Golf-GTI_1
 

Vorstellung: VW Golf

In seiner sechsten Auflage führt uns Volkswagens notorischer Faustkeil vor, was wir für wilde Ritter sind.

01.05.2009 Autorevue Magazin

GTI steckt in jedem von uns, aber leider sind wir halt alle ein bisschen bequemer, schwerer und bausparverträglicher geworden. Die freche Anarchie-Rotznase, wie dem Ur-GTI gern gehuldigt wird, durchlief bis zur heute sechsten Generation einige Metamorphosen. Der einst stempelhaftprägende Faustkeil wurde uns von den Marketingabteilungen entwunden. Aus dem Schrapnell für jedermann kneteten sie ein umsichtig optimiertes Gummischwert, sauber positioniert am Skalenende „Sportlichkeit bei Volkswagen“. Gegen diese Entwicklung ist nichts einzuwenden, solange wir bereit sind, den GTI als eine Art Bohrprobe zu betrachten, an der sich Zeitgeschichte ablesen lässt.

*

Heute steht uns ein besonders dreidimensionaler Raumkörper gegenüber, der seine rote Grill-Einfassung, den Heckspoiler, die Doppel-Endrohre (zwischen „Diffusor“-Ableitungen), die Siebzehn-Zoll-Kampfwagen-Felgen, die roten Bremssättel, das abgeflachte Sportlenkrad oder das traditionell karierte Sportsitzmuster „Jackie“ als Insignien einer verlorenen Zunft trägt. Mehr Zitat als Notwendigkeit.

Doch Schluss jetzt mit Gejeier – Vernunft spricht ohne Widerrede, und wer demonstrationshalber gesehen hat, welche Wäschekammer sich um die Passagiere wickelt im Falle sämtlich explodierter Airbags, der würde GTI für ein ehrgeiziges Experimental-Sicherheitsprojekt halten. Ist aber volle Gegenwart, mit allen Vorteilen, da will man doch nicht wirklich zurück. 2-Zonen-Climatronic, Isofix-Verankerung und Kurvenlicht – wer würde das ablehnen?
Und schließlich verstummt alle Nostalgie angesichts der appetitlich aufbereiteten Euro5-genehmen 210 PS, momentenmächtig ab Standgas, verbrauchsreduziert und akustisch stillgelegt bis auf gedeckte Klangfarben im Kompressor-Bereich plus Aufheller ab 3500 Touren, wenn der Abgas-Turbo seinen Firnis drüberlegt. Wer sich das DSG-Getriebe mit Lenkradpaddles gegönnt hat, wird sich an den akustisch abrufbaren Overboost-Blows erfreuen.

Wie sehr sich die Emotionalisierung des Autofahrens in einem künstlich angelegten Jurassic-Park bewegt, zeigt die quersperrende Fahrwerksregelung XDS, die (u. a. mittels Bremseneingriff aufs kurveninnere Vorderrad) zusammen mit dem ESP einen sicheren Korridor des physikalischen Andeutens von Über- und Untersteuern vermittelt, worin wir uns als exzellente Autofahrer fühlen dürfen. Freilich ist alles so ausgelegt, dass wir ihn nicht verlassen können. Ob das gut ist? Klar, so weit es den Entgegenkommenden betrifft.

Gegen 943 Euro Aufpreis kann man noch die adaptive Fahrwerksregelung dazubestellen – oder doch lieber den Park-Assist inklusive Rückfahrkamera um 880 Euro?

Der neu eingestellte, turbogeladene 2,0-Liter-TSI-Motor (Turbocharged Stratified Injection) ist ein Benzin-Direkteinspritzer mit hoher Verdichtung und starkem Momenten-Aufbau ab 1800 Touren. Ein höchst aufwändiges Triebwerk, präzis kontrolliert in jeder Einzelphase, absolutes Topniveau moderner Motorentechnik.

Weiters gelungen: Kompetitives Sitzen, gefühlvolles Steuern, gelenkiges Schalten – wenn man sich auf die klassische 6-Gang-Variante beschieden hat, womit man sich in Österreich erwartungsgemäß in einer 40-Prozent-Minderheit gegenüber DSGlern befindet. Dass der GTI-Fahrer in der Praxis ein wirklicher Praktiker ist, zeigt sich auch an der Türenwahl: Das Verhältnis Viertürer zu Zweitürer wird auf 80 zu 20 eingeschätzt.

Der GTI steht schon bei den Händlern, Einstiegspreise liegen unter 30.000 Euro.

Mehr zum Thema
pixel