© Bild: Erik S. Lesser / EPA / picturedesk.com
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VW-Mitarbeiter in Tennessee stimmen gegen Gewerkschaftsvertretung

Im VW-Werk in Chattanooga stimmte die Belegschaft mit 712 zu 626 Stimmen gegen die Gründung eines Betriebsrates durch die Autogewerkschaft UAW.

15.02.2014 APA

Die Belegschaft des VW-Werks in Chattanooga votierten in einer geheimen Abstimmung gegen eine Vertretung durch die Autogewerkschaft. Der Standort im Bundesstaat Tennessee verfügt damit weiter als einziges großes VW-Werk weltweit über kein Gremium zur betrieblichen Mitbestimmung. Erst gestern hatte US-Präsident Barack Obama zur Situation Stellung bezogen.

712 zu 626 Stimmen gegen Gewerkschaftsvertretung

In geheimer Abstimmung wurde der Vorschlag zur Gründung eines Betriebsrates durch die UAW mit 712 zu 626 Stimmen abgelehnt. Die Stimmbeteiligung betrug 89 Prozent. Das Votum ist ein herber Rückschlag für die UAW, die seit Jahren vergeblich versucht, in den Autofabriken im Süden der Vereinigten Staaten Fuß zu fassen. 2001 hatten die Beschäftigten in einem Nissan-Werk in Tennessee gegen eine Vertretung durch die UAW votiert.

VW sucht nach anderem Weg zur Gründung eines Betriebsrates

„Volkswagen wird die Entscheidung der Mehrheit respektieren“, erklärte Werkschef Frank Fischer am späten Freitag (Ortszeit). Der mächtige VW-Konzernbetriebsrat hatte auf die Wahl gedrängt, um eine Arbeitnehmervertretung nach deutschem Vorbild in der amerikanischen Fabrik zu etablieren. „Unsere Mitarbeiter haben keine Entscheidung darüber getroffen, dass sie gegen einen Betriebsrat sind“, stellte Fischer klar. Nun müsse nach einem anderen Weg gesucht werden, diesen zu gründen.

Regionale Politiker gegen UAW

Die Wahl hatte landesweit Schlagzeilen gemacht. Der Süden der USA gilt als gewerkschaftsfeindlich. Gerade hier haben sich viele ausländische Autohersteller angesiedelt. Regionale Politiker hatten gegen die UAW mobil gemacht, weil sie das Ausbleiben neuer Investoren fürchteten; sie sehen die Gewerkschaft als Mitschuldigen am Niedergang der Industrie rund um die nördliche Autometropole Detroit. Ein UAW-Erfolg hätte nach Ansicht örtlicher Republikaner und konservativer Gruppen dem Wirtschaftswachstum in Tennessee geschadet. Der republikanische Senator Bob Corker hatte zur Empörung der UAW bei laufender Abstimmung gesagt, VW werde ein neues Modell in dem Werk bauen lassen, wenn die Beschäftigten gegen einen UAW-Betriebsrat stimmten. Obama warf den Republikanern daraufhin einen Angriff auf Arbeitnehmerrechte vor. Corker zeigte sich hocherfreut über das Abstimmungsergebnis. Wie Reuters erfuhr, könnte VW in der kommenden Woche mitteilen, ob das Werk in Chattanooga oder Mexiko den Zuschlag für ein neues Fahrzeugmodell erhält.

UAW plant Abstimmungen in weiteren Werken

Die UAW versuchte zuletzt 2001, Arbeiter in einem großen Werk eines ausländischen Herstellers zu vertreten. Die Beschäftigten am Nissan-Standort Smyrna in Tennessee entschieden sich damals ebenfalls dagegen. „Wenn die UAW noch nicht einmal eine Abstimmung gewinnen kann, wenn viele Umstände so stark zu ihren Gunsten ausfallen, müssen sie wohl das Angebot überdenken, das sie den Arbeitern verkaufen wollen“, erklärte Mark Mix von der Anti-Gewerkschafts-Organisation National Right to Work Foundation. Die UAW dürfte jedoch so leicht nicht aufgeben – sie plant bereits Abstimmungen in anderen Werken, etwa bei Daimler in Alabama.

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  • Ravenbird

    Die amerikanischen Arbeiter können wahrscheinlich SELBST lesen und schreiben und sparen sich daher die Abgaben für diese Pfründner.
    In der modernen Welt sind Gewerkschafter so unnötig wie ein Kropf – vor allem dann, wenn man die österreichische Spezies dieser besonderen Typ Mensch als Vergleich heranzieht:
    Braucht man sie, findet man sie nicht, braucht man sie nicht, stören sie bei der Arbeit, vor den Wahlen werfen sie mit Glasperlen um sich, Geld kosten sie in jedem Fall und wenns wirklich drauf an kommt, sichern sie zuerst die EIGENEN Pfründe. Für den lästigen Rest der Belegschaft haben sie mehr oder weniger schlaue Worte aus dem Büchl für den „Kleinen Gewerkschafter“.
    Sollte das in den USA nicht wesentlich anders sein, haben sie GUT entschieden.

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