Volvo V40 Test Front
Der jüngste Volvo eröffnet eine neue Dimension der Fahrfreude für Schwedenautos.
 

Vorstellung: Volvo V40

Trotz Ford-Genen: Der neue Volvo V40 trägt zeigt klar, in welche Richtung die Schweden unter chinesischer Führung wollen.

22.04.2012 radical mag

Wenn Manager eine Idee haben, oder, noch besser: eine Vision, aber noch nicht ganz dort sind, wo sie hin wollen, dann sprechen sie gern von: Transformation. Stefan Jacoby, seit August 2010 neuer Chef von Volvo, hat klare Vorstellungen, wohin er will mit ­seiner Marke. Doch das erste ­Modell, das Volvo ­unter seiner Führung als Neuheit auf den Markt bringt, ­wurde selbst­verständlich lange vor der ­Ankunft von Jacoby in Göteborg angeschoben, da konnte der neue Boss wohl nur noch an den Details feilen. Und ­darum redet der ehemalige Chef des amerikanischen ­VW-Ablegers wohl auch lieber von Transformation als vom neuen Volvo V40. Zwar steht er schon da und lobt und preist das neue Produkt, aber noch lieber ­erzählt er von den ­Plänen in China und der neuen SPA-Plattform (Scalable Product Architecture) und überhaupt „the New ­Volvo ­Car Corporation“.

Dabei, so macht es zumindest den Anschein, haben ­Jacoby und seine (neuen) Mitarbeiter schon so einiges dafür getan, dass der Volvo V40 zu einem eigenen Modell geworden ist. Zwar basiert er auf der Plattform des Ford Focus; dagegen ist aber nichts einzuwenden, der Focus ist ein anständiges, vor allem sehr fahraktives ­Automobil. Und genau das kommt dem jüngsten Volvo zugute: Nach einer ersten Ausfahrt mit dem neuen Volvo V40 ist zu vermelden, dass der jüngste Volvo eine ganz neue Dimen­sion der Fahrfreude für die schwedische Marke eröffnet. Da dürfen andere Adjektive verwendet werden als bisher, etwa: sportlich, agil, präzis. Das ist alles nicht übertrieben, es ist keine deutsche Härte, der Volvo bleibt auf der noch komfortablen Seite, doch zuckt er jetzt nicht mehr zusammen, falls der Pilot einmal etwas flotter durch eine Kurve eilen möchte.

Zwar behauptet Volvo, von der (alten) Focus-Plattform seien gerade einmal ein paar ­Bodenbleche und die Spritzwand übrig geblieben, doch es gibt da noch ein paar andere Dinge, die von Ford stammen. Etwa die kompletten Antriebseinheiten. Wie es auch gefällt, kann man da nur schreiben:

Es gibt bei den Benzinern den T3 (4 Zyl., 1,6 l, 150 PS), den T4 (4 Zyl., 1,6 l., 180 PS) und noch ­einen T4 (5 Zyl., 2 l, 180 PS), den T5 (5 Zyl., 2 l, 213 PS) sowie noch ­einen T5 (5 Zyl., 2,5 l, 254 PS). Alles klar?

Bei den Selbstzündern ist es etwas einfacher, auf den D2 (4 Zyl., 1,6 l, 115 PS) folgen der D3 (5 Zyl., 2 l, 150 PS) und der D4 (5 Zyl., 2 l, 177 PS).

So viele Möglichkeiten (die sich teilweise auch noch überschneiden) für so eine kleine Marke verstehen wir zwar nicht ganz, aber das lässt sich sicher auch auf die Transformation schieben. Geschaltet wird entweder manuell oder über das bekannte Doppelkupplungsgetriebe, das bei Ford, Entschuldigung, Volvo Powershift heißt.

Volvo V40 Test Dach Vogelperspektive

Die beiden T5 standen bei den ersten Ausfahrten in Schweden noch nicht zur Verfügung, doch die beiden T4 machen ihre Sache schon sehr souverän. Noch wollen die Schweden das Gewicht ihres Neulings nicht verraten, doch mit 180 Pferden ist man alleweil bestens motorisiert. Angenehm laufruhig sind beide, der Fünfzylinder hat aber deutlich mehr Drehmoment (300 statt 240 Nm) und ist folglich noch lockerer, spielender. Auch bei den Dieseln ist in Sachen Drehmoment mächtig was los, der D4 stemmt maximal 400 Nm schon ab 1750/min, da kann niemand klagen. Auch die Verbrauchswerte sind beachtlich, der übrigens vollkommen ausreichende D2 will mit nur 3,6 Litern auskommen (CO2: 94 g/km), doch auch der D3 und der D4 bleiben noch unter 120 g/km, der T3 und der T4 unter 140 g/km.

Doch Volvo wäre nicht ­Volvo, wenn die Schweden nicht technologisch noch einen draufgeben könnten; auch ­Jacoby hat das verlangt, für ­jedes neue Modell muss es bei den Sicherheits-Features mindestens eine Weltneuheit geben. Im V40 ist dies: der Fußgänger-Airbag. Bei einem Aufprall eines Fußgängers hebt sich beim V40 nicht nur die Fronthaube leicht in die Höhe, es „explodiert“ auch ein mächtiger Luftsack, der weite Teile der Frontscheibe sowie die beiden A-Säulen abdeckt.

Ganz neu ist auch das zwar schon bekannte City-Safety-System, das jetzt aber bis zu 50 km/h funktioniert (bisher: 30 km/h). Aber auch sonst ist der Volvo natürlich mit allen nur denkbaren Assistenz-Systemen ­vollgepackt, die man sich nur denken und wünschen kann: Spur-Halter, Fernlicht-Helfer, Park-Assi, ein neuer Cross-Traffic-Alert (warnt dann, wenn man rückwärts aus der Parklücke fährt und sich seitlich ein Auto ­nähert), Blind-Spot-System.

Im Innenraum führen die etwas gar vielen Knöpflein und Schalter allein für die Assi-­Systeme auf den ersten Blick zu sanfter Verwirrung. Doch hat man einmal alles abgeschaltet, was leuchtet und piept, vermag der Volvo V40 zu gefallen. Ganz oben ein rahmenloser Rückspiegel, oben ein großer Bildschirm, die Mittelkonsole zwar mächtig, aber trotzdem elegant – und die ­Armaturentafel ganz modern. „Intelligent Dashboard“ nennt Volvo das, weil man es in drei Stufen verstellen kann. „Sport“, man ahnt es, leuchtet dann rot, der Tacho weicht einem Drehzahlmesser; unter „Eco“ macht der Wagen Vorschläge, wie man besonders sparsam unterwegs sein könnte, und er verteilt auch Belohnungen, falls man den Anweisungen folgt. Das sind Spielereien, die probiert man wohl einmal aus, dann nie wieder. Und sie ­widersprechen auch der Forderung von Jacoby, dass man ­einen Volvo ohne das Studium der Gebrauchsanweisungen bewegen können soll.

Die Sitze sind vorbildlich gut, bieten sowohl guten Seitenhalt wie auch angenehmen Komfort; auch hinten bleibt genügend Raum, sofern man nicht gerade zwei Meter misst. Das Kofferraum-Volumen des 437 cm langen und 142 cm ­hohen V40 (Radstand: 265 cm) beträgt nicht gerade üppige 335 Liter, dazu kommt noch eine ziemlich hohe Ladekante. Aber man fühlt sich schnell wohl im jüngsten Schweden, ein gegen Aufpreis erhältliches Panorama-Dach bringt viel Licht in den Innenraum, die verwendeten Materialien sind durchweg edel und bestens verarbeitet. Da muss sich Volvo nicht vor den deutschen Premium-Marken verstecken, ganz im Gegenteil, das alles wirkt schlicht und sauber und hat doch einen ganz speziellen Charme.

Das ist der Fußgänger-Airbag im neuen Volvo V40:

Und hier noch ein paar bewegte Bilder vom Volvo V40:

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