Volvo V40 D4 Summum Test Fahrbericht
Wir freuen uns über die frischeste Form in der Kompaktklasse.
 

Testbericht: Volvo V40 D4

Von einem neuen Auto, dessen Innovationen hoffentlich unentdeckt bleiben.

29.11.2012 Online Redaktion

Die Neugier befriedigen und die Ratlosigkeit beenden könnte nur ein Unfall. Und sich so etwas zu wünschen ist natürlich Quatsch. Dann könnte man aber sehen, wie beim Volvo V40 der Fußgängerairbag aufgeht – unterhalb der Windschutzscheibe und an deren Seite hinauf. Dann ploppen noch Knie-, Seiten, Kopf-, Fahrer- und Beifahrerairbag auf. Aber wahrscheinlich passiert das nicht allzubald, denn es gibt ja noch das City-Safety-System, das selbstständig abbremst, wenn bei Stadt-Geschwindigkeiten ein Unfall droht. Abstandsmessung auf der Autobahn und ein Toter-Winkel-Assistent sind ohnehin obligat. Womit der Anspruch geklärt wäre, mit dem bei Volvo Autos entwickelt werden.

Die Marke ist mittlerweile dabei, das Pferd neu zu erfinden.

Pferde rannten von selbst weder gegen Kutschen noch in Gräben – was man von Autos nicht behaupten kann. Auf die Intelligenzstufe eines Pferdes sollte die Fahrzeugelektronik noch hochprogrammiert werden, ab diesem Level setzt die Paranoia vor dem Roboterauto ein und es muss Schluss sein. Höret diese Worte.

Das Prunkstück bei Volvo war und ist der Innenraum. Schwedische Eleganz gepaart mit der Wärme hochwertiger Materialien. Auch im neuen Volvo V40 schwingt sich die Mittelkonsole behände nach oben (oder fließt nach unten, je nachdem). Dahinter versteckt sich eine sehr fummelig zu erreichende Ablagefläche.

Das große Theater spielen die neuen Instrumente. Volvo macht vor, was sich mit einem Display alles umsetzen lässt. Der Fahrer kann zwischen drei verschiedenen Grund-Designs wählen (Elegance, Eco und Sport). Auch wenn die Sport-Optik mit ihrem großen Drehzahlmesser und dem schreienden Rot nicht so recht zum D4 passen will (aber zum Jahresende erscheint dann der T5). Also lieber Elegance oder Eco. Das System erkennt Verkehrsschilder, gibt sie im Display wieder und markiert die erlaubte Höchstgeschwindigkeit dezent auf dem Tacho. Schaltempfehlungen finden Platz, und man kann einstellen, welche und wie viele Informationen man noch sehen möchte (Kilometerstand, Uhrzeit …).

Passender könnte ein Motor nicht sein.

Der D4, ein Commonrail-Turbodiesel mit 177 PS, ist das stärkste Dieselaggregat im Programm. Der Motor zieht den V40 kräftig nach vorne. Das sind die kürzesten 8,6 Sekunden bis Tempo hundert in der Automobilgeschichte. Lediglich beim Anfahren muss ein kleines Motivationsloch überwunden werden, und auf der Autobahn schaltet man ­lieber ein oder zwei Gänge zurück, bevor man überholt.

Dazu kommt ein wunderbar abgestimmtes Fahrwerk. Volvo schafft es, die feine Note zwischen Langstreckentauglichkeit und Landstraßen-Elan zu treffen. Auch wenn der Schwerpunkt klar auf „Komfort“ lag. Die Schweden profitieren noch vom Vorbesitzer. Volvo gehört zwar jetzt dem chinesischen Konzern Geely, der V40 basiert aber noch auf dem Ford Focus. Angemerkt sei, dass der Testwagen in der Topausstattung Summum daherkam – Ledersitze wie im Wohnzimmer.

Einziges Manko ist das Getriebe. Zwar wird der Schaltknauf beleuchtet, was eine heimelige Atmosphäre schafft, aber der Hebel ist klobig und die Gangführung zu unpräzise. Besonders am Anfang landet man schnell mal in der falschen Stufe, und auch das ­Einlegen des Rückwärtsgangs will geübt sein. Volvo kann es nur recht sein, so greifen mehr Kunden zum Doppelkupplungsgetriebe (hergehört: Kaufempfehlung). Optisch macht einen der V40 zur Mittelklasse-Avant­garde – schwedische Eleganz trifft vornehme Zurückhaltung.

Fußgängerairbag im Volvo V40:

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