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Das große Manko des Volvo 262C

Ja, der Name Bertone ist mit dem Volvo 262C eng verbunden, aber oft in einem falschen Zusammenhang. Und ja, es gab tatsächlich vom 262C ein Cabrio.

30.04.2016 radical mag

Es stimmt nicht, dass Bertone den Volvo 262C gestaltet hat. Es stimmt, dass Bertone den Volvo 262C gebaut hat, 6.622 Stück zwischen 1976 und 1982. Doch der erste Entwurf für dieses doch sehr eigenwillige Coupé stammt von Volvo-Hausdesigner Jan Wilsgaard, der erste Prototyp wurde in Zusammenarbeit mit Sergio Coggiola auf die Räder gebracht. Coggiola, der den Saab Sonett III entwickelt und ein schönes Fließheck-Coupé des Volvo P1800 gezeichnet hatte, entfernte einem Volvo 164 die hinteren Türen und das Dach, setzte eine kleinere Windschutzscheibe ein und ein viel flacheres Dach wieder drauf. Dieser Prototyp existiert noch. Bertone kam erst später dazu, eben, als es darum ging, das Fahrzeug zu bauen. Die ganz große Liebe ließen die Italiener dem Wagen aber nicht angedeihen – über die Jahre wurde manch ein 262C vom Rost zerfressen.

Volvo-262C (4)
© Bild: Werk

Ein Grund für den Misserfolg des Volvo 262C

In den ersten beiden Baujahren gab es den 262C nur in Silber mit schwarzem Vinyldach; weitere Farben kamen erst später dazu. Innen war alles edel, Leder, elektrische Fensterheber, Servolenkung, Wurzelholz – und ein sanfter Mangel an Kopffreiheit. Das war vielleicht der Grund, weshalb der Volvo, der in erster Linie für den amerikanischen Markt gedacht war, nicht abhob an der Verkaufsfront. Einverstanden, da war noch etwas: der PRV-Motor. Anfangs mit 2,7 Litern Hubraum und eher müden 140 PS. Ab 1980 dann mit 2,9 Liter Hubraum und immer noch müden 155 PS. Das reichte für gerade einmal 180 km/h. Geschaltet wurde händisch mit vier Gängen (plus Overdrive, das gab es damals noch) oder über eine Dreigang-Automatik von Borg Warner (das gab es damals noch).

Volvo-262C-Cabrio (2)
© Bild: Werk

Und dann noch das Cabrio

Damit aber noch nicht genug. Denn es gab den 262C auch noch als Cabrio. Geplant war eine Serie von 50 Stück für den amerikanischen Markt, beauftragt wurde der kalifornische Spezialist Solaire. Doch dann hatten die Schweden plötzlich Angst vor ihrem eigenen Mut, man dachte an die amerikanischen Sicherheitsbestimmungen – und schon nach fünf Exemplaren war fertig mit lustig. Wie viele Exemplare es noch gibt, ist nicht ganz klar.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

  • Richard

    Wenn es die selbe 3 Gangautomatik war, die schon im Modell 164 verbaut wurde, dann war sie schlicht ein Alptraum – im Vergleich zu heutigen Getrieben. Der erste Gang zog sich lang wie ein Kaugummi, die zweite war dann im Dauereinsatz und die Dritte war für Autobahnfahrten reserviert, wo sie bei 130km/h ein horrendes Gejaule produzierte. Da das Getriebe mit dem Gewicht der Fahrzeuge – insbesondere beim kickdown – heillos überfordert war, gingen es serienweise kaputt. Tauschgetriebe gab es für ATS 10.000 exkl Einbau wohlfeil. Die Fahrleistungen passten nicht zum sonstigen Anspruch des in meinen Augen sehr gelungenen Volvo.

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