vw amarok canyon 2014 front seitlich
Schmuckes Stück.
 

Vorstellung: VW Amarok Canyon

Allein der Lichterbalken über der Kabine macht einen ganz schlanken Fuss vor der Dorf-Disco.

07.02.2014 radical mag

Wenn ein Pick Up ein Nischenprodukt ist, sind wir das Nischenprodukt des Nischenprodukts gefahren. Natürlich ist der Amarok nicht der erste Versuch von VW, bei den Pick Ups, also Fahrzeugen mit offener Ladebrücke hinter der Fahrgastkabine, Fuß zu fassen. Man erinnere sich nur an den Caddy der ersten Generation, den es auch als Pick Up gab. Wohl lieber den Mantel des Schweigens hüllt man in Wolfsburg über den VW Taro, den geländegängigen Pick Up von 1989 bis 1997 in Hannover vom Band lief. Denn der Taro war nichts anderes als der Lizenzbau des Toyota Hilux – nur bei weitem nicht so langlebig wie der Japaner. Als VW den Amarok lancierte, wurden die Dinger ausschließlich in Argentinien gefertigt. In solchen Entwicklungs- und Schwellenländern  (Thailand ist ist das Land mit dem höchsten Pick-Up-Anteil und verfügt über einige Werke namhafter Hersteller) erfreuen sich die robusten Arbeitstiere ja größter Beliebtheit. Niemand dachte damals (2010) daran, dass der Wagen ein solcher Erfolg auch in Europa würde. Seit 2012 wird der Amarok für Europa nun zusätzlich im Werk Hannover (VW Nutzfahrzeuge, die haben das Teil auch entwickelt) zusammengeschraubt. Und, er macht vor allem für die gewerbliche Nutzung auch Sinn. Die zahllosen Konfigurationsmöglichkeiten, spezifische Aufbauten und die Robustheit sind der Schlüssel des Verkaufserfolgs.

vw amarok canyon 2014VW setzt auch auf die Lifestyle-Karte.

Unser Testwagen, das Sondermodell «Canyon» ist so ziemliche das nutzloseste Automobil, dass man sich kaufen kann. Harte Worte, ich weiss, aber wir sorgen für Klärung.

Der Amarok Canyon kann nämlich nichts wirklich. Er ist innen sehr schön mit Leder ausgeschlagen, farbige Kontrastnähte erfreuen das Auge, aber mit Arbeitskleidern sollte man wohl eher nicht einsteigen. Ein Arbeitsgerät ist er also nicht. Vom Fahrverhalten aber schon, denn der Amarok ist ein typischer Pick Up, der dann am besten federt, wenn er voll beladen ist. Unbeladen scheint er dem koreanischen Rapper Psy nacheifern zu wollen, jedenfalls bewegt er sich über Unebenheiten im Gangnam-Style. Das können echte Geländewagen, auch die aus dem VW-Konzern, besser. Klar läuft er mit dem Zweiliter-Turbodiesel (180 PS, 420 Nm) prima. Zumal wenn man den Motor an das Achtgang-Automatikgetriebe koppelt (allerdings muss man dann auf die Untersetzung verzichten). Aber wozu das alles? Klar ist er sehr geländegängig, aber mehr als ein paar Pfützen wird der gepimte Amarok sein Leben lang nicht abbekommen. Das Fahrzeugkonzept wird ad absurdum geführt. Punkt. Aber, weil VW bekanntlich keine Lücke auslässt, gibt es halt auch den Canyon.

vw amarok canyon 2014 fahrend vorne frontDer Cowboy-Hauch wird so manchem schmecken

Und, er wird sich verkaufen, denn der Hauch von Outlaw wird so manchem Cowboy aus der grossen Stadt schmecken. Allein der Lichterbalken über der Kabine macht einen ganz schlanken Fuss vor der Dorf-Disco.

Und man kann ja auch locker Cruisen mit dem Teil. Tempomat reinhauen und einen lockeren Schwatz mit der (gar weit entfernten) Beifahrerin abhalten.

vw amarok canyon 2014 hinten heckEin ehrliches Auto

Und auf der Ladefläche hats ja auch Platz für das defekte Mofa der Angebeteten. Nein, natürlich fürs Surfbrett oder ein Quad… Abschliessend ist zu sagen, dass der Amarok zwar nichts kann, aber das macht er gut. Prima Verarbeitung, bärenstarker Motor, genügend Platz in der Doppelkabine und dank ESP auch sichere Fahrverhalten. Und im Gelände ist er nicht zu unterschätzen. Trotzdem sehen wir keinen Grund, uns so ein Teil für mindestens 39.624 Euro zuzulegen. Obwohl, als Pick Up ist NoVA befreit. Mit der neuen Regelung am März dürften mehr und mehr Leute auf den Geschmak der NoVA-befreiten-Pick-Ups kommen. Nun ja, noch ein Wort zum Lampenbügel. Der will mit 1.418 Euro zusätzlich bezahlt sein. Grundsätzlich macht man mit dem Amarok – egal ob als Canyon oder als Arbeitstier – nichts falsch. Die Frage ist nur, ob man rund neun Liter Diesel auf 100 Kilometer nicht auch anders einsetzen könnte. Und ja, noch was zum Lampenbügel auf der Kabine, der das Fernlicht ersetzt: mit Bügel ist der rund 2 Tonnen schwere Amarok etwas über zwei Meter hoch. Also Vorsicht in den Parkhäusern, sonst wirds finster.

Vielen Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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