VW Golf 2,0 TDI 140 PS DSG Highline Testbericht

Über das Wohlfühlen in der geschützten Zone des allgemein anerkannten Gutseins, und die Gefahr, sich dort selbst zu verwechseln.

01.07.2009 Autorevue Magazin

Resümee nach einem halben Jahr im Golf VI: Wir sind zwar Abenteurer durch und durch, kennen keine Furcht vor der eigenen Courage und tun möglichst viel von den Dingen, bei denen andere sich schützend die Hände vors Gesicht schlagen, aber am Ende des Tages kommen wir immer wieder gerne heim in die mollig warme Stube, stecken die Füße in die Filzpantoffeln und schauen uns im Fernsehen den Tatort an (ich zumindest).

Sich in den Golf zu setzen war im letzten halben Jahr jedes Mal so ein Heimkommen, ein Abtauchen in die Normalität. Als Golffahrer erfährst du augenblicklich, wie erleichternd Anonymität sein kann, wenn du nicht als Einzelfigur auf der Bühne stehst, sondern als Mitglied einer Gruppe. Du kannst dich existenzpsychologisch ins geschützte Innere des Pinguinrudels zurückziehen und jenen, die sich hervortun wollen, den Platz in der ersten Reihe überlassen. Sich in der bunten Gemeinschaft ein bisschen auszuruhen funktioniert in einem Golf wunderbar, bis man eines Tages auf einem Parkplatz steht, wo man versucht, sein Auto aufzusperren, das leider das falsche ist, weil man in der Nistkolonie unter den vielen gleichen sein eigenes Ei nicht wiedererkannt hat (es hilft, das Kennzeichen mit dem im Zulassungsschein zu vergleichen, bevor man bei der MA48 oder der Polizei anruft).

Über dieses Erlebnis hinaus hat sich unser Golf als überaus berechenbares Auto erwiesen, das sich empfehlen lässt für eine Lebensplanung, die weniger die Erregung als wichtigste Alltagskomponente im Fokus hat als vielmehr Verlässlichkeit, soziale Kompetenz, Geduld vielleicht auch, etwa wenn es um einen ladetechnischen Belastungstest geht, und ein wohlgefälliges, allgemein akzeptiertes Erscheinungsbild.

Der Sechser-Golf überrascht wenig mit einzelnen Neuerungen. Es ist die Reife insgesamt, die beeindruckt. Alleine der Motor. Der Common-Rail-Diesel mit zwei Liter Hubraum und 140 PS ist nicht rauer als ein im Freien getrocknetes Frotteehandtuch. Man schätzt das kraftvolle Drehmoment (320 Nm), das am Morgen die Durchblutung fördert und einem zu jeder Stunde des Tages das Gefühl von Ausgeschlafenheit und Frische vermittelt. Der Verbrauch von 6,1 Liter auf 100 Kilometer, auf den wir es in den letzten sechs Monaten durchschnittlich gebracht haben, fällt zutiefst vernünftig aus, wenn man bedenkt, dass da zwischen eiligen Fernreisen (ein fix gebuchter Fährplatz in 1200 km Entfernung kann ganz schön Druck erzeugen), ungeduldig absolvierten Stadt-Kurzstrecken und frühlingstollen Ausflügen ins Berggeläuf nichts gefehlt hat.

Das 6-Gang-DSG nivelliert unterschiedliche Schaltgewohnheiten der Testcrew und ist generell ein Segen, weil es dir beide Hände fürs Lenken (ah, Leder!) freispielt und für diverse Zureichdienste an den Nachwuchs in der zweiten Reihe. Überhaupt braucht man seine Gedanken von der Gangwahl frei, und es bleibt einem so auch die wichtigtuerische Schaltanzeige, die uns mittlerweile so gerne vor Augen gehalten wird, erspart (die Technik ist ohnehin längst klüger als man selbst).

Man kann sich im Golf an anderer Stelle klug und technisch-geschmeidig betätigen: Navigation, Musik und diverse BC-Einstellungen werden in unserem Dauertester nämlich per Touchscreen bedient, und das ist so ziemlich die intuitivste, schnellste und zielführendste Art der Elektronikbedienung überhaupt. Das Auge ortet die gewünschte Funktion, der Finger folgt, fertig. Und wenn man hie und da mit dem Brillenputztuch über das Display wischt, graust es anderen Automitbenützern auch nicht vor Fingertapsern auf dem Bildschirm.

Das Aufräumen vor dem Fahrertausch gestaltet sich auch deshalb einfacher, weil unser Golf wohl einen CD-Wechsler (zugriffsfreundlich unter der Armlehne in der Mittelkonsole gelegen), aber auch eine AUX-Buchse für den mobilen MP3-Player besitzt, der dort dankenswerterweise nicht stromversorgt wird, was zwar zu einem plötzlichen Aus führen kann, aber im Dauerbetrieb den Akku nicht ruiniert.

Was wir auf dem Weg auch bemerkt haben: Das neue adaptive Fahrwerk haben wir als gut erkannt, allerdings dient es in einem 140-PS-TDI eher der Feststellung, dass die Comfort-   gegenüber der deutlich strafferen Sport-Einstellung die angenehmere ist (ambitionierte Bergprüfungen kommen selten vor). Toll funktioniert auch die geführte Einparkhilfe, außer zu Spielzwecken haben wir bisher aber lieber selbst in die Lücke eingezirkelt.

Unverändert gut funktioniert beim King of Kompaktklasse alles, was hinter der ersten Sitzreihe kommt. Als Fünftürer sind die Rücksitze praktisch auf jeder zweiten Fahrt belegt (viel Platz, Stauablagen) oder machen sich als Kofferraumerweiterung beliebt, wobei sich die konturierten Sitzflächen fein den Fondpassagier-Gesäßen anpassen, sich aber gegen völliges Flachmachen der Ladefläche stemmen. Mit anerkennendem Nicken haben wir festgestellt, wie leicht sich der Strapazfilz des Kofferraums Heublumenreste, Erdbrösel und Holzstaub aus dem Pelz saugen lässt. Eine Tugend, die am öffentlichen Staubsaugerplatz ganz im Ernst schon abgefragt wurde.

pixel