Der VW E-up! außen
Im Winter (und wohl auch im Sommer) sieht die Sache anders aus.
 

VW E-Up! – Friede, Freude, Eierkuchen?

Für diese Fahrzeuggröße ist das Fahrwerk sehr komfortabel abgestimmt, der Volkswagen verwöhnt seine Passagiere aber auch mit guten Sitzen

13.01.2014 radical mag

Mit dem elektrisch angetriebenen VW e-Up! wollen die Wolfsburger im Bereich Elektroautos Fuß fassen. Das dürfte kein Problem sein, der der kleine Viersitzer hat alles was es braucht, um im Stadtverkehr zu bestehen. Außer vielleicht: Charme. Fangen wir bei den positiven Seiten des nur gerade 354 cm langen Wagens an. Mit seinen 60 kW (82 PS) ist der Up! gut motorisiert (Topspeed 130 km/h). Man kann den Kleinen durchaus forsch bewegen, auch wenn die kleinen Rädchen bei Feuchtigkeit sofort die Haftung verlieren. Kein Wunder, schließlich wirken 210 Nm auf die beiden Vorderräder ein. Nicht nur deshalb stellt sich ein agiles Fahrgefühl ein.

Das Lenkrad des VW E-up!Das Gewicht

Denn der kleine Volkswagen ist «nur» 1200 kg schwer. Das ist für ein so kleines Auto zwar viel, im Vergleich mit der Konkurrenz aber wenig. Denn der wohl größte Gegner des Up!, der Zoe von Renault ist zwar etwas grösser, aber mit 1,5 Tonnen auch deutlich schwerer – und das bei vergleichbarer Reichweite. Wir werden ab und zu von diesem Renault sprechen, denn er hat uns im Test überzeugt. Am Franzosen muss sich der VW messen lassen.

Das Display des VW E-up!Komfortables Fahrwerk

Zurück zum Up!. Für diese Fahrzeuggröße ist das Fahrwerk sehr komfortabel abgestimmt, der Volkswagen verwöhnt seine Passagiere aber auch mit guten Sitzen (zwar nahezu ohne Seitenhalt, aber angenehm gepolstert) und einem richtig guten Raumgefühl. Hinzu kommt, dass die Bedienung kinderleicht ist. Keine komplizierten Menüfunktionen, der kleine Navi- und Bordcomputermonitor wirkt zwar aufgesetzt, aber man findet sich auch hier sofort zurecht. Und, wie bei Elektroautos, gibt es natürlich auch kein Getriebe. Eine Fahrtrichtung wählen (der Schalthebel sieht aus wie der einer konventionellen Automatik) und los geht’s. Doch, VW hat noch ein paar Extras reingepackt. So kann man die Rekuperationsstufe vorwählen. Will heißen, wie stark das Auto Energie zurückgewinnt, wenn man vom «Gas» geht.

Der VW E-up! außenDer 3-Stufen-Widerstand

Im normalen Modus, der sich automatisch nach jedem Starten wieder einstellt, rekuperiert der Up! überhaupt nicht sondern rollt auf seinen rollwiderstandsoptimierten Reifchen vor sich hin. Durch Antippen des Schalthebels kann man dass in drei Stufen den Widerstand einstellen. Wir fanden die Stufe zwei als sehr angenehm im Stadtverkehr, der Wagen verzögert relativ stark ohne dass man die Bremse nutzen muss. Diese Einstellung ist perfekt um sich durch kreisverkehrsverseuchte Vorortsgemeinden zu schlängeln.

Das Display des VW E-up!Die Reichweite zählt

Schade wie gesagt, dass sich die vorgewählte Stufe nicht behalten wird, wenn man den Wagen neu startet. Und sonst? Ja, sonst geht bei einem Elektroauto vor allem um eines: um die Reichweite. Und die ist, zumindest im Winter, knapp. Denn VW spricht von einem Durchschnittsverbrauch von 11.7 kW/h pro 100 Kilometer (Batteriekapazität 18,7 kW/h). Was einer Reichweite von 160 Kilometer entsprechen würde. Würde…

Der VW E-up! außenEnttäuschende Reichweite bei Testfahrt

Im Winter (und wohl auch im Sommer) sieht die Sache anders aus. Wir kamen im Schnitt 90 Kilometer weit, und dies obwohl wir den VW immer an der Steckdose vorgeheizt hatten. Klar, wir sind nicht nur geschlichen, aber Akkus und Kälte, das sind zwei Sachen die sich nicht mögen. Wir gehen davon aus, dass sich die Reichweite bei sommerlichen Temperaturen auf etwa 125 km verlängert. Ein City- und Aggloauto also, genau wie der Renault Zoe.

Das Aufladen

Das Laden ist eh ein interessantes Thema. Mittels einer App kann man sich von einer App aus direkt ins Fahrzeug einloggen. Die Startzeiten fürs Laden definieren, den Ladezustand kontrollieren, die Heizung aktivieren, die Fahrdaten abrufen und vieles mehr. Allein an dieser App sieht man, wie viel Macht hinter dem VW-Konzern steckt. Wir gehen davon aus, dass die Entwicklung des Systems in etwa so viel gekostet hat wie das komplette Facelift eines konventionellen Automobils.

Das Display des VW E-up!Die Kosten

Und wenn wir gerade bei den Kosten sind: der elektrische Up! kostet 32.700 Franken (die Preise für Österreich werden am 15. Jänner bekanntgegeben), unser Testwagen stand mit 33.660 Franken auf der Liste. Zum Vergleich: der üppig ausgestattete Renault kostet genau 25.000 Franken (Ö: 20.780 €), allerdings muss man dort noch die Batteriemiete einrechnen, die mit den Jahren ziemlich ins Geld gehen kann. Bei VW kauft man die Batterie, hat aber dann auch den Ärger wenn’s das Ding nicht mehr tut…

Französische Tendenz

Welchen Stromer würden wir kaufen? Schwierige Frage, alltagstauglich sind die beide. Der Renault ist eindeutig hübscher, knuspriger. Aber auch der VW hat seinen Reiz, ist bei der Ergonomie ein Hit und scheint robust verarbeitet zu sein. Trotzdem tendieren wir in Richtung Frankreich, allein schon des Preises wegen.

Vielen Dank an die Kollegen von www.radical-mag.com

Mehr zum Thema
  • ZOEdriver

    ZOE ist besser! Typ2 (22kW) laden ist ein Vorteil! Komme gerade aus dem Urlaub zurück, wäre mit dem e-up so nicht möglich gewesen…
    Elektrisierende Grüße
    Holger

  • Heinz Renner

    8 Jahre sind bei den Akku’s heute ja scheinbar so die Grenze für einen voll geeigneten Betrieb. Zumindest wird ja für diese Zeit bei Firmen Garantie auf die Akkus gegeben. Wenn man also die bei Renault übliche Miete pro Monat rechnet und 8 Jahre annimmt kommt man für den doch grösseren Renault Zoe immer noch nicht teurer als mit dem VW up. Und wie richtig berichtet: Wenn die Batterie nicht mehr ok sein sollte, nimmt man gratis eben eine neue… Somit: Der Renault ist sicher die gescheitere Lösung denke ich.

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