VW Jetta Exterieur Dynamisch Front
Wenn aus einem Golf und einem Passat ein neues Auto wird...
 

Testbericht: VW Jetta 1,6 TDI DSG Trendline

Der US-Star Jetta gibt in Europa ein Zusatzkonzert und hofft dafür auf ein Revival der 1980er.

22.03.2011 Online Redaktion

Mitte der 1980er Jahre biegt der Jetta hierzulande in seinen ersten und letzten Boom ein. Stufenhecks sind gerade schwer in Mode. Der Jetta sowieso. Er erhebt sich preislich und prestige­mäßig leicht über den Golf – 51.388 Stück in rund acht Jahren. Ab 1991 wird er Vento heißen und schlecht verkaufen. Der 1998 folgende Bora wird noch schlechter verkaufen, und unter dem neuen, alten Namen Jetta wird VW diesen Absatzzahlen-Tiefpunkt ab 2005 noch einmal unterbieten – 3253 Stück in knapp sechs Jahren.

Das Problem daran ist, dass VW eigentlich nichts falsch gemacht hat. Gut, der Jetta wird in Mexiko produziert, was bei seiner letzten Generation hie und da zu kleineren Qualitätskritiken führte. Die waren aber so minimal und schnell behoben, dass es daran nicht gelegen haben konnte. Der Zeitgeist spielte einfach gegen ­Stufenheck-Autos in dieser Preisklasse. Oder kann sich noch jemand an die Opel Astra Limousine erinnern? Eben.

Paradox an der Sache: In den USA boomt der Jetta seit Jahren. Von der letzten Generation wurden jährlich 110.000 Stück abgesetzt. Der Neue soll in Übersee die Präsenz von Volkswagen noch einmal deutlich verstärken. Hierzulande ist man vorsichtiger. Die neue Generation würde man 2011 gerne noch tausend Mal an den Kunden bringen. Warum auch nicht? Der ­Jetta kann alles, was ein Golf kann, und bietet dabei deutlich mehr Kofferraum. Kein Wunder, soll er doch die Brücke zum Passat schlagen.

Rein technisch betrachtet, funktioniert das. Der Jetta fühlt sich auch mit dem hier getesteten 105-PS-Diesel erstaunlich sportlich an. Was nicht zuletzt am Siebengang-DSG liegt. Fehlt die Zug­kraftunterbrechung, fühlt es sich eben immer nach mehr ­Leistung an. Leistung, die wohlgemerkt in ein sattes Fahrgefühl übertragen wird, nicht in Hektik. Der Jetta
will nicht sportlich sein. Die manuelle Schaltgasse und der Sportmodus (erhöhte Drehzahl) sind nicht da, weil sie ­nötig sind, sondern weil es ein erhöhter Aufwand wäre, sie zu entfernen. Baukastenprinzip.

Dessen Macht spürt man dann vor allem innen. Alles, was es bei VW gibt, kann auch in den Jetta geordert werden, sofern man es sich leisten kann oder will.

Aber jetzt geht das Problem los. Die wichtigste Größen­angabe (Ellbogenbreite vorne) ist mit dem Golf ident – nämlich 1447 Millimeter. Nur geht im Jetta Raumgefühl verloren. Das liegt ganz einfach am Anspruch. Die Brücke, die er zum Passat schlagen soll, überschreitet er optisch und, wenn der Kunde das will, auch ausstattungstechnisch. Nur eben nicht gefühlt. Deswegen bleibt der Jetta ein etwas teurerer Golf. Der würde in gleicher Ausstattung (105 PS, DSG, Highline) rund 4400 Euro weniger kosten. Wenn man das Geld hat, kann man gleich zur BMW 3er Limousine greifen. Mit Schaltgetriebe. Aber um das DSG wäre es dann doch schade.

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