Volvo V60 dyn VoLi
Mit viel Verve kommt Volvo nunmehr daher
 

Vorstellung: Volvo V60

Der moderne Lifestyle wühlt den V60 gehörig auf.

28.10.2010 Online Redaktion

Volvo-Modelle waren immer klar gezeichnet. Ruhepol für die Augen. Vorbei. Die Schweden wollen weg vom Sachlich-Pragmatischen, hin zu den ­Enthusiasten. Dies wird auch durch das Fahrwerk unter­strichen, das bei uns straffer daherkommt als anderswo auf der Welt. Nach außen hin wird der neue Verve jedenfalls glaub­würdig transportiert. An die bekannte Front schließt ein ­geschwungenes Kombiheck an, detailverliebt und wie von der Fliehkraft gebeutelt, fließen hier alle Linien zusammen. Anfangs steht man dieser neuen Komplexität etwas irritiert gegenüber, aber schnell kommt die neue Volvoness in Herz und Seele an: So schaut uns das blechgewordene Versprechen von Sicherheit und Intellektualität also im Jahre 2010 an. Das Auge hat ordentlich was zu tun, außen wie innen.

Die Sitze sind wie gewohnt eine Wonne, die Kopffreiheit hinten ist zwar nicht gerade üppig, aber ausreichend. Beim Kofferraum kommt es laut Hersteller weniger auf die Anzahl der ­Liter an als auf die Nutzbarkeit jedes einzelnen. Und wahrlich, mit 430 Litern wird man beim ­Kombiquartett keinen Stich ­machen, sogar ein Alfa Sportwagon bietet mehr. Dies sei aber verziehen, da man die vollen Liter eh immer nur ausfüllen kann, indem man die Hütte unter Wasser setzt, und dafür ist der schöne Teppich zu schade. In der Realität zeigt sich der Laderaum breit und glattflächig, mit Sackerlwand und Kellerabteil. Nur die Dach­kante liegt ziemlich tief. Die Rückbank lässt sich dreigeteilt in die Horizontale räumen, die Kopfstützen sind auch vom ­Armaturenbrett aus umklappbar. ­Maximum: 1241 Liter. Um das Sound-System auszuloten, hat man uns eine CD der schwedischen Metal-Band „Mustasch“ ins Laufwerk gelegt, wohl auch ein Wink in die neue Richtung.

Nach dem D3 aus dem S60-Vergleichstest (AR 9/2010) nahmen wir uns diesmal vor allem den neuen T4 mit 180 PS (132 kW) und 6-Gang-­Geartronic zur Brust. Der ­Benziner ist eine Eigen­entwicklung und schöpft ­Leistung und Drehmoment (240 Nm) aus 1,6 Liter Hubraum, garniert mit Direkt­einspritzung, verstellbaren ­Nockenwellen und (eh klar) einem Turbo­lader. 1595 ccm klingen nach zu wenig, aber das Motörchen schiebt gehörig an, profitiert von der gediegenen Einrahmung durch Doppelkupplungsgetriebe und Dämmmaterialien. Klanglich bleibt der T4 natürlich ein Vierzylinder, beim Anrauchen fährt er aber schön kernig in unsere Ohren, und nach Ende der Beschleunigung taucht er unter den Akustikabfall, wobei besonders der Fahrtwind auffällt, der merklich um die Spiegel pfeift.

Das erwähnte Dynamikfahrwerk lässt einen zwar mitkriegen, was die Straße an Struktur anzubieten hat, harte Schläge jedoch, wie sie der S60 manchmal durchlieferte, sind hier nie zu spüren. Die Gelassenheit, die man von einem Volvo erwartet, bleibt erhalten.

Die Sicherheitsfeatures sind aus der Limousine bekannt, Kameras erkennen Fußgänger wie Autos, notfalls wird gebremst. Neu hinzugekommen ist die Frontkamera, die einem z. B. bei Ausfahrten zeigt, was von links und rechts daher­havariert. Wir kennen derlei von BMW, während die Bayern jedoch Kameras in die Kotflügel einbauen, sitzt die V60-Kamera im Kühlergrill, wo sie Wind, Wetter und Steinschlag ausgesetzt ist.
Fehlt noch eine Einordnung der neuen Nummer. Der V70, früher der Kombi zum S60, bleibt als Fels in der Brandung für die letzten Europäer, die in einem Volvo kein Sportfahrwerk mögen. Und für die verbleibenden Kunden, die von einem Kombi 575 Liter Kofferraum erwarten. Und für all die Gepeinigten unserer Zeit, ­deren Augen Ruhe brauchen, weil sie vor lauter LED-Proletarismen im Rückspiegel ganz kirre geworden sind. Der V60 mit der Lifestyle-Tröte und der kecken Welle an der Seite ist nun endgültig bei den Kombi-Coupés angekommen, wo sich der V50 erstmals hingeschlichen hatte. Wiewohl: Sitze, ­Bedienung, Komfort, alles da. Kein Grund zur Panik.

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