VW Beetle Exterieur Dynamisch Front
Ein Beetle ist kein Käfer, auch wenn dieser Beetle käfiger daherkommt als der letzte.
 

Vorstellung: VW Beetle

Der Beetle soll das Auto im VW-Konzern sein, das ein Lächeln vor sich herträgt.

20.08.2011 Online Redaktion

Erzählungen von Selbstgeißelungen waren es. Pointierte Historiendramen vom Leiden auf Reisen in einem Käfer. Durch den Nebel der vielen Jahre romantisierte Geschichten von schmerzenden Rücken und ineffizienten Heizungen. Eigentlich wollten die älteren Kollegen damit beweisen, wie kultig der Käfer ist und dass sie dabei waren, als er zum Kult wurde. Untermauert haben sie vor allem die Theorie, dass ­früher eben doch nicht alles besser war. Die Faszina­tion des Käfers speist sich also nicht aus dem, was die Summe der Teile hergibt. Das ist auch der Grund, warum Designer und Marketingexperten dieses Auto bisher nicht wiederbeleben konnten. Denn der Geist des Käfers und die daraus ­resultierenden Verkaufszahlen (21,5 Millionen) kommen nicht von Design oder Leistung, sondern von der Morphing-Wirkung. Die machte in immo­bilen und finanzschwachen Zeiten aus Kunden mobile Menschen, Weltbürger und Wirtschaftswunderkinder. Das alles ist heutzutage aber schon jeder. Oder anders: Mit dem Käfer kam die Mobilität wie mit der Glühbirne das Licht. Ein New Beetle kann also nicht mehr Hype erwarten als eine New Glühbirne.

Der erste Versuch von 1999 ist das beste Beispiel. Zugegeben, er wurde eine Million Mal verkauft und konnte aus kaufmännischer Sicht in den USA punkten. Aber hat er in Übersee oder hier ein Image, das Generationen und Gesellschaftsschichten verbindet? Klares Nein. Volkswagen versucht es jetzt noch einmal. Ein new New Beetle also. Vorweg sei gesagt: Sie gehen es entspannter an – abgekoppelt vom Overacting einer Blumenvase und zumindest designtechnisch stärker dem Urahn zugewandt.

VW Beetle Exterieur Dynamisch Front

Die Frontscheibe ist steiler. Von der A-Säule weg gibt es erst eine gerade Dachlinie, ­bevor diese in einem runden Heck endet. Und die Motorhaube ist als solche erkennbar. Alles wie beim Käfer. Alles ­anders als beim ersten New Beetle. Das mit der Motor­haube ging sich aus, weil der neue Beetle 15 Zentimeter ­länger ist als sein Vorgänger. Jetzt hat auch der Letzte ­gemerkt, dass Vergleiche mit dem Urahn nur noch philo­sophischen Wert haben, weil er nämlich auch in die Breite wuchs (plus acht Zentimeter) und damit in Dimensionen vorstößt, die vor 50 Jahren der Oberklasse gehörten.

Um die neue Identität des Beetle zu verstehen, braucht es noch einen Wert: 2,5 Meter. Das ist der Radstand. Satt. Wuchtig. Weil der Beetle damit aber gefährlich nahe an den Scirocco rückt, hat man es mit der Sportlichkeit nicht übertrieben. Als technische Basis dient der Golf VI, der viel ist, aber kein gnadenloser Racer. Das Fahrwerk müsste deutlich straffer sein, um das Auto zu einem Scirocco-Konkurrenten zu machen. Einzig die beiden Topmotorisierungen des Beetle kommen mit dem elektronischen Sperrdifferenzial XDS, das beim kurven­inneren Rad per Bremseingriff für Entlastung sorgt.

Außerdem, und das ist der Schmäh, der den Bogen zum Urahn schlägt, positioniert man den Beetle deutlich bodenständiger als den Scirocco. Mit der Basismotorisierung (1,2 TSI mit 105 PS) kommt er um 18.490 Euro in die Garage. CD-Radio und Klimaanlage schon inkludiert. Das sind 2.000 Euro weniger als der dreitürige Golf. Wer einen ­Scirocco will, muss mindestens 6.000 Euro mehr investieren (bekommt dann aber 122 PS).

VW Beetle Exterieur Statisch Seite

Und da ist ja auch noch das Image. Der Scirocco versteht keinen Spaß, der versteht nur den Tritt aufs Gaspedal. Der Beetle soll dagegen „das Modell im Volkswagen-Konzern sein, das ein Lächeln trägt“. Darunter versteht man die runden Scheinwerfer und den Verzicht auf die typische VW-Front. Das Logo trägt er nämlich auf der immer noch sehr knuddeligen Motorhaube, die so weit runter geht, dass der Kühlergrill nicht von Scheinwerfer zu Scheinwerfer reichen kann (wie bei allen anderen VW-Modellen), sondern unterhalb positioniert werden muss. Wehe VW pulverisiert dieses Alleinstellungsmerkmal mit dem ersten Facelift!

Innen geht das Lächeln weiter. Die eher peinlich bemüht wirkende Vase hat man abgeschafft, dafür gibt es ein zweites Handschuhfach, das dem im Ur-Käfer nachempfunden ist. Auch wenn es nach oben statt nach unten öffnet. Der Tacho ist, wie auch beim Mini, üppig dimensioniert. Die ­Armaturen stehen sehr steil im Auto, was ebenfalls etwas ­Retro-Charme versprüht.

Dankenswerterweise hat man auf die ausladende Schalttafel verzichtet, die zwischen Windschutzscheibe und Lenkrad beim ersten New Beetle unendliche Weiten eröffnete. Man sitzt wieder näher am Glas. Was das Auto nur wenig übersichtlicher macht. Das vordere und hintere Ende des Beetle abzuschätzen muss man sich antrainieren. Oder man gönnt sich für 432 Euro einen Parkpiloten als Coach. Im fließenden Verkehr stören die Rundungen freilich nur extreme Auffahrer – die Rundumsicht für den Schulterblick ist o.k.

Womit wir bei den Anforderungen der Realität wären. Praktisch, wie ein Auto sein sollte, das sich preislich unterhalb des Golfs einordnet, haben hinten zwei Leute bequem Platz, was Käfer- und New-Beetle-Kunden als Stilbruch verstehen könnten. Vorne gibt es reichlich (rutschfeste) Ab­lagefächer, und der Kofferraum schluckt immerhin bis zu 905 Liter. Was in der Praxis heißt: Gepäck für eine längere Reise zu zweit. Das definiert dann auch die Zielgruppe. Und wenn dann doch ein
Kind kommt, muss der Bulli eben neu aufgelegt werden (Gerücht: 2013).

Werbespot 1968:



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