VW Golf Cabrio dyn links
Wir können uns endgültig...
 

Testbericht: VW Golf Cabriolet 1,6 TDI

Was kommt, wenn das biedere Bügelcabrio geht?

24.08.2011 Autorevue Magazin

„Das ist das neue Golf Cabrio“, sagen die Passanten zu ihren Begleitern. Deren Antwort fällt in der Regel genauso korrekt aus: „M-hm.“ Denn es gibt nichts weiter zu sagen. Hier steht ein völlig tadelloses, makelloses, perfekt gelungenes Auto der oberen Golfklasse, schlicht und dynamisch, flüssig proportioniert mit seiner geneigten Windschutzscheibe, dem profilierten Dachverlauf, der reduzierten Frontpartie und dem untadeligen Heck. Das Dach öffnet sich rasant in neun Sekunden (sogar beim Langsamfahren), senkt sich platt ins Heck, ohne den Kofferraum weiter zu schmälern; nichts bleibt ungeklärt, keine Sicken, keine Haken, keine öligen Stellen, ja nicht einmal der klassische Henkel, der dröge Überrollbügel ragt mehr auf als Mahnmal deutscher Hosenträgerbefindlichkeit. (Der ­Bügel ist selbstredend da, wird aber erst bei Bedarf aktiv.)

Alles da, alles stimmt – aber wo ist das Auto?

Irgendwie scheint sich das Golf Cabrio VI (der Fünfer wurde ja ausgelassen) selbst zu unterlaufen. In seiner angewandten Coolness konkurriert es auf überflüssige Weise mit dem Eos (größer, teurer, Blechdachschlucker), dem es, offen und von vorn betrachtet, nicht nur für Anfänger zum Verwechseln ähnlich sieht.

Außerdem hat man das Stoffdach so weit perfektioniert, die Karosserie so steif, den ­Innenraum so hochwertig gemacht, die kritischen Stellen so sauber gelöst, dass man plötzlich das gewisse Cabriofeeling vermisst, wie es schon geschlossenen Cabriolets ­eignet – kein Wummern, kein Verwinden, völlige Isolation und fast gespenstische Ruhe im Raum bis hinan zu Tempo 160. (Gerade die Haltegriffe fehlen.) Es wäre verfehlt und ein Zeichen von reinem Überdruss, solche Meriten als Mängel hinzustellen. Aber irgendwie bleibt auch das Leben draußen. Fast ist man froh über die garantiert nicht be­absichtigte Schultermassage, die man vom flatternden ­Gurtband erhält. Aber mittels Zentralknopf sind alle Fenster rasch hochgefahren und vermitteln zusammen mit dem an Patent-Fliegengitter gemahnenden Windstopper das ­Gefühl eines weit geöffneten Schiebedaches. Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung, jetzt kann nach Belieben geheizt oder herunterklimatisiert werden. Aber setz Dir was auf, Heinz-Peter, Du kriegst doch so leicht den Sonnenstich!

VW Golf Cabrio David

Wer den Kofferraumdeckel beim ersten Schlag zukriegt, erhält einen Preis.

Die Winkelkinematik raffinierter Einbauschränke spart Platz und schafft maximalen Öffnungswinkel. Dennoch muss man sich tief bücken, um die gesamte Tiefe der 250 Kubikdezimeter zu erspähen. Leichter tut man sich, wenn man mittels Schnellzugschalter die Sitz­lehnen umwirft und so den Zweitzugang von vorn nützt.

Wir fuhren die 105-PS-Version, also den 1,6-Liter-TDI mit Fünfganggetriebe und einer Gangempfehlung, die in der Regel das Hochschalt­zeichen aufleuchten lässt. Wer sich brav dran hält, kommt mit fünf Liter Diesel hundert Kilometer weit. Psychotrick: Die Tankanzeige schlägt (gegen den Uhrzeigersinn) fast einen Vollkreis, das gibt immer ein gutes Gefühl, selbst wenn die Reserve des 55-Liter-Tanks aufleuchtet (für weitere 70 km Reichweite).

Unterhalb von zweitausend Touren geht aber wirklich nur Cruisen; so mancher Überholversuch erstickte im Keim, weil der Motor nicht rechtzeitig auf Trab kam. Ab 2000 Touren: Keine weitere Kritik, da steht er gut im Saft, lässt sich tapfer hochdrehen für gute Anschlüsse. Wird nie laut oder gereizt.

Das ganze Lenk-Brems-Schalt-Panorama erfreut durch hohe Professionalität, guten Komfort, glaubwürdige Sicherheit. Unser Testwagen war mit Extra-Paketen um rund 2.000 Euro ausgerüstet, darunter das Fahrkomfortpaket (Windschott, Mittelarmlehne, Tempomat), das Technikpaket (Fernlicht-Assist, Regensensor, abblendender Innenspiegel) und das tolle Radio RCD 310, optimal beim Offenfahren. Plötzlich wummert wieder was. 

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