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Erfolgsmodell und Vorläufer der variablen Kombis

1953 war es, da feierte der Volvo Duett seine Premiere und damit startete die Erfolgsgeschichte des variablen Kombis, der rund um den Globus Abnehmer fand.

21.08.2016 Online Redaktion

Sein Name war Programm: Duett stand für «zwei Fahrzeuge in einem». Konnte der Volvo Duett vor 66 Jahren doch erstmals die Transporttalente eines Nutzfahrzeuges mit der Vielseitigkeit moderner Familien- und Freizeitkombis vereinbaren. Noch während der fast zwei Jahrzehnte dauernden Produktionszeit erlangte der leistungsstarke Lademeister mit Platz für bis zu sieben Passagiere Kultstatus. Dazu beigetragen hat die Verwandtschaft zum «Buckel»-Volvo, aber auch das eigenständige Chassis mit stabilem Rahmen, das sich für Sonderaufbauten wie Cabrio oder Pickup eignete.

Der Volvo Duett als Wegbereiter

Der Volvo PV445 Duett gilt als Wegbereiter aller variablen Kombis mit Pkw-Eigenschaften. Seine Premiere feierte das Modell am 4. Juli 1953 mit der feierlichen Übergabe des ersten Fahrzeugs an Assar Gabrielsson, einen der beiden Gründerväter von Volvo – und sorgte sofort für Furore. Schnell stieg die Nachfrage nach dem Kombi über die Produktionskapazitäten hinaus und damit verlängerten sich auch die Lieferzeiten. Teilweise lagen die Preise für junge gebrauchte Duett sogar über denen der Neuwagen. Auch in Nordamerika begeisterten sich Familien für den in schicken zweifarbigen Lackierungen lieferbaren Kombi mit einem Interieur im Format damaliger Full-Size-Limousinen trotz kompakter 4,40 Meter Außenlänge. Hinzu kamen die damals bereits legendäre Langlebigkeit und die weltweit wegweisende Sicherheitstechnik der Volvo Limousine PV444, die auf den Duett übertragen wurde. In Frontdesign und Antriebstechnik waren sich Kombi und Limousine sogar fast zum Verwechseln ähnlich.

Volvo-Duett (2)
© Bild: Werk

Auch auf einer Briefmarke zu finden

Anders als beim Volvo PV444 war die Karosserie des Volvo Duett aber nicht selbsttragend, sondern ruhte auf einem robusten Rahmen, der hohe Nutzlasten vertrug. Passend dazu war die stabile Hinterachse blattgefedert, während das Kombiheck noch deutliche Ähnlichkeiten mit einem Kleintransporter aufwies und auch dessen Ladevolumen bot. Für den Volvo Duett war kaum etwas zu groß oder sperrig, weshalb ihm die schwedische Post 1997 mit einer eigenen Sonderbriefmarke ein spezielles Denkmal setzte. Darauf zu sehen: Ob Überseekoffer oder Handwerksmaterialien, der Volvo Duett fasst alles durch die weit öffnenden hinteren Portaltüren oder auf einem riesigen Dachgepäckträger. Kein Wunder, dass er als Kult-Klassiker noch heute die automobile Hauptrolle in Spielfilmen übernimmt und sogar von der schwedischen Jugend geliebt wird, wenn auch meist als Pick-up-Umbau.

Der Zufall schlägt zu

Es war ein Überschuss an Fahrgestellen, der zur Entwicklung des ersten Kombis für Arbeit und Freizeit führte. 1.500 Fahrgestelle inklusive Antriebstechnik hatten sich im Frühjahr 1952 angesammelt. Seit 1949 lieferte Volvo diese Chassis an unabhängige Karosseriebauer in Schweden und Amerika als Basis für Cabriolets, Lieferwagen, Transporter und Pick-ups vom Typ Volvo PV445. Nun traf Assar Gabrielsson eine weitsichtige Entscheidung: «Wir müssen die Lagerbestände irgendwie loswerden. Wir müssen einfach unseren eigenen Transporter bauen». Nur ein Jahr gab Gabrielsson dem Entwicklungsteam dafür Zeit. Gesagt, getan. Nach der ersten Präsentation im Juli 1953 lief im Herbst des Jahres die Serienproduktion des Volvo Duett an.

Volvo-Duett (21)
© Bild: Werk

Lieferbar war der Volvo Duett in drei Varianten

Als Kastenwagen ohne hintere Seitenscheiben, als Lieferwagen mit einfacher Rückbank und hinteren Scheiben sowie als revolutionäre Kombilimousine mit bis zu zwei umklappbaren Rücksitzreihen und voll verglasten Seiten. Eine damals außergewöhnlich gute Geräusch-Dämmung erzielte Volvo durch die edel wirkende Holzverkleidung des Gepäckraums. Das Verkratzen des Laderaumbodens durch Kisten oder Kästen verhinderten zusätzliche Holzleisten. Praktische Details, an die bis dahin kaum jemand gedacht hatte. Nicht zu vergessen die vergleichsweise leistungsstarken Motorisierungen: Aus anfänglichen 44 PS wurden 51 PS und schließlich sogar 68 PS. Damit war der Volvo Duett fast ebenso flott unterwegs wie die Limousine.

Auf Wusch mit Dachzelt und Leiter

Das Konzept aus drei Varianten, vor allem aber die Vielseitigkeit des Familien- und Freizeitfahrzeugs – sogar ein damals sensationelles Dachzelt mit Leiter war lieferbar – machten den Volvo Duett zunächst zu einem der erfolgreichsten Kombis jener Jahre, dann zu einem zeitlosen Evergreen. Einzig wichtige Designmodifikation war im Jahr 1960 die ungeteilte Windschutzscheibe des Volvo PV544 und die Umbenennung in Volvo P210.

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© Bild: Werk

1969 war dann Schluss

Weder die Vorstellung des sportlich-eleganten Volvo Amazon Kombi im Jahr 1962 noch die Präsentation des Kombis Volvo 145 im Jahr 1967 führten zur Einstellung des Volvo Duett. Im Gegenteil, seine Fans schienen den Klassiker mehr denn je zu lieben. Als orange lackierter Transporter für ein schwedisches Telekommunikationsunternehmen erlebte er ebenso einen dritten Frühling wie als populäres Campingfahrzeug. In den Ruhestand geschickt wurde der Volvo Duett erst am 19. Februar 1969 nach 101.942 Einheiten. Neue schwedische Zulassungsbestimmungen machten nun einen Produktionsstopp unausweichlich.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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