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Vom Twinni das Rechte: Dauertest-Einstieg Skoda Fabia TSI 110 Style

Ein halbes Jahr in Bunt, und wie wir dabei immer lustiger und verkehrssicherer werden.

17.10.2015 Autorevue Magazin

Die letzten in den Farb-Departments der Hersteller entworfenen Trends fallen ins Fach „Tarnen und Täuschen“. Weiß verschwindet vor dem Himmel, Silber vor den Bürobauten, Grau vor den Hauswänden, Schwarz im Gewitter, und was anderes gibt’s eh nicht. Einmal haben sie Orange versucht (Fiat Barchetta), hat sich aber nicht durchgesetzt.

Dankenswert daher ist es, dass Skoda nun den Fabia in der anderen Hälfte des Twinni anbietet, man nennt es Rallye-Grün, und wer das Auto in dieser Farbe nimmt, hat nicht nur Teil an großer Renngeschichte, sondern koloriert das Straßenbild und holt es solchermaßen aus seiner selbstverschuldeten Tristesse.

Bunt und Simply Clever

Nun gut, bohren wir uns unter die erfrischende Farbe und finden wir ein Auto von bemerkenswerter Gereiftheit. Im Strom der Gentrifizierung einer Marke wird auch der ­Fabia mitgerissen, einerseits reitend auf der VWness als technologischer Welle, andererseits aber, und das vor allem, auf der Sympathiewelle. Diese wird von dem ausgelöst, was man mit Skoda verbindet, wobei alles in einem wichtigen Punkt zusammenläuft: perfekt wie ein VW (zu sein hat), aber nicht so perfektionistisch.

Skoda macht das gut und witzig, und noch dazu auf eine bemerkenswert unaufwendige Weise: mit den „Simply-Clever-Lösungen“ genannten Lebenserleichterungen wie dem schon öfters besungenen Eiskratzer im Tankdeckel, dem kleinen Meerschweinderlstall im Kofferraum – ein Kom­partement für ansonst herumfliegendes Zeugs – oder dem Mistkübel mit einhängbarem Mistsackerl im Türseitenfach. Werde es doch in den kommenden Monaten oft benutzt!

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© Bild: Andreas Riedmann

Ordnung muss sein! Oder anders gesagt: Ordnung kann sein. Etwa hier.

Der kleine Redaktionsliebling

Der Fabia wird in der Redaktion herumgereicht wie ein Wanderpokal. Zwar nicht für weite Reisen, sein Rekord diesbezüglich war bislang München, und der Kollege, der das fuhr, sagte, das geht schon. Aber für jegliche Art spontaner Fahrt hierhin und dorthin, in die Stadt oder aufs nahe Land, schmeichelt uns der Fabia mit seiner Umkompliziertheit und frischen Dienstwilligkeit. Drei verschiedene Fahrer-Einträge an einem Tag im Fahrtenbuch kommen durchaus vor, und das bei grundsätzlich meist wohlbefüllter Garage. („Der Maybach-Benz ist gerade frei.“ „Super, aber ich nehm’ jetzt doch lieber schnell den Fabia, ist einfacher.“)

Einfach, aber nicht simpel. Der Fabia ist bei aller Lustigkeit, die sich nicht zuletzt ­wegen der Farbe auch auf uns überträgt, ein ernsthaftes Statement im Segment der Kleinen. Dort wird mittler­weile ja mit allen Mitteln gekämpft: Ausstattung, Fahrgefühl, Sicherheit, nirgends darf das Attribut „günstiger Kleinwagen“ durchschimmern (aber alle sollten natürlich günstige Kleinwagen sein).

Und so genießen wir in ­unserer obersten Ausstattungsstufe Style ein vornehmes Siebengang-Doppelkupplungs­getriebe, die beste Sitzheizung nach der Lenkradheizung
vom Infiniti Q70, Tempomat und radargesteuerte City-Notbremsfunktion (okay, Letztere genießen wir nicht, aber gut, dass sie da ist.)

Skoda Fabia TSI 110 Style 7-Gang-DSG innenraum cockpit armaturen
© Bild: Andreas Riedmann

In deutlich teureren Autos muss man sich aufs iPhone draufsetzen, damit es nicht herumkullert. Ansonsten: super Sitze, Konnektivität, Sportlenkrad.

Leben mit dem 110 PS-TSI

Unser Dauertester wird von einer in unserem Dieselland nicht übermäßig populären Motorisierung bewegt: 110-PS-Benziner plus DSG. Aber das bewährt sich. Ohne provozierte Exzesse ist der Motor angenehm ruhig und auf jeden Fall eher spritzig als behäbig, und auf der Autorevue-Normrunde sind fünf Liter locker zu machen. In wochenlangen Stadtphasen kann das auch gegen sieben Liter gehen, aber eben: Stadt und kurze Strecken mit dauerkaltem Motor. Da sind sieben Liter auch recht gut.

Wie viele Kleine, die nicht so aufs Prestige bauen können, punktet der Fabia mit Ausstattung und setzt dabei die Grenze: Runde 18.000 Euro sollten es sein, um ein kleines Auto mit den Segnungen automobiler Vollwertigkeit zu bekommen (in dem man in unserem Falle übrigens ausgezeichnet sitzt und Platz hat, sowohl vorne wie auch hinten, wenn man nicht zwei Meter lang ist).

Ob wir diese Vollwertigkeit auch wirklich haben müssen, oder ob es für alle Tage nicht doch auch einfacher geht, werden die kommenden Monate zeigen.

// SHORTCUT

Was wir mögen
Dass dieses Auto nicht nur gut, sondern auch noch sympathisch ist.
Was uns fehlt
Kleinkram (wir hauen immer alles weg, und jetzt endlich wäre Platz im Auto).
Was uns überrascht
Was kleine Autos schon alles können (nur Langstrecke ist noch ausbaubar).
Perfekt, wenn
… man rechnet, aber nicht nur.
Die Konkurrenz
Alle Kleinwagen um die vier Meter Länge, zum Beispiel Audi A1, Citroën C3, Ford Fiesta, Hyundai i20, Opel Corsa etc.

// Daten Skoda Fabia TSI 110 Style 7-Gang-DSG

Preis € 18.790,–
Steuer jährlich € 424,08
Technik
Motor/Zylinder/Hubraum: Turbob./4/1197 ccm
Leistung/Drehmoment: 81 kW (110 PS)/175 Nm
Antrieb/Getriebe: Front/7-Gang-DSG
Messwerte
Spitze/0–100 km/h: 196 km/h/9,4 sec
Normverbrauch/CO2: 5,8/4,1/4,7 l/100 km / 109 g/km
Verbrauch im AR-Test: 5,0–7,0 l/100 km
Dimensionen
Länge/Breite/Höhe: 3992/1732/1452 mm
Gewicht/Zuladung: 1154/530 kg
Kofferraumvolumen: 330–1150 l
Tank: 45 l
Sicherheit
EuroNCAP gesamt: 5 Sterne
Erw./Kind/Fußg./Ass.-Systeme: 81/81/69/69 %
Ausstattung und Extras
Höhenverstellbare Vordersitze: Serie
Parksensor: Serie hinten
Sitzheizung vorne: Serie
Klimaautomatik: Serie
Fensterheber elektr. hinten: 174,–
Metallic: 440,–
Spurhalteassistent: –
Tempomat: Serie

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