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Testbericht: Volvo XC60 2,4D DRIVe

Alte Volvo-Tugend: der Autokauf fürs gute Gewissen. Und Trend wird auch gleich einer gesetzt.

01.11.2009 Autorevue Magazin

Auch Volvo ist auf den Zug des Treibstoffsparens mit unrevolutionären Technologien aufgesprungen und nennt sein Vehikel DRIVe. Die eingesetzten Mittel in zehn Modellen im Wesentlichen: Start/Stop-Automatik beim 1,6-Liter- Turbodiesel, geändertes Motormanagement, optimierte Kühlluftführung, Verwendung von Leichtlauf-Getriebeöl, Windabweiser vor den Vorderrädern, ein zehn bis zwanzig Millimeter tiefergelegtes Fahrwerk, speziell übersetzte Getriebe und bei C30, S40 und V50 ein Rekuperationssystem, das die beim Bremsen entstehende Wärme in nutzbare Energie umwandelt.

Letztgenannte Modelle schaffen in der 1,6-Liter-Turbodieselmotorisierung einen Verbrauch von 3,9 Litern (solange sie übers Papier der offiziellen Verlautbarung fahren).

Der Volvo XC60 verzichtet auf die Start/Stop-Automatik und setzt dafür unter anderem auf die Minimierung von Reibungsverlusten in den Zylindern. Das soll für unseren 2,4D mit 175 PS einen Durchschnittsverbrauch von sechs Litern ergeben. Der Testverbrauch bei sparsamer, aber doch flotter Fahrweise pendelte sich bei 6,9 Litern ein und schlug, wollte man ein wenig mehr Spaß haben, locker gegen 7,3 Liter aus. Das ist insgesamt unüblich nahe an der Verlautbarung und ziemlich gut für ein Auto dieser Gewichts- und Leistungsgruppe.

Das ist das eine. Das andere ist, dass unser Testwagen, als SUV eigentlich von Amts wegen ein Allradler, Frontantrieb hatte. Der 2,4-Liter-Diesel erfuhr dafür eine Leistungssteigerung von 163 auf 175 PS und ist – wie in unserem Fall – als DRIVe mit Sechsgang-Schaltgetriebe und als Nicht-DRIVe mit Geartronic (Automatik) zu haben.

Mit den 163 PS gibt es ihn auch noch, dann aber wiederum nur mit Allrad und Geartronic, und mit DRIVe ist es auch nichts.

In einem XC60 die Gänge selbst sprudeln zu müssen, ist ein Verzicht (auch einer auf den Mehrpreis von rund 2.300 Euro). Keinen Allradantrieb zu haben hingegen nur bedingt. Traurig wird es wohl, wenn man in den Außenbezirken wohnt, Frau Holle über Nacht ihren Sondermüll reichhaltig verteilt hat und man nicht aus seinem Parkplatz herauskommt (bzw. am Abend in keinen mehr hinein).

In diesem Kontext wird man noch öfter denken müssen, wenn nämlich die anderen Hersteller kompakter SUVs nachziehen und ihrerseits front- oder heckgetriebene Autos verabfolgen. Dahingestellt sei, ob das sozusagen der erste Schritt einer größeren SUV-Demontage ist oder nur die Umsetzung der schon längst fälligen Erkenntnis, wie bedingt notwendig ein Allradantrieb für 99 Prozent der Kunden ist. Also wird eine neue Mode ausgerufen. Nur weil das Auto ein hoher Kasten ist, muss es ja nicht geländegängig sein. Ein diesbezüglicher Verzicht erspart einem höchstens die eine oder andere bäuerliche Besitzstörungsklage.

Apropos Klage: Kommt kaum auf, was das Fahrverhalten des frontgetriebenen XC60 betrifft. Auch beim kernigen Angasen reißt es nicht am Lenkrad, in Spurrillen bleibt das Auto gelassen, und die etwas nervige Wacklerei ist dem hohen Schwerpunkt geschuldet und in dieser Fahrzeugklasse sowieso systemimmanent, wie wir Soziologen das nennen.

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