VW Passat HyMotion
Fährt sich wie ein Elektroauto ist aber ein Brennstoffzellenauto, der VW Passat HyMotion.
 

VW Passat HyMotion, ein vorläufiges Bekenntnis zur Brennstoffzelle

Mit dem VW Passat HyMotion springen die Deutschen auf den Brennstoffzellenzug auf, zeigen aber auch gewisse Skepsis gegenüber dieser Technik…

01.12.2014 radical mag

Der VW Passat HyMotion fährt sich wie alle anderen Elektroautos auch, ist aber ein Brennstoffzellenauto. Die zukünftige Strategie des Volkswagen-Konzern in Sachen Brennstoffzellen ist durchaus interessant – und auch deshalb wichtig, weil die Deutschen ja bis 2018 «der beste Auto-Hersteller der Welt» sein wollen, ihnen allein schon deshalb eine gewisse Leader-Rolle zufällt.

Die Vorgehensweise des VW-Konzerns in Sachen Brennstoffzellen

Derzeit sind sie noch ein paar Schritte hinter anderen Produzenten zurück, Hyundai, Toyota, Mercedes, Ford. In jenem Verbund von Herstellern, die sich verpflichtet haben, 2015 die ersten Serien-Fahrzeuge mit Brennstoffzellen auf den Markt zu bringen, ist der VW-Konzern nicht dabei, und auch an einen neuen Konsortium von Mercedes, Ford und Nissan, das sich verpflichtet hat, beim Aufbau einer vernünftigen Betankungs-Infrastruktur mitzuarbeiten, wollen sich die Wolfsburger nicht beteiligen. Böse Zungen behaupten wieder einmal, dass der VW-Konzern ja allgemein zuerst einmal zuschaut, wie sich ein Markt so entwickelt, um sich dann im schon gemachten Bettchen breit zu machen – man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es auch diesmal wieder so sein könnte. Dazu passt, dass sich der Volkswagen-Konzern jetzt auch noch beim kanadischen Brennstoffzellen-Pionier Ballard eingekauft hat, als einer der letzten großen Hersteller._VW-Passat-HyMotion-motor

Der Vorteil von VW

Andererseits haben die Deutschen einen großen Vorteil auf ihrer Seite: sie haben die Elektrifizierung schon früh in die Antriebseinheiten eingearbeitet. Und das ausgesprochen clever, egal, ob Hybrid oder Plug-in-Hybrid oder reines e-Auto, es ist alles schon vorhanden und lässt sich beliebig untereinander kombinieren.

MQB-Plattform

Die MQB-Plattform wurde bewusst so konzipiert, dass alle diese technischen Varianten aufgenommen werden können, und auch die jüngsten Versionen der DSG-Getriebe sind selbstverständlich kompatibel.

Keine Revolution, aber Farbe, der VW Passat HyMotion

Das gilt jetzt auch für den VW Passat HyMotion, dem vier Wasserstofftanks verpasst wurden, vorne anstelle eines Verbrennungsmotors ein mächtiger Brennstoffzellenstack, etwa 200 Kilo schwer, der seine Energie teilweise direkt an einen bereits vorhandenen Elektro-Motor abgibt, teils eine Lithium-Ionen-Batterie speist, die dann wiederum den gespeicherten Strom an den Elektromotor weitergibt. Die Lösung von VW ist nicht wirklich aufregend oder gar revolutionär, doch das ist ja auch nicht gefragt – wichtig ist, dass der Konzern endlich (ein wenig) Farbe bekennt.VW-Passat-HyMotion-technik

Skepsis gegenüber der Brennstoffzelle

Doch wenn man den Verantwortlichen des Konzerns so zuhört, dann hört man doch eine gewisse Skepsis gegenüber der Brennstoffzelle heraus. Immer wieder die fehlende Infrastruktur angesprochen – aber sich in diesem Bereich selber engagieren will sich der VW-Konzern trotzdem nicht, man sei ja ein Automobil-Hersteller, kein Tankstellen-Betreiber, hört man so sagen. Dass ein vernünftiges Tankstellen-Netz in Deutschland weniger als eine Milliarde Euro kosten würde, scheint erwiesen, wenn sich da neben Mercedes auch die anderen Hersteller engagieren würden, dann wäre das ein Klacks, könnte aus der Portokasse bezahlt werden._VW-Passat-HyMotion-(4)

Zukunftsmusik

Außerdem: es besteht anscheinend die Hoffnung, zumindest bei Volkswagen, dass die Speicher-Technik in den nächsten Jahren derart große Fortschritte machen wird, dass man in absehbarer Zukunft auf reine E-Autos setzen kann, dass es dannzumal Batterien geben wird, die eine «vernünftige» Reichweite ermöglichen werden. Wohl deshalb gibt sich der VW-Konzern bis 2020 Zeit, bis man die ersten Serien-Fahrzeuge mit Brennstoffzellen anbieten will – oder dann halt nicht. Es macht so ein bisschen den Eindruck, als wolle sich Wolfsburg mit den HyMotion-Modellen mal alle Möglichkeiten offenhalten – mit ganzem Herzen ist man beim Thema Wasserstoff irgendwie nicht dabei. Andere Hersteller sehen das anders, ganz besonders von Hyundai und Daimler ist zu erwarten, dass die Brennstoffzellen-Technik mit mehr Engagement und auch mehr Ressourcen vorangetrieben wird.

Und dann ist da ja auch noch Toyota

Schon Vorreiter bei der Hybrid-Technologie, haben die Japaner vergangene Woche in Los Angeles den Mirai vorgestellt, das erste serienmäßige Brennstoffzellen-Auto, das man tatsächlich kaufen kann. Reichweite 500 Kilometer, in fünf Minuten vollgetankt. In den USA für knapp 40.000 Dollar zu haben – in Europa für satte 78.540 Euro.

Vielen Dank an radical-mag.com

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