Der Golf 7 von vorne
Sicher keine Designrevolution, der Golf 7...
 

Testbericht: VW Golf 7 1,4 TSI ACT

Zum Test angetreten ist ein Fünftürer mit dem derzeit wohl modernsten Aggregat, welches die Kompaktklasse zu bieten hat.

08.12.2013 radical mag

Wenn VW eine neue Golf-Generation auf die Weltbühne schiebt, ist das Brimborium darum meist riesig. Verständlich, denn die Wolfsburger haben mit dem Kompakten ja eine eigene Fahrzeugkategorie auf die vier Räder gestellt. Sogar die Konkurrenz aus Asien spricht von der Golf-Klasse. Nun ist die Reihe an der siebten Generation des Bestellers. Zwar sind wir den neuen Golf schon vor einigen Monaten gefahren, doch nun stand der Wagen mit seinen vier Rädern (in der Basisversion sind es übrigens Stahlfelgen…) auf Schweizer Straßen.

Testobjekt: Golf 7 1,4 TSI ACT

Zum Test angetreten ist ein Fünftürer (natürlich kosten die hinteren beiden Türen immer noch 820 Euro zusätzlich) mit dem derzeit wohl modernsten Aggregat, welches die Kompaktklasse zu bieten hat. Benzindirekteinspritzung, Turbolader und Zylinderabschaltung sollen dem Vierzylinder mit 1,4 Litern Hubraum zu einem sehr, sehr geringen Verbrauch verhelfen. Hinzu kommt noch das – gegenüber dem Vorgängermodell – deutlich reduzierte Gewicht. «Unser» Golf, mit Doppelkupplungsgtriebe wiegt gemäß Werk nur gerade 1288 Kilogramm. Ein guter Wert für ein sehr gut ausgestattetes Auto mit zahllosen Komfort- und Sicherheitsfeatures.

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Extralob für das Triebwerk

Das neue Triebwerk können wir nur loben. Zwar verfehlten wir den EU-Durchschnittsverbrauch von 4,7 Litern pro 100 Kilometer klar. Aber: die gemessenen 5,6 Liter können sich angesichts der wirklich guten Fahrleistungen (0-100 km/h in 8,4 Sekunden) wirklich sehen lassen. Zudem waren die relativ tiefen Temperaturen und die montierten Winterreifen einem tiefen Verbrauch nicht gerade zuträglich.

Neuer Motor

Der neue Motor harmoniert perfekt mit dem 7-Gang-DSG-Getriebe, dank des trockenen Antritts kann man auch bei dichtem Verkehr locker einfädeln, und die 140 PS reichen in Kombination mit den 250 Nm Drehmoment (von 1500 bis 3500 Umdrehungen) bei weitem aus, um im helvetischen Verkehrsfluss mitzuhalten. Nur, die Soundkulisse hätten wir uns dann doch etwas farbiger gewünscht. Der 1400er brummt zwar gut gedämpft, aber sehr monoton vor sich her. Klangmalereien sind nicht das Ding des Triebwerks mit ACT (Active Cylinder Technology), also Zylinderabschaltung.

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Active Cylinder Technology

Je nach Leistungsbedarf schalten sich automatisch zwei Zylinder ab, um möglichst viel Benzin einzusparen. Dies geschieht für den Fahrer nahezu unmerklich, nur eine kleine Anzeige im Zentraldisplay weisst darauf hin, dass nur zwei Zylinder an der Arbeit sind. Wie dieses System technisch funktioniert, zeigt unser Video.

Kein Sportwagen

Der Golf war, außer vielleicht in der GTI und R32/36-Version, nie ein Sportwagen. Das ist auch der Neue nicht. Aber er fährt sich trotzdem dynamischer als die Vorgängermodelle. Insbesondere abrupte Richtungswechsel setzt er deutlich feinnerviger um als die Fahrzeuge der Generation V oder VI. Dabei bleibt der Komfort zwar nicht auf der Strecke, doch erhöhte Fahrdynamik erfordert eben auch eine etwas straffere Federung/Dämpfung.

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Jammern auf hohem Niveau

Nicht, dass der Golf dadurch unkomfortabel wäre, aber insbesondere an der Hinterachse ist der Unterschied zu den älteren Modellen deutlich spürbar. Aber jetzt jammern wir schon wieder auf sehr hohem Niveau. Wieso? Weil es nicht einfach ist, dem Golf 7 negative Eigenschaften anzukreiden.

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Neue Technik

Fahrwerk, Motor und Verarbeitung passen also, fast ist man geneigt zu sagen – wie immer. Doch obwohl der neue Golf optisch nicht besonders progressiv daherkommt, steckt viel neue Technik in ihm. Zumindest wenn man gewillt ist, dafür zusätzlich ein paar Scheine auf den Thresen des VW-Händlers zu legen. Zwar sind wirklich wichtige Sachen wie ESP, sieben Airbags usw. im Grundpreis enthalten. Aber selbst kleinste Extras wie Fußmatten kosten bereits zusätzlich. Was Wunder, dass unser Testwagen (1,4 TSI ACT mit DSG), der eigentlich 28.820 Euro kosten würde, auf einmal mit fast 8.000 Euro mehr angeschrieben ist. Ohne Lederausstattung notabene. Dafür konnten wir unter anderen das neue Multimedia- und Navigationssystem ausprobieren. Dieses, mit einem fast 15 cm großen Touchscreen ausgerüstete System, folgt in der Bedienung den gerade superaktuellen Smartphones, wie dem iPhone von Apple.

_Golf-7-lenkrad-detailWischen, tippen, zoomen

Alles funktioniert wie bei einem dieser portablen Wundergeräte. Einziger Unterschied: weil der Bildschirm so groß ist, sind auch die einzelnen Felder sehr groß. Das erleichtert die Bedienung ungemein und lenkt den Fahrer so nur wenig vom Verkehr ab. Und: der Rechner ist richtig schnell, das Navi reagiert blitzschnell auf falsche Fahrmanöver. Natürlich verfügt das über 2.000 Euro teure System auch über alle derzeit nötigen Anschlüsse. Insbesondere das iPhone lässt sich nicht nur blitzschnell via Bluetooth koppeln, dank des Anschlusskabels in der Mittelkonsole kann man das Gerät auch ganz konventionell ans System «anbinden». Und dabei gleichzeitig den Akku laden, was bei Apple-Geräten durchaus wichtig sein kann.

_Golf-7-silber-seitenspiegelDer Fahrerlebnisschalter

Und da war dann noch so ein Schalter, der Fahrerlebnisschalter, oder wie man das Ding auch immer nennen will. Dort kann man dann einstellen, ob man den Golf sportlich, ökologisch, komfortabel oder normal bewegen will. Nun, wir finden, das braucht kein Mensch! Allein die Definition stellen wir in Frage. Was ist normal? Und wieso ist ökologisch nicht normal?

Wolfsburger Verlockungen

Solche Gimmicks hat der neue Wolfsburger schlicht und einfach – nicht nötig! Den eines ist klar: mit dem Golf der siebten Generation macht man – wie schon immer – nichts falsch. Auch wenn man für einen komplett auf dotierten Wagen ziemlich tief in die Tasche greifen muss. Zwar lockt VW mit einem Kampfpreis von 18.670 Euro (1,2 TSI mit 85 PS). Mindestens vierzig große Scheine werden es in der Realität sein. Natürlich auch für die beiden Modelle mit Allradantrieb, der sich vorerst nur mit den beiden Dieselmotoren kombinieren lässt.

Er ist sein Geld wert

In Summe ist der neue Golf aber – auch wegen des zu erwartenden, hohen Wiederverkaufswertes – sein Geld wert. Und: was für die einen problematisch sein könnte, wissen andere vielleicht zu schätzen – kaum jemand in der Nachbarschaft wird merken, dass man sich einen neuen Golf zugelegt hat…

Vielen Dank an die Kollegen von radical-mag.com.

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  • Oliver Njari

    ganz ehrlich: wer gibt für einen Golf denn freiwillig €36.000 aus, nur um sich dann beim Tanken über den Verbrauch zu freuen?

  • Marko Weiß

    36.000€ für einen kompakten 140PS Benziner ohne Allrad… na gratuliere… um das Geld gibts schon verdammt viele schöne Vorführer die 1-2 Stufen höher sind… oder 3 Sandero Stepway

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