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Testbericht: VW Golf GTD

Handfeste Spaßerweiterung der Golf-Palette nach oben. Ein Evergreen mit einem Diesel-Statement, das wir so noch nicht gehört haben.

01.10.2009 Online Redaktion

Audi? Eh klar. Spielgeräte Junggebliebener oder früh Wohlhabend-Gewordener. Scirocco? Muss auch sein. Imagepolitur mit Sporttinktur für den VW-Konzern. Und der Golf? Den gibt’s als GTI, was brauch’ ich da den 2,0 TDI mit 170 PS, den Vorzeige-Diesel aus dem Konzernregal? Falsch gedacht.

Seit Jahren gehen die Verkaufszahlen des GTI nämlich in den Keller. Aus verschiedenen Gründen – weniger weil das Auto schlecht wäre, im Gegenteil, vielmehr weil der Zeitgeist es nicht gut mit ihm meint. Notwehr: der Golf als GTD. Den gab es 1982 schon einmal, damals allerdings ohne Direkteinspritzung und mit 100 PS weniger. Nun könnte VW ja den 2,0-Liter-Diesel, wie schon beim Audi A3 oder beim Scirocco, auch einfach so anbieten. Ohne GTD. Ohne GTI-Anleihen. Das würde aber nicht passen. Beim A3 und Scirocco erwartet man die Kompetenz von 170 PS. Beim Normalo-Golf eher nicht. Und schließlich gilt es ja die Verluste beim GTI zu minimieren und dessen Image aufzufangen.

Strenge Optikkur. Sportsitze mit aus dem GTI bekanntem Karo-Streifenmuster (mit hellgrauer statt roter Kontrastfarbe, man will ja nichts übertreiben), Sportlenkrad, um 15 Millimeter abgesenktes Fahrwerk, und wer den GTI kennt, der kennt auch den neuen Kühlergrill. Auch wenn die Querstreifen beim GTD in Chrom gefasst sind.

Anders als der GTI, der ist, was er ist, kommt der GTD gleich mit zwei Persönlichkeiten daher. Da wäre einerseits das Leben als Golf: Mittelklasse. Langstrecke. Reihenhaus. Hoferparkplatz. Das Ganze mit moderatem Verbrauch. Deutlich unter sieben Liter geht sich aus, alles drunter wäre entweder gänzlich spaßbereinigt oder gleich nur graue Prüfstand-Theorie. Ein Leben unterhalb der 2500 Touren, das einen Diesel-typischen, wenn auch dynamischen Charakter geprägt hat.

Dann gibt es da noch den zweiten Charakter. Den des GTD. Mittelklasse herbrennen, Reihenhaus nur, weil die neue Freundin (schon wieder eine neue) dort abgeholt werden will, Hoferparkplatz kannst dir einrexen, Shopping an der Tankstelle ist angesagt, Langstrecke ja, aber hurtig. Dieses Leben, diese Dosis GTI, pardon GTD, beginnt bei 3000 Touren.

Situationen, bei denen das Fahrwerk perfekt reagiert. Federn, Dämpfer und hinterer Stabilisator wurden neu abgestimmt, präzise und stoisch tut der VW, was man von ihm verlangt, ohne unruhig zu werden. Auch ein Verdienst der vorbildlichen Lenkung. Wegen der angesprochenen seelischen Zerrissenheit (Dieselherz mit GTI-Genen) fehlt es der Abstimmung allerdings an Konsequenz. Der Dieseltyp würde sagen: zu hart. Der GTI-Typ: zu weich. Gilt freilich nur für Extremsituationen wie besonders lange respektive kurvige Langstrecken. Optional (917,28 Euro inkl. NoVA und MWSt.) gibt es daher ein adaptives Fahrwerk, für das das Gleiche gilt wie für Geländetechnik in einem SUV: Nur wenn man auch weiß, wann und wofür.

Akustisch fehlt dem GTD die Reife. Verschämtes vor sich hin Flatulieren. Was die Optik verspricht, kann der Sound nicht halten – auch wenn ein Doppelendrohr versucht zu grollen (anders als beim GTI sind beide Endrohre auf der linken Seite, statt je eines links und rechts). Ein GTD ist halt doch kein GTI. Aber eben auch kein Golf. Und das muss beides nichts Schlechtes bedeuten.

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  • vokura

    mann kauft ihn sich, lässt schnörksel wie modellbezeichnung weg und erfreut sich an ihm.
    konkurrenz-denken überlasse ich anderen. so einfach ist das.

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