackigfrisch ist das Fahrwerk abgemischt, ein bissl weicher wäre auch kein Fehler gewesen.

Ein bissl umständlich ist das Flachmachen der Rück­sitze, nämlich müssen die Sitzflächen nach vorne geklappt werden. Würde man allerdings die Lebenszeit berechnen, die dadurch verloren geht, man käme auf einen Wert, der uns nicht weiter beunruhigen müsste, das ist sicher.

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